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Nahost

Nordkorea unterschätzt?

Wer ist gefährlicher: Pjöngjang oder Bagdad? Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Mohammed El Baradei, ist überzeugt, dass von Nordkorea eine größere Bedrohung für den Weltfrieden ausgeht als vom Irak.

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Protest in Südkorea gegen Pjöngjangs Atomprogramm

"In beiden Fällen sorgen wir uns um die Weitergabe von Atomwaffen", sagte El Baradei der deutschen Zeitung "Bild am Sonntag". "Der Unterschied ist: Im Irak können wir jetzt mit einem Team hoch qualifizierter Inspekteure prüfen, ob es ein neues Kernwaffenprogramm gibt. Beweise dafür liegen uns nicht vor."

El Baradei erinnerte daran, dass dagegen in Nordkorea die IAEO-Inspektoren im Dezember zum Verlassen des Landes gezwungen worden waren. "Wir wissen, dass Nordkorea in der Lage ist, atomwaffenfähiges Plutonium herzustellen." Der Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) appellierte: "Das darf die internationale Gemeinschaft nicht tolerieren. Alle Staaten sollten gleich behandelt werden."

Friedliche Entwaffnung des Iraks möglich

Die Hauptverantwortung für die Abrüstung liege bei der irakischen Seite, erklärte Mohamed el Baradei. Bagdad müsse in den kommenden Tagen und Wochen konkrete Schritte einleiten, wenn es die Anwendung militärischer Gewalt noch verhindern wolle. In den vergangenen Wochen habe die irakische Führung erkennen lassen, dass sie aktiv mit den UN-Waffeninspekteuren zusammenarbeiten wolle. "In einigen Monaten wären wir in der Lage, zuverlässig zu beurteilen, ob der Irak sein Kernwaffenprogramm wieder aufgenommen hat oder nicht", fügte Baradei hinzu.

Nordkorea nicht aus den Augen verlieren

Amerikanische und nordkoreanische Diplomaten haben sich einem japanischen Zeitungsbericht zufolge am 20. und 21. Februar in der Berliner Botschaft Pjöngjangs getroffen. Wie die Tokioter Zeitung "Asahi" am Sonntag (9.3.) berichtete, verlangten die USA in den Gesprächen den Abriss der Atomanlage Yongbyon. Ferner sei Nordkorea aufgefordert worden, Inspektionsteams der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wieder ins Land zu lassen. Nordkorea habe alle Forderungen zurückgewiesen und vorgeschlagen, die USA sollten Atom-Inspektoren schicken.

Der Streit über das nordkoreanische Atomprogramm brach im vergangenen Oktober aus, als die USA erklärten, Pjöngjang habe die Existenz eines geheimen Atomprogramms bestätigt. Die USA und ihre Verbündeten stellten wegen dieser Verletzung des Atomabkommens von 1994 die darin zugesagten Öllieferungen ein. Nordkorea wies daraufhin die IAEA-Beobachter aus, zog sich aus dem Atomsperrvertrag zurück und ließ den Reaktor von Yongbyon wieder anfahren. Die USA vermuten, dass Nordkorea bereits eine oder zwei Atomwaffen besitzt. (arn)

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