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Kultur

Norman Mailer gestorben

Der amerikanische Schriftsteller Norman Mailer ist tot. Seit seinem Durchbruch 1948 wurde der rauflustige Autor in einem Atemzug mit den großen US-Literaten Ernest Hemingway, Dos Passos und Herman Melville genannt.

Norman Mailer mit 80 Jahren, Quelle: AP

Norman Mailer mit 80 Jahren

Er war einer der erfolgreichsten und umstrittensten Autoren der Gegenwart - in der Nacht zum Samstag (10.11.2007) verstarb Mailer im Alter von 84 Jahren in New York. Wie US-Medien unter Berufung auf den Agenten des Schriftstellers berichteten, starb Mailer im Mount-Sinai-Krankenhaus an Nierenversagen.

Gefeiert und verrissen

Norman Mailer 1965 mit Muhammad Ali, Quelle: AP

Norman Mailer 1965 mit Muhammad Ali

Mit urgewaltiger Schaffenskraft schrieb Mailer im Laufe seiner 60 Jahre währenden Schriftstellerkarriere mehr als 40 Romane. Gleich sein erster Roman "Die Nackten und die Toten" machte ihn 1948 im Alter von 25 Jahren berühmt. Sein jüngstes Werk "Das Schloss im Wald" erschien vor wenigen Monaten. Mailer wurde zweimal mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Seine Werke wurden gefeiert und verrissen, er galt aber Jahrzehnte lang unangefochten als literarisches Gewissen der USA und Provokateur des Establishments.

Sein umfangreiches Werk werde eindeutig von einem Thema beherrscht, hatte Mailer in einer 1998 erschienenen Sammlung seiner Werke geschrieben: "Amerika. Wie sehr ich mein Land liebte - das war offensichtlich - und wie sehr ich es überhaupt nicht liebte." Mailer war ein bissiger Beobachter der US-Gesellschaft und nahm sich beim Mischen von Genres in seinen Werken alle Freiheiten. So ist seine "Biographie" von Marilyn Monroe eigentlich Fiktion, "Das Jesus-Evangelium" ein von Jesus erzählter Roman.

"Das ultimative chauvinistische Schwein"

Mailers realistischer Stil galt als originell und leidenschaftlich, in den von ihm geschaffenen Figuren floss nach Ansicht des "Newsweek"-Kritikers Ray Sokolov "echtes Blut". Der "große amerikanische Roman", den viele von ihm erwarteten, gelang Mailer aber nach eigenem Bekunden nicht. Auch der Literatur-Nobelpreis blieb ihm versagt.

Mailer schrieb über Pablo Picasso, Muhammad Ali und den Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald. Aber auch als Regisseur und gelegentlicher Filmschauspieler betätigte sich der Sohn einer bürgerlichen jüdischen Familie aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn. Kritisiert wurde er wegen seiner Haltung zu Frauen. In einem Fernsehinterview sagte er, er habe Angst, dass die Frauen die Macht in der Welt übernehmen. Er war sechs Mal verheiratet und hat neun Kinder. Die bekannte Feministin Kate Millet nannte Mailer "das ultimative chauvinistische Schwein". Mailer sagte später, dass er als Sexist bezeichnet worden sei, sei "die größte Ungerechtigkeit im amerikanischen Leben".

Messerattacke auf seine zweite Frau

Über die Jahre pflegte Mailer das Image eines kampflustigen, gewieften Literaten, der das Leben in vollen Zügen genoss. Er machte Schlagzeilen mit Alkohol-, Drogen- und Gewaltexzessen. Auf einer wilden Party erstach er 1960 beinahe seine zweite Frau, Adele Morales. Sie lehnte es ab, Mailer zu belasten und enthüllte erst 1997 in ihrer Biografie, dass sie beinahe gestorben wäre.

In einem Anflug von Quichotterie kandidierte er 1969 auf einer "linkskonservativen" Plattform für das New Yorker Bürgermeisteramt. Von einem Treffen des jüdischen Frauenverbandes YWHA wurde er wegen des Rezitierens obszöner Verse ausgeschlossen, mit dem Schriftsteller Gore Vidal trug er öffentlich eine Fehde aus.

Die "schlimmste und wertvollste" Erfahrung

Seine erste Kurzgeschichte schrieb der am 31. Januar 1923 geborene Mailer zwar mit zwölf, der begabte Sohn aus kleinbürgerlichen Verhältnissen studierte in Harvard jedoch zunächst Ingenieurswesen und wurde danach zum Kriegsdienst eingezogen. Seine Erlebnisse an der Pazifik-Front im Zweiten Weltkrieg inspirierten ihn zu seinem ersten großen Roman "Die Nackten und die Toten", der es innerhalb kürzester Zeit auf den ersten Platz der Bestsellerliste der "New York Times" schaffte. Seine Zeit im Pazifikkrieg bezeichnete er als "meine schlimmste und meine wertvollste Erfahrung".

Wie sehr Mailer die literarische Szene seiner Heimat beherrschte, zeigt auch, dass er zweimal den begehrten Pulitzerpreis gewann, und das in einem Abstand von elf Jahren: 1969 für "Heere aus der Nacht", ein Reportage-artiger Roman über einen Friedensmarsch in Washington, und "Gnadenlos. Das Lied des Henkers", ein Werk über den Mörder Gary Gilmore. Bis ins Alter blieb Mailer aktiv, bissig und scharfzüngig. (stu)

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