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Hintergrund

Nostalgisches Zurückspulen: Super 8 statt "super neu"

Retrotechnologien sind wieder angesagt. Walkman, Vinyl, Super 8. Immer mehr wollen auf den Rückspulknopf drücken und in eine Zeit zurückkatapultiert werden, in der es noch knisterte und rauschte.

Kassettenfach (Foto: DW)

Das Kassettenhaus

Man sieht ihn wieder. Er ist rechteckig, hat große Knöpfe und ist das Wohnmobil der guten alten Kassette - der Walkman. Obwohl sich mittlerweile der kleine, flache iPod in fast jeder Hosentasche eingenistet hat, trifft man immer häufiger Menschen auf der Straße, die noch den tragbaren Kassettenrekorder bevorzugen.

Taschen Walk (Foto: DW)

Taschen-Walk

Er ist leicht zu handhaben, die Knöpfe sind in ihrer Funktion klar gekennzeichnet. "Wozu all der unsinnige Schnickschnack?" fragt sich Michaela, wenn sie ihren alten Kassettenwalkman mit neuen digitalen Abspielgeräten vergleicht. "Die neuen Geräte sind meistens mit unzähligen Funktionen ausgestattet" beklagt sich die 20-jährige Studentin, "und man bekommt schon Angst beim Berühren eines Knopfes, da man oft nicht genau weiß, was passieren wird. Dann lieber leises Knistern im Hintergrund."

Das Band läuft und läuft

Alte Walkman-Liebe Foto DW

Alte Walkman-Liebe

Das Wiederbeleben "alter Schätzchen" ist einfach in. Wo doch momentan die 80er wieder total in Mode sind, warum nicht die Leggins einfach mit dem Walkman kombinieren? Das lässt das richtige Feeling entstehen, die Zeit der 99 Luftballons. Etwa vier Jahre vor Nenas großem Ballon-Hit machte Sony den Kassettenwalkman 1979 unter dem Namen TPS-L2 berühmt. Er erfreute sich sofort großer Beliebtheit. Die Kassette hatte laufen gelernt.

Mittlerweile ist das erste Sony-Modell zu einer Rarität geworden, für die Liebhaber bereit sind, fast bis zu 200 Euro auf den Tisch zu legen. Für ihre Liebe zum Walkman würde Michaela vielleicht nicht so tief in ihre Geldbörse greifen, doch dass der Hörgenuss des selbstzusammengestellten Mixtapes - natürlich von Platte aufgenommen - mit "leichtem Knistern und Rauschen" eine Janis Joplin oder einen Buddy Holly "echter" klingen lässt, daran zweifelt sie nicht. Und wenn der Rekorder mal spinnt und man plötzlich einen Bandsalat hat, dann wird eben mithilfe eines Bleistiftes wieder alles aufgedreht - weg ist der Salat! Das gehört zum "echten" Feeling halt auch dazu.

Super Film, Super 8

Während das Kassettenband sehr schnell wieder aufgedreht ist, kann ein Bandsalat für den Filmer einer Super-8-Kamera zu einer teuren Angelegenheit werden. Wenn dreieinhalb Minuten Filmspaß schon um die 30 Euro kosten, dann überlegt sich der Hobbyfilmer dreimal, ob sich das filmische Verewigen der Urlaubserlebnisse überhaupt lohnt.

Super 8 Foto DW

Super 8

Das Filmen mit der Super-8-Kamera war Mitte der 70er Jahre noch unter Millionen Hobbyfilmern üblich. Heute ist nur eine kleine Fangemeinde übriggeblieben, die sich an dem alten Gerät noch erfreut, das im Gegensatz zum Sony Walkman nicht ganz so leicht zu handhaben ist.

Damals waren die Super-8-Kameras für den Familienspaß noch leicht zu bedienen, man drückte auf den Auslöser und schon hieß es "Film ab!". Die professionelle Fangemeinde von heute bevorzugt allerdings eine exquisite Bildqualität, die eine entsprechende Vorarbeit verlangt. Tempo, Schärfe und Blende müssen manuell eingestellt werden. Eine ruhige Hand beim "Bilderschießen" ist auch gefordert.

Was für 'nen alten Film schiebst du denn …

Dass die Faszination für den "dreckigen Look" der Super-8-Kamera nicht abbrechen will, lässt Bildentwicklungsfirmen wie Andec in Berlin aufatmen. Die Kundschaft ist in der ganzen Welt verteilt, da es mittlerweile kaum noch Firmen gibt, die das 8-Millimeter-Band entwickeln. "Wir bearbeiten 200 bis 300 Filme pro Woche", berichtet Ludwig Draser, Chef der Firma Andec, "ansonsten würde es sich auch nicht lohnen." Es scheint so eine Art Stammkundschaft zu geben, denn "die Zahlen haben sich in den letzten Jahren kaum verändert."

Magazin Schmalfilm Foto: schmalfilm

Magazin "schmalfilm"

Die einzige deutsche Fachzeitschrift "schmalfilm", die getreu ihrem Namen nur über Schmalfilmformate wie Super 8 oder 16 Millimeter informiert, kann seit 2004 sogar eine wachsende Leserschaft verzeichnen. Infos von Gehalt erleben einen richtigen Boom. Das Zeitschriften-Abo ist zwar nicht ganz so billig - 73,20 Euro für sechs Ausgaben -, aber der "Schmalfilmer" bekommt dafür auch ein breitgefächertes Programm geliefert. Neue Produkte, Berichterstattungen von Profi- und Amateurfilmern sowie Infos über Filmfestivals warten auf den Liebhaber.

Einfach nicht so clean

Ob Walkman oder Super 8 - viele stehen einfach auf das Nicht-Perfekte der Analogtechnik. Undeutliche Konturen, die besonderen Farben, das leichte Flimmern auf der einen, das leise Rauschen und der "warme Klang" auf der anderen Seite. Auch im digitalen Zeitalter bleiben Aug' und Ohr noch dem Alten treu, denn wer ist schon perfekt?!

Autorin: Daniela Doutch

Redaktion: Gudrun Stegen

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