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Politik

Nordkoreanischer Atomausstieg "bis Jahresende"

Fortschritte bei den Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomprogramms: Nach südkoreanischen Angaben ist Nordkorea bereit, seine umstrittenen Atomanlagen innerhalb eines halben Jahres unbrauchbar zu machen.

Der südkoreanische Unterhändler Chun Yung Woo (l.) und sein nordkoreanischer Gegenpart Kim Kye Gwan (Quelle: AP)

Einigung: Der südkoreanische Unterhändler Chun Yung Woo (l.) und sein nordkoreanischer Gegenpart Kim Kye Gwan

Das erste Kapitel im langwierigen Atomstreit mit Nordkorea könnte in dieser Woche zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden. Zum Abschluss der neuen Runde der Sechs-Parteien-Gesprächen am Donnerstag (19.7.2007) in Peking wird Gastgeber China einen Zeitplan für die nächste Phase zur Beseitigung des Atomwaffenprogramms vorlegen, wie der US-Unterhändler Christopher Hill am Mittwoch nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo sagte.

Der US-Unterhändler Hill (Quelle: AP)

Der US-Unterhändler Hill

Nach fünf Monaten Unterbrechung waren die Unterhändler Nordkoreas, der USA, Chinas, Südkoreas, Japans und Russlands im chinesischen Staatsgästehaus zu einer zweitägigen Gesprächsrunde zusammengekommen. Südkoreas Unterhändler Chun Yung Woo berichtete, sein nordkoreanischer Kollege Kim Kye Gwan habe bei einem bilateralen Treffen die Bereitschaft geäußert, sämtliche Atomeinrichtungen innerhalb von "fünf oder sechs Monaten oder sogar bis Jahresende" offen zu legen und unbrauchbar zu machen, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.

Internationale Atomhüter: "Sehr guter Schritt"

In dem Treffen aller Delegationen habe der Unterhändler diese Absicht zwar nicht wiederholt, doch erwartet Südkoreas Unterhändler keinerlei Streit darüber. Nordkorea sei verpflichtet, sämtliche Nuklearanlagen und auch alle Atomwaffen offen zu legen. Wie der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed el Baradei, bestätigte, hat Nordkorea seit dem Wochenende wie vereinbart seine fünf umstrittenen Atomeinrichtungen in Yongbyon geschlossen. Dazu gehören außer dem Fünf-Megawatt-Atomreaktor eine Brennstäbe-Fabrik, ein radiochemisches Labor und zwei im Bau befindliche Reaktoren.

Nukleare Brennstäbe in Kühlwasser-Becken (Quelle: AP)

Kühlanlage für Brennstäbe in Yongbyon (Archivbild)

El Baradei sprach bei einem Besuch in Kuala Lumpur von einem "sehr guten Schritt, allerdings dem allerersten Schritt in einem langwierigen Verfahren". Mit der Schließung hat Nordkorea seine Verpflichtungen nach dem Abkommen vom Februar im Rahmen der Sechser-Gespräche für die erste Phase des Prozesses erfüllt. Die USA wollen die Beseitigung der Atomanlagen möglichst dieses Jahr abschließen. Chinesische Experten warnten jedoch, dass die Gespräche umso schwerer werden, je weiter die Unterhändler in Details gehen müssen.

Nordkoreanische Forderungen an USA

Für die Aufgabe seines Atomwaffenprogramms soll das stalinistisch regierte Land nach ersten Heizöllieferungen weitere Hilfe erhalten. Am vergangenen Samstag traf nach Angaben der südkoreanischen Regierung ein Tanker aus Südkorea mit 6200 Tonnen Heizöl im nordkoreanischen Hafen Sonbong ein.

Verhandlungssaal mit Konferenzteilnehmern (Quelle: dpa)

Sechser-Gespräche in China (Archivbild)

In nordkoreanischen Staatsmedien hieß es am Mittwoch, Nordkorea werde sein Atomprogramm nur im Gegenzug für einen Abzug der US-Atom-"Mittel" aus Südkorea aufgeben. Die Nuklearfrage auf der koreanischen Halbinsel werde nur gelöst, wenn Washington seine "feindliche Politik" gegenüber Pjöngjang "nachweisbar" beende, schrieb die Zeitung "Rodong Sinmun". Die USA bestreiten allerdings, atomare Waffen in Südkorea stationiert zu haben. Über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm ist wenig bekannt. Nordkorea hatte eigenen Angaben zufolge im vergangenen Oktober erstmals einen Atomwaffentest unternommen.

Hungersnot verschlimmert sich

Nach Angaben der südkoreanischen Hilfsorganisation Good Friends leiden die Menschen in Nordkorea seit Juni unter verschärfter Lebensmittelknappheit. In den Provinzen Nord- und Süd-Hamgyong stürben in vielen Städten täglich bis zu zehn Menschen an den Folgen von Unterernährung. Seit Juni habe sich die Lage so verschlechtert, dass Hilfslieferungen aus dem Ausland unbedingt beschleunigt werden müssten. Nordkorea hatte Anfang des Jahres die UNO um Hilfe gebeten, um die Zeit bis zur Ernte im Spätsommer zu überstehen.

Dem UN-Welternährungsprogramm (WFP) zufolge bat Pjöngjang um die Lieferung von einer Million Tonnen Nahrungsmittel. Das sind nach einer WFP-Schätzung vom März 20 Prozent des gesamten Bedarfs der 23 Millionen Nordkoreaner. Bei Hungersnöten Mitte und Ende der neunziger Jahre starben in dem isolierten und unzugänglichen Land hunderttausende Menschen. (rri)

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