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Wirtschaft

Norwegens Staatsfonds knackt Rekordmarke

Der Höhenflug der weltweiten Aktienbörsen lässt in Norwegen die Kassen klingeln: Eine Billion Dollar werden nun vom weltweit größten Staatsfonds verwaltet.

Eine Billion Dollar - das ist zweieinhalb mal soviel wie Norwegens Wirtschaft pro Jahr leistet. Und das ist ein schönes Polster, dient der Norwegische Staatsfonds doch dem Land als eine Art Versicherung für die Zeit, wenn Öl- und Gasreserven auslaufen.

Das Überschreiten der Rekordmarke von einer Billion Dollar wurde am Dienstag von Norges Bank Investment Management mitgeteilt, die den weltgrößten Staatsfonds verwaltet. "Eine Billion Dollar zu erreichen - das ist ein Meilenstein", erklärte der Chef der Gesellschaft, Yngve Slyngstad. "Das Wachstum des Marktwerts des Fonds war atemberaubend." Als bei der Gründung des Fonds 1996 die ersten Öleinnahmen übertragen worden seien, habe sich noch niemand eine derartige Steigerung ausmalen können. In der Folgezeit wurden die Einnahmen aus Öl- und Gasverkäufen in den Fonds gesteckt und angelegt.

Nach früheren Reuters-Berechnungen hat der Fonds die Billionen-Schwelle bereits am 12. September erreicht. Ursprünglichen Prognosen zufolge sollte der Fondswert in den 2020er Jahren das 1,3-Fache des Bruttoinlandsproduktes erreichen.

Umbaupläne des Fonds

Das Wachstum kommt auch der norwegischen Regierung zu gute, darf sie doch jährlich bis zu drei Prozent des Fondswertes für den Staatshaushalt verwenden. Im Etat für 2017 liegt die Quote bei 2,8 Prozent. Sein Vermögen hat der Fonds in Aktien, Anleihen und Immobilien aus mehreren Dutzend Staaten angelegt. Zuletzt war er an etwa 9000 Firmen beteiligt und hielt 1,3 Prozent aller weltweit gehandelten Aktien.

Das könnte sich aber bald ändern. Im Juni hatte Norwegen verkündet, seinen Staatsfonds umbauen zu wollen. Zum einen soll der Fonds von der Zentralbank abgetrennt werden, das schlug eine von der Regierung eingesetzte Kommission vor. Die Aufgaben der Notenbank soll künftig eine separate Investment-Verwaltungsgesellschaft übernehmen.

Außerdem gibt es Überlegungen, den Fonds strategisch neu auszurichten. Bislang liegt der Schwerpunkt auf Anleihen, Aktien und Immobilien. Durch mögliche zusätzliche Investitionen in Papiere nicht börsennotierter Firmen sowie im Infrastruktursektor winken höhere Renditechancen.

Nachhaltige Anlagestrategien

Nicht nur seine Größe auch die ethisch-sozial-ökologische Anlagestrategie des Fonds hatte in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufsehen gesorgt. So hat der Fonds vom Finanzministerium die Order bekommen, sich aus Energie- und Bergbaufirmen zurückzuziehen, wenn bei ihnen das Kohlegeschäft mehr als 30 Prozent des Umsatzes ausmacht. Ebenso investiert der Fonds nicht in Rüstungsunternehmen und Tabakkonzerne.

Ebenfalls im Juni wurde angekündigt, dass künftig Banken, an denen der Fonds beteiligt ist, Auskunft darüber geben sollen, wie sich deren Kreditvergabe auf die Emission von Treibhausgasen auswirkt. Die Banken müssten erklären, welche Art von Krediten sie hätten und wie exponiert ihr Kreditportfolio in dieser Frage sei, sagte der Chef des Fonds, Yngve Slyngstad. Der Finanzsektor stellt mit 23,8 Prozent den größten Einzelbereich des Aktienportfolios des Fonds dar.

iw/ul (rtr)

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