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Europa

Norwegens ökologische Geldanlagen

Der norwegische Staatsfonds investiert in ökologische Unternehmen. Ziel: ökologischen Einfluss nehmen ohne Spekulationen, aber mit Rendite. Erfüllt ein Unternehmen die Standards nicht , kommt es auf eine schwarze Liste.

Die Norwegische Zentralbank (Foto: Norges Bank, Pressefoto)

Die Norwegische Zentralbank in Oslo

Wochenlang prüften Andreas Føllesdal und seine vier Mitstreiter im Ethikrat des norwegischen Pensionsfonds die Vorwürfe, sammelten Fakten und reisten an den Schauplatz des Frevels, um sich selbst ein Bild zu machen. Detailliert lässt sich nun für jedermann im Internet nachlesen, warum der Ethikrat den Ausschluss des kanadischen Grubenbetreibers "Barrick Gold" aus dem Portfolio und den Verkauf der Aktien empfahl.

Ohne Skrupel die Umwelt verschmutzen

Besonders problematisch waren die Geschäfte des Konzerns in Papua-Neuguinea", sagt Andreas Føllesdal. Es soll Anklagen von Nichtregierungsorganisationen gegeben haben, wonach "Barrick Gold" seinen Abraum in Flüsse leitete. "Und wir kamen zu dem Schluss, dass man tatsächlich irreversible Umweltschäden in Kauf nimmt. Etwa durch die Freisetzung von Schwermetallen, die Fischgründe, Weideland und Trinkwasser verseuchen", erklärt Føllesdal.

Ein Schmetterling sitzt auf einer Blume (Foto: dpa)

Das Ziel: die Umwelt schützen

""Barrick Gold" ist nur eines von bislang 27 Unternehmen, die wegen grober Verletzung sozialer und ökologischer Standards auf der schwarzen Liste stehen. Um der Regierung in Oslo unnötige Verwicklungen zu ersparen, betonten die Fondsverwalter stets, man wolle als Finanzinvestor keinen Einfluss auf die Geschicke ausländischer Konzerne nehmen. Gleichwohl zeigt sich die Norwegische Zentralbank fest entschlossen, die ethischen Ziele auch als aktiver Teilhaber auf den Hauptversammlungen der Unternehmen sowie im direkten Gespräch mit Konzernchefs und Aufsichtsräten durchzusetzen.

Gute Vorbereitung auf Umweltschutz spart Geld

Anne Kvam leitet die damit beauftragte Arbeitsgruppe innerhalb der Geldanlageverwaltung. In den USA, so versichert die dynamische Volkswirtin und Juristin, führe man mit ausgewählten Energieunternehmen einen kritischen Dialog über deren Klimaziele. "Die amerikanischen Energieversorger haben großen Einfluss auf die Umweltgesetzgebung", so Anne Kvam. Daran sei im Grunde nichts auszusetzen. Aber als Eigentümer wolle man nicht, dass die Unternehmen das Geld dafür verwenden, um Lobbyarbeit gegen sinnvolle Abkommen zum Klimaschutz zu betreiben. "Wir legen auch Wert darauf, dass die Firmen ihre Standpunkte offen legen", so Kvam.

Porträt von Anne Kvam von der Norwegischen Zentralbank (Foto: Nancy Bundt)

Anne Kvam von der Norwegischen Zentralbank

Die Juristin verweist auf die enormen Risiken, die etwa Firmen eingehen, die sich nicht hinreichend auf restriktivere Standards zu CO2-Emissionen vorbereiten. Denn Gewinneinbrüche durch den Zukauf von Verschmutzungsrechten würden auch den Investoren schaden. Wie schwierig allerdings ethisch einwandfreie Anlagen sind, zeigt der Umstand, dass die Norweger noch immer einen beträchtlichen Teil ihrer Pensionsgelder in Petrokonzerne wie Shell, Exxon und Chevron investieren.

Radikales Umdenken ist gefragt

Dabei seien die Verpflichtung zur Profitmaximierung und nachhaltige Investitionen durchaus vereinbar, betont Arild Hermstad. Er leitet die norwegische Umweltorganisation "Framtiden i våre hender", die an der Einführung der Ethikrichtlinien maßgeblich beteiligt war.

"Das Geld stammt nun einmal aus dem Ölgeschäft, das unser Klima bedroht. Wir können den Schaden begrenzen, indem wir in umweltfreundliche Produkte und alternative Energien investieren", so Hermstad. Man könne auch die armen Länder stärker beteiligen, indem man Mikrokredite fördere, die das Risiko viel breiter streuen würden als dies an der Börse möglich sei. "Wir müssen radikal umdenken, und ich hoffe, dass die Finanzkrise ein Weckruf dafür ist", so der Umweltschützer.

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