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Asien

Nordkoreas Premiere auf Südafrikas Rasen

Die Teilnahme an sich ist eigentlich schon eine Sensation: Zum ersten Mal seit 44 Jahren hat Nordkorea sich für die Endrunde einer Fußball-WM qualifiziert. Zum Auftakt gab es eine Niederlage gegen Brasilien.

Nordkoreanischer Jubel nach dem Anschlusstreffer in der 89. Minute (Foto: AP)

Nordkoreanischer Jubel nach dem Anschlusstreffer in der 89. Minute

Stürmer Jong Tae Se (Foto: AP)

Überwältigt von den Emotionen: Stürmer Jong Tae Se

Als im Ellis-Park-Stadion von Johannesburg die Melodie der nordkoreanischen Nationalhymne erklang, da flossen bei Jong Tae Se Tränen der Rührung. Hemmungslos schluchzte der als "Rooney Asiens" bezeichnete Stürmer bis zum letzten Ton - während seine Mannschaftskollegen mit ernsten Mienen den Text mitsangen. Eine herzerwärmend emotionale Szene vor eisiger Kulisse. Denn das Spiel könnte als das kälteste einer Fußball-WM überhaupt in die Geschichte eingehen, mit Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Nordkoreanische Defensivtaktik

Als spielerisch hochwertig kann man die Partie beim besten Willen nicht bezeichnen. Die hoch favorisierten Brasilianer konnten gegen die Fußball-Nobodys aus dem Reich Kim-Jong-Ils nicht überzeugen, kämpften gegen die Kälte und das nordkoreanische Abwehrbollwerk: Fünf Abwehrspieler mauerten am eigenen Strafraum, direkt davor sicherten zwei weitere Defensiv-Kräfte ab. Attraktiver Fußball sieht anders aus. Als beide Mannschaften sich torlos in die Pause verabschiedeten, quittierten die gut 54.000 Zuschauer das nicht mit Vuvuzela-Getröte, sondern mit einem Pfeifkonzert.

Eingekaufte Jubel-Truppe aus China freut sich über den Anschlusstreffer (Foto: AP)

Eingekaufte "Jubel-Truppe" aus China freut sich über den Anschlusstreffer

Nach dem Wiederanpfiff betrieben die Lateinamerikaner mit zwei Treffern Schadensbegrenzung. 2:0 führten die Brasilianer dann bis kurz vor Schluss - bevor in der 89. Minute Ju Yun Nam die in nordkoreanischen Farben gehüllten Fans auf der Tribüne jubeln ließ. Zwar handelt es sich bei diesem Anhang nicht wirklich um mitgereiste Nordkoreaner, sondern um eine von Pjöngjang gekaufte "Jubel-Truppe" aus dem Nachbarland China. Der Freude der Spieler tat das aber keinen Abbruch. Denn sich mit einem 1:2 vom fünffachen Titelträger zu trennen - dafür muss man sich wahrlich nicht schämen.

Nordkoreas Medien feiern ihre Helden

"Wir haben ein gutes Spiel gezeigt. Darüber war ich glücklich. Ich bin stolz auf meine Spieler." So fasste Nordkoreas Nationaltrainer Kim Jong Hun die Partie zusammen. In der Heimat klang das Fazit deutlich martialischer: "Das Match war von Anfang an ein erbitterter Austausch von Offensive und Defensive" - schreibt die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Und bescheinigt ihren Kickern einen "leidenschaftlichen Einsatz". Trotz des zwischenzeitlichen 0:2-Rückstands hätten die Spieler ihren Glauben nicht verloren und sich bis zum Anschlusstreffer in der Schlussphase Chancen erspielt. Mit ihrem Defensivspiel hätte die Mannschaft den Brasilianern große Mühe bereitet.

Dank der nordkoreanischen Spieler an das Publikum nach dem Abpfiff (Foto: AP)

Dank an das Publikum nach dem Abpfiff

Auf diesem Kompliment können sich die Spieler allerdings nicht lange ausruhen. Am kommenden Montag muss die Truppe in Kapstadt gegen Portugal ran. Wieder tritt Nordkorea als Underdog auf, bestenfalls mit Außenseiterchancen. Und wieder könnten bei Stürmer Jong Tae Se Tränen fließen - wenn vor dem Anpfiff die nordkoreanische Hymne erklingt.

Autorin: Esther Broders
Redaktion: Thomas Latschan