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Kultur

Not amusing

Antideutsche Gefühle scheinen in Großbritannien das letzte gesellschaftlich akzeptierte Vorurteil zu sein – und der deutsche Botschafter findet es nicht mehr witzig.

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Das Deutschlandbild der Engländer: zu einseitig, so der Vorwurf

Thomas Matussek glaubt sich auf einer Mission. Der deutsche Botschafter in London will sich während seiner Amtszeit auf einen "Sprachen-Kreuzzug" begeben und sich dafür einsetzen, dass man in Großbritannien endlich Sprachen lernt. So äußerte sich der Diplomat jüngst in britischen Medien. Die Reaktionen waren harsch. Matussek hatte sich aus britischer Sicht dem Tatbestand der deutschen Schulmeisterei schuldig gemacht und wurde entsprechend gerügt. "Wir brauchen keine Sprachnachhilfe, Herr Botschafter", schrieb etwa der Autor Philip Hensher und konterte genüsslich mit Beispielen, wie Deutsche ihre eigene Sprachgewandtheit dramatisch überschätzen.

Merkwürdiges Geschichtsbild in den Schulen

Dabei ist deutsche Besserwisserei noch eines der freundlicheren Klischees, die in Großbritannien über Deutsche im Umlauf sind. Im Vordergrund stehen nach wie vor Hitler, die Nazis und der Zweite Weltkrieg. Das Deutschland-Bild scheint vornehmlich von Comics, Fernsehserien und Filmen über den Zweiten Weltkrieg geprägt zu sein. "Fritz" brüllt demnach ständig "Marsch", "Achtung" und "Jawoll, mein Führer". Vokabeln, die jedem Schulkind geläufig sind. Vokabeln, die auf den Sportseiten britischer Boulevardblätter auftauchen, sobald mal wieder deutsche und englische Fußballer gegeneinander antreten. "Kraut bashing" lautet der Fach-Begriff für ein augenscheinlich nach wie vor beliebtes Stilmittel.

Viele Deutsche halten dies für den berühmten britischen Humor und bemühen sich darüber zu lachen. Nicht so Matussek: Er erkennt darin nicht etwa eine ironische Brechung der gemeinsamen Geschichte, sondern schlicht "Xenophobie". Matussek ließ sich vom medialen Gegenwind nicht entmutigen und legte vor wenigen Tagen in einem Interview mit der liberalen Zeitung "The Guardian" nach. Nach seiner Meinung ist nicht nur das "Kraut-Bashing" für antideutsche Gefühle verantwortlich, sondern auch der Geschichts-Unterricht an britischen Schulen. Dessen Deutschland-Bild endet gewöhnlich mit dem Zweiten Weltkrieg. "Ich halte es für wichtig, dass die Menschen soviel wie möglich über die Nazi-Zeit und den Holocaust wissen", sagte der deutsche Botschafter. "Aber genauso wichtig ist die Geschichte Deutschlands in den letzten 45 Jahren und die Erfolgsgeschichte der deutschen Demokratie."

"Beat up Fritz"

Deutschlands Botschafter Thomas Matussek bei der Queen in London

Elizabeth II und Botschafter Thomas Matussek

Matussek Äußerungen kommen indes nicht aus blauem Himmel: Boulevard-Schlagzeilen vom Schlage "We want to beat up Fritz" werden mancherorts in die Tat umgesetzt – auch abseits des Umfeldes von Fußballspielen. Im Oktober wurden zwei deutsche Schulkinder in London zusammengeschlagen und die Zahl der Beschwerden von in England angestellten Deutschen über Diskriminierung wachsen. Der Ablauf ist meist gleich. Wie etwa bei Jens Puhle und Heinrich Sawatzki: Die beiden Motorola-Angestellten wurden derart mit Hitler-Gruß und Gaskammer-Witzen genervt, bis sie ihren Job in Swindon kündigten und nach Deutschland zurückkehrten.

Das Problem ist auch auf britischer Regierungsebene erkannt, wie Farhana Patel vom britischen Erziehungsministerium gegenüber DW-WORLD bestätigt. Der Lehrplan soll modifiziert werden. Man will sogar ein Fach namens "Citizenship" einführen - um "Verständnis und Respekt zu wecken" - und um Schülern das Rüstzeug "zum Kampf gegen Vorurteile und Rassismus" zu geben.

  • Datum 13.12.2002
  • Autorin/Autor Nick Amies / (sam)
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2zRQ
  • Datum 13.12.2002
  • Autorin/Autor Nick Amies / (sam)
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