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Wissen & Umwelt

Nori, Kombu und Wakame

Alleskönner, Nährstoffbomben, Wunderdroge. Algen wird vieles nachgesagt, und fast ausschließlich ist es positiv. Eine Art Lebensmittel und Medikament in einem. Aber was stimmt vom guten Image tatsächlich?

Algen im Wasser (Foto: DW)

Wissenschaftler schätzen, dass es etwa 400.000 Algenarten gibt. Erst ein Fünftel davon ist entdeckt und weniger als 200 Algen-Arten werden genutzt in Lebensmitteln, Medikamenten und Kosmetika. Besondere Aufmerksamkeit haben Algen in den vergangenen 20 Jahren durch die Berührung mit der asiatischen Küche bekommen. Doch sind sie auch so gesund wie behauptet wird?

Algen ist ein Überbegriff

 

Professor Bernhard Watzl leitet das Max Rubner Institut für Ernährungs- und Lebensmittelforschung in Karlsruhe. Sein Urteil zum Thema Algen fällt nüchtern aus. Zwar enthielten einige in der Tat eine Menge an ernährungsphysiologisch wichtigen Stoffen, zum Beispiel die besonders hochwertigen ungesättigten Fettsäuren, Mineralstoffe und Vitamine. Aber man müsse beachten, dass Algen ein Überbegriff sei. Das heißt, es gibt große Unterschiede zwischen einzelnen Algenarten in bezug auf den Gehalt an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen. Was bedeutet, dass zwar alle Algen auf irgendeine Weise gesund sind. Aber die Menge der verschiedenen Nährstoffe, zum Beispiel an Vitaminen und den hochgelobten Omega-3-Fettsäuren, variiert sehr stark.

Maki Sushi (Foto: DuMont)

Maki Sushi - Reis, Gemüse, Fisch und drumherum ein Algenblatt - so kennt man das Meeresgemüse am meisten

Keine Lösung für die Welt

 

Außerdem steckt in Algen wenig verwertbare Energie. Als Ernährungslösung für eine ständig wachsende Weltbevölkerung sind sie ungeeignet. Stärketräger wie Reis, Kartoffeln, Nudeln oder Brot können sie nicht ersetzen. Um sich von Algen zu ernähren, müsste man Berge davon zu sich nehmen. Hinzu kommt, dass es nicht so einfach ist, an Algen heranzukommen, wie viele denken. Es gebe zwei Arten der Algennutzung, betont Bernhard Watzl. Traditionell nutzen Küstenbewohner in der Bretagne oder im japanischen Küstenraum Algen für ihre Ernährung. Hier ist das Meer der Produzent.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Algen in bestimmten Anlagen zu züchten, unabhängig vom Meer. Hier kann man durch Regulation von Lichtverhältnissen, Wasserzusammensetzung und Temperatur gezielt Proteine oder auch bestimmte Fettsäuren produzieren. Aber das ist relativ energieaufwändig und müsse mit dem Energieaufwand verglichen werden, der nötig ist, um Lebensmittel auf andere Weise zu produzieren. "Bei dieser Rechnung kommen Algen dann schlecht weg", meint der Ernährungsforscher.

Japaner haben andere Gene

Mehrere Millionen Tonnen Algen werden heute bereits jährlich im Meer und in Algenfarmen geerntet, der größte Teil davon in Ostasien. "Das hat allerdings nicht nur geschmackliche Gründe", sagt Bernhard Watzl. Ballaststoffe, die in vielen Algenarten vorkommen, sind im Dickdarm der meisten Menschen nur sehr aufwändig oder fast gar nicht zu verdauen. Die japanische Bevölkerung dagegen verfügt über Darmbakterien, die die komplexen Verbindungen in den Algen auflösen und abbauen können. Offensichtlich habe eine Symbiose von Körper und Tradition stattgefunden. Durch Adaptation hätten die Japaner bestimmte Gene ausgebildet, um die Algenballaststoffe effizienter zu verwerten als Nichtjapaner.

Wakame Seegras Salat mit Krake (Foto: picture alliance/dpa)

Wakame Seegras-Salat mit Krake

Ein ähnliches Phänomen hat sich in Westeuropa übrigens in bezug auf die Milchzuckerverträglichkeit ergeben. Lactose-Toleranz  im Erwachsenenalter ist nur in relativ wenigen Regionen der Welt vorhanden. Doch haben wir uns über mehrere Generation adaptiert, weil Milch insgesamt Vorteile für unsere Ernährungssicherheit lieferte - zum Beispiel, weil es eine sehr gute Quelle für Kalzium ist.

Ergänzung ja - Ersatz nein

Algen können nach Ansicht von Bernhard Watzl unseren Speiseplan bereichern, mehr aber auch nicht. "Ich würde das auf derselben Ebene sehen, wie wir frische Kräuter nutzen, Basilikum oder Thymian. Die sind alle, auf das Gewicht bezogen, reich an sekundären Pflanzenstoffen, wie zum Beispiel Carotinoiden und bestimmten Vitaminen. Es bleibt aber immer nur eine Form von ergänzender Wirkung im Rahmen der gesamten Ernährung."

Also ab und zu mal Sushi mit Noriblättern, eine Suppe mit Kombu-Algen oder Fisch mit Meeressalat. Ansonsten aber sollte man beim bisherigen Speiseplan bleiben, wenn man sich ausgewogen ernähren will – es sei denn, Sie sind Japaner.

Autor: Günther Birkenstock
Redaktion: Judith Hartl

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