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Asien

Nordkoreas Arbeitssklaven

Menschenrechtler beschuldigen Nordkorea, seine Arbeitslager massiv auszubauen. Zudem würden Arbeitskräfte ins Ausland geschickt, um für das Regime harte Devisen zu erwirtschaften. Julian Ryall berichtet aus Tokio.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation "Human Rights in North Korea" (HRNK) setzt die Regierung in Pjöngjang ihre eigenen Bürger zunehmend als Arbeitssklaven ein. Demnach versucht das Regime auf diese Weise internationale Sanktionen zu umgehen und harte Devisen zu erwirtschaften. Die Organisation fordert die internationale Gemeinschaft auf, vereint gegen diese Praxis vorzugehen.

In einem Bericht, der am Montag (30.11.2015) veröffentlicht wurde, beschuldigt HRNK das Regime in Pjöngjang, einige der nordkroeanischen Arbeitslager zu erweitern. In den Lagern kann jeder, der für Straftaten gegen den Staat verurteilt worden ist, auf unbestimmte Zeit festgehalten werden. Gefangene müssten in der Landwirtschaft, in Fabriken und Minen arbeiten. Außerdem würden sie bei Holzfällerarbeiten eingesetzt.

In Zusammenarbeit mit AllSource Analysis, einem führenden Anbieter von hochauflösenden Satellitenbildern, hat HRNK Entwicklungen in den Arbeitslagern Nordkoreas ein Jahre lang ausgewertet. Sie belegen, dass die Zahl der Insassen in diesen Lagern mittlerweile bei 120.000 Menschen liegt.

Nordkorea feiert 70. Gründungstag der herrschenden Arbeiterpartei

Unter der Herrschaft von Diktator Kim Jon Un haben Säuberungen zugenommen.

Entsetzliche Umstände

Die Zahl sei zwar niedriger als das historische Hoch von 250.000, sagt Greg Scarlatoiu, Direktor von HRNK, dürfe aber nicht als Fortschritt verstanden werden. Die Umstände in den Lagern seien fürchterlich. Insassen würden zu "unermüdlicher Arbeit bei Mangelernährung" gezwungen. Und die Zahlen könnten wieder steigen.

"Unter der Herrschaft von Kim Jong Un sehen wir aggressive Säuberungen und ein härteres Durchgreifen gegen angeblichen Abfall vom Regime", sagt Scarlatoiu. "Angesichts der Tatsache, dass auch Familienangehörige und Mitarbeiter verfolgt werden, ist die Anzahl von politischen Gefangenen sehr wahrscheinlich angestiegen in den letzten Jahren. Wir überprüfen derzeit die Anzahl mit Hilfe der Satellitenbilder und den Aussagen von Überläufern."

Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten wurden einige Lager vergrößert, eines an der Grenze zu China wurde hingegen geschlossen. Das nordkoreanische Regime will demnach nicht, dass chinesische Touristen oder Geschäftsleute die Lager zu Gesicht bekommen. Außerdem fürchte man, dass Gefangene nach China fliehen könnten.

Am besorgniserregensten aus Sicht der Menschenrechtler sei die Frage, wo die zehntausenden Gefangenen aus Lager Nummer 22 geblieben sind, sagt Scarlatoiu. Der Komplex erstreckte sich über 2000 Quadratkilometer, bevor er 2013 geschlossen wurde. Während einige in andere Lager umgesiedelt wurden, seien möglicherweise rund 20.000 Menschen verhungert.

Es sei schwierig zu sagen, wie viel Geld das Regime mit der Sklavenarbeit verdient, sagt Scarlatoiu. Er glaubt, dass der Gewinn unter anderem für die Lieblingsprojekte von Kim Jong Un verwendet wird.

Nordkorea Atomanlage Tongchang-ri

Menschenrechtler vermuten, dass ausländische Devisen in das nordkoreanische Atomprogramm fließen.

Geld für die Armee

"Es ist wahrscheinlich, dass das Geld für militärische Zwecke verwendet wird", sagt der HRNK-Direktor. "In Nordkorea herrscht Geldmangel und jede Ressource wird zunächst in die Armee gesteckt."

Das Regime exportiere zudem Arbeitssklaven ins Ausland, erklärt Marzuki Darusman, UN-Sonderberichterstatter zur Menschenrechtssituation in Nordkorea. Darusman hat im November einen Bericht veröffentlicht, in dem er angibt, dass mehr als 50.000 Nordkoreaner derzeit im Ausland arbeiten, hauptsächlich in der Holzfällerei, im Bergbau sowie im Textil- und Bausektor.

Die meisten werden in Russland und China eingesetzt, aber auch in 15 weiteren Ländern wie Kuwait, Malaysia, Polen, Katar, und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Löhne werden direkt an die nordkoreanische Regierung gezahlt, insgesamt nach Schätzungen etwa zwei Milliarden Euro pro Jahr.

Menschenrechtsorganisationen berichten von einem Lohn für die Arbeiter von etwa 110 Euro pro Monat, von Nahrungsmangel und von Arbeitszeiten von bis zu 20 Stunden am Tag. Die Arbeiter werden streng von nordkoreanischen Offiziellen bewacht, um sicherzustellen, dass niemand flieht.

"Ich finde es sehr besorgniserregend, dass der russische Justizminister kürzlich in Pjöngjang ein Auslieferungsabkommen für Kriminelle unterschrieben hat, zumal es sehr unwahrscheinlich ist, dass russische Kriminelle nach Nordkorea fliehen würden", sagt Ken Kato, ein Menschenrechtsaktivist aus Tokio.

Kato geht davon aus, dass der Vertrag dazu dient, nordkoreanische Überläufer zurückzuführen. Er hat die Kommunistische Partei der russischen Föderation gebeten, sich für die Rechte der nordkoreanischen Arbeiter in Russland einzusetzen.

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"Freiwillige" Spenden für die Parade am Jubiläumstag.

Holzschlag und Bergbau

Die rund 47.000 Nordkoreaner, die nach Russland geschickt wurden, würden zum größten Teil als Holzfäller oder Minenarbeiter arbeiten, sagt Kato. Rund 90 Prozent ihres Lohns würde direkt nach Pjögjang überwiesen. Die Arbeiter seien zu Beginn dieses Jahres gebeten worden, "freiwillig" 100 Prozent ihres Einkommens an den Staat zu spenden, um die Parade im Oktober zu Ehren des 70-jährigen Jubiläums des Endes der japanischen Besatzung zu unterstützen.

Kato hat zudem an den Emir von Katar und an andere Staatschefs geschrieben, damit sie die Beschäftigung nordkoreanischer Arbeitssklaven stoppen. Er sagt, die internationale Gemeinschaft sei in einem ständigen Kampf mit dem Regime in Pjöngjang, dass immer wieder versucht Sanktionen zu umgehen und ausländische Devisen zu erhalten, die helfen, sein Nuklear- und Raketenprogramm zu finanzieren.

Scarlatoiu fordert, dass sich die internationale Gemeinschaft gegen den Missbrauch Nordkoreas des eigenen Volkes zusammenschließt. "Die internationale Gemeinschaft sollte eine riesige Graswurzelbewegung anschieben, ähnlich wie in den 1980er Jahren gegen das Apardheitsregime in Südafrika", sagt er. "Die Zivilgesellschaft sollte zwei Wege verfolgen: der Fall Nordkoreas mit Hilfe des UN-Sicherheitsrats vor den Internationalen Strafgerichtshof bringen und sich weiter für die Menschenrechte vor Ort engagieren."