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Aktuell Europa

Norwegen ehrt Terroropfer

Ein Jahr nach den blutigen Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utöya hat Norwegen an die 77 Opfer des Massakers erinnert. Überall im Land gab es Gedenkveranstaltungen.

Bei einer Kranzniederlegung am schwerbeschädigten Regierungsgebäude in der Haptstadt Oslo sagte der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg, der geständige Attentäter Anders Behring Breivik habe sein erklärtes Ziel nicht erreicht, das Engagement des Landes für eine multikulturelle und offene Gesellschaft zu zerstören.

Der Rechtsextremist Breivik habe das Land mit "Bombe und Kugeln" verändern wollen, sagte Stoltenberg in Anwesenheit der königlichen Familie. Die Norweger aber hätten an ihren Werten festgehalten. "Der Mörder ist gescheitert, das Volk hat gewonnen."

Während seiner Rede waren die Spuren des Bombenanschlags im Regierungsviertel noch immer sichtbar. Planen hingen vor den Fenstern der beschädigten Häuser. Der Platz war für den Verkehr gesperrt, berittene Polizisten und Beamte mit Suchhunden waren vor Ort.

Auch beim Gedenkgottesdienst im Dom von Oslo beschwor Bischöfin Helga Haugland Byfuglien die Kraft des Zusammenhalts. "Das Licht leuchtet in der Dunkelheit. Die Dunkelheit konnte es nicht bezwingen", sagte sie.

Gleichzeitig versammelten sich auf der kleinen Fjordinsel Utöya unter Ausschluss der Öffentlichkeit Überlebende und Hinterbliebene des Massakers. Hier hatte der rechtsradikale Islamhasser 69 jugendliche Teilnehmer eines sozialdemokratischen Sommerlagers getötet. Zwei Stunden vorher starben im Osloer Regierungsviertel acht Menschen durch eine von ihm gelegte Autobombe.

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Jahrestag der Anschläge in Norwegen

Noch am Sonntag will auch Ministerpräsident Jens Stoltenberg Utöya besuchen. Der sozialdemokratische Regierungschef hatte nach den unfassbar grausamen Anschlägen zu mehr Toleranz, Humanität und Demokratie aufgerufen - anstelle von Hass und Rache. Die betont warme und besonnene Reaktion der Norweger wurde später in aller Welt bewundert.

Am Abend treten in Oslo zahlreiche bekannte norwegische Künstler bei einem Konzert vor dem Rathaus auf. Am ersten Jahrestag der Anschläge gibt die norwegische Regierung auch die sonst gesperrten Straßen im Regierungsviertel für Fußgänger frei. Das Regierungshochhaus mit dem Büro Stoltenbergs sowie mehrere Ministerien sind durch Breiviks Bombenanschlag schwer beschädigt und können nicht genutzt werden. Über einen möglichen Abriss des Hochhauses ist noch nicht entschieden.

Urteil in gut einem Monat

Der Attentäter sitzt nach dem Abschluss seines Gerichtsverfahrens weiter in Haft. Das Urteil wird am 24. August erwartet. Breivik hatte zur Eröffnung des Prozesses erklärt, er würde seine Tat als Teil des Kampfes gegen die "Islamisierung" Norwegens und Europas erneut begehen.

fw/re/hf (dpa, afp, dapd, kna)

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