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Europa

Norwegens Rechtsextreme im Fokus

Haben rechtsextreme Kräfte den Todesschützen Breivik beeinflusst? Dieser Frage geht nun der Prozess um die Anschläge vom Sommer 2011 nach. Doch Rechtsradikale spielen in Norwegen kaum eine Rolle.

Anders Behring Breivik vor Gericht (Foto: Reuters)

Anders Behring Breivik vor Gericht

Bewerbungstraining für Einwanderer. In einem hellen Computerraum des staatlichen Antirassistischen Zentrums (AS) sitzt ein halbes Dutzend junge Erwachsene, die eifrig an ihren Lebensläufen feilen. Kursleiterin Somia Salaouatchi, 24 Jahre alt, das Gesicht von einem fliederfarbenen Schleier eingerahmt, geht von einem zum nächsten und gibt Tipps. Dass Einwanderer in Norwegen diskriminiert werden, kann die gebürtige Algerierin nicht finden. Allerdings gebe es strukturelle Diskriminierung, sagt Somia Salaouatchi: "Es ist gerade ein Bericht herausgekommen, der besagt, dass die Chancen bei Bewerbungen schlechter sind, wenn man einen ausländisch klingenden Namen hat. Das größere Problem ist aber vermutlich, dass Einwanderer nicht die gleichen Netzwerke haben wie ethnische Norweger."

Wenig rechtsextremistische Taten in Norwegen

Gedenken auf der Insel Utoya vier Tage nach dem Attentat (Foto: dapd)

Gedenken auf der Insel Utoya vier Tage nach dem Attentat

Auch direkt nach dem Massenmord am 22. Juli 2011 in Oslo und Utoya gerieten Einwanderer in die Kritik. Spekulationen, Islamisten hätten die Anschläge ausgeführt, waren schnell Teil der Medienberichterstattung. Weniger stark wurde die Frage diskutiert, ob norwegische Rechtsextremisten hinter den Wahnsinnstaten stecken könnten. Das kommt nicht von ungefähr, sagt Shoaib Sultan. Er beobachtet beim Antirassistischen Zentrum die rechtsextreme Szene Norwegens. Sie spiele keine große Rolle, sagt Sultan: "In Norwegen sprechen wir oft von drei verschiedenen Gruppen von Rechtsextremen. Da gibt es die Neonazis. Es sind wenige, sie sind schlecht organisiert. Dann gibt es die etwas größere Gruppe der Rassisten, die meinen, dass Menschen mit anderer Hautfarbe hier nicht hergehören. Für die dritte Gruppe ist die Islamfeindlichkeit ein Ventil. Sie benutzen das als Deckmantel für ihren Rassismus."

Der Autor Ketil Raknes (Foto: Verlag Spartacus)

Der Autor Ketil Raknes

Der Rechtsextremismus insgesamt hat in Norwegen derzeit keine starke Stellung, stellt auch der Jahresbericht des norwegischen Geheimdienstes 2012 fest. Es gab zwar in den vergangenen Jahrzehnten Anschläge gegen Asylaufnahmestellen und der Streit um die Mohammed-Karikaturen führte dazu, dass die Skepsis gegenüber dem Islam wuchs. Doch nicht zuletzt die Tatsache, dass es mit der Freiheitspartei (FRP) eine rechtspopulistische Partei im Parlament gibt, habe dazu geführt, dass die rechtsradikalen Strömungen im Land nicht stärker geworden sind, sagt Ketil Raknes, der gerade ein Buch über rechtspopulistische Parteien geschrieben hat: "Norwegen hat die Rechtspopulisten gut behandelt. Man hat die FRP nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig hat man sie offen kritisiert. Das hat Spuren hinterlassen. Beim letzten Parteikongress gab es Parteimitglieder, die angemahnt haben, die Partei solle den Islam nicht kritisieren, man vergraule Wähler mit Migrationshintergrund."

Einsamer Wolf oder Teil des Rudels?

Shoaib Sultan, Experte für Rechtsextremismus beim Antirassistischen Zentrum (Foto: http://www.antirasistisk-senter.no)

Shoaib Sultan, Experte für Rechtsextremismus beim Antirassistischen Zentrum

Der Todesschütze Anders Behring Breivik verließ die Fortschrittspartei, weil ihm ihre Thesen nicht radikal genug waren. Er wird als einsamer Wolf beschrieben, der im Internet zu seinem Rudel stieß. Vor Gericht wird jetzt geklärt, wie stark die rechtsextremen Strömungen in Norwegen wirklich sind, die ihn inspiriert haben könnten. Ein Thema, das auch im Antirassistischen Zentrum in Oslo unter den Teilnehmern des Bewerbungskurses diskutiert wird. Durch die Anschläge habe es eine neue Debatte über das Thema Einwanderung gegeben, sagt Somia Salaouatchi. "Es hat alle erstaunt, dass Behring Breivik kein Einwanderer war. Das hat die Diskussion neu entfacht", so die Kursleiterin. "Dadurch sind die Argumente der verschiedenen Seiten klarer geworden. Es kommt besser heraus, was die Leute wirklich meinen."

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