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Asien

Nordkorea unternimmt weiteren Atomtest

Nordkorea hat einen zweiten Atomtest durchgeführt. Die Weltgemeinschaft verurteilt das scharf und denkt über Konsequenzen und Sanktionen nach. Auch Russland und China wenden sich gegen Pjöngjang.

Nordkoreas Flagge und Raketen (Quelle: AP)

Nordkoreas Führer Kim Jong Il mit Generälen (dpa-Bildfunk)

Staatschef Kim Jong Il und seine Generäle zeigen sich zufrieden mit dem Atomwaffentest

Der Atomtest habe dem Ziel gedient, Nordkoreas Selbstverteidigung und nukleare Abschreckung zu stärken, heißt es am Montag (25.05.2009) in Agenturberichten aus Pjöngjang. Man habe damit die Sprengkraft und Präzision seiner Atombombe gesteigert. Außerdem drohte die nordkoreanische Führung weitere Tests an. Ein ranghoher Vertreter der nordkoreanischen Botschaft in Moskau sagte der russischen Nachrichtenagentur ITAR-TASS, wenn die USA und ihre Verbündeten ihre Politik der Einschüchterung gegen sein Land weiter verfolgten, werde man bald den nächsten Test starten. Seinen ersten Atomtest hatte das stalinistisch regierte Nordkorea im Oktober 2006 unternommen. Die nordkoreanische Führung hatte mehrfach gedroht, das Atomprogramm wieder aufzunehmen.

"Künstliches Erdbeben"

Als erstes bestätigte das russische Verteidigungsministerium offiziell, dass der Atomtest durchgeführt wurde. Die Explosion habe eine Kraft von 10 bis 20 Kilotonnen gehabt. Die von den USA 1945 über Hiroshima abgeworfene Atombombe hatte eine Sprengkraft von rund 15 Kilotonnen. Im benachbarten Südkorea teilte ein Sprecher des Präsidialamtes mit, am Montagvormittag seien Zeichen eines "künstlichen Erdbebens" registriert worden. Der südkoreanische Staatschef Lee Myung Bak berief eine Krisensitzung seines Sicherheitskabinetts ein. Die US-Erdbebenwarte USGS erklärte, in Nordkorea habe sich ein Beben der Stärke 4,7 ereignet.

Nordkorea auf Konfrontationskurs

In den vergangenen Wochen hatte die Führung in Pjöngjang ihre Haltung im Atomstreit wieder deutlich verschärft. Anfang April hatte Nordkorea eine Rakete gestartet, angeblich um einen Kommunikationssatelliten ins All zu befördern. Der Westen vermutet allerdings, dass es sich um den Test einer Langstreckenrakete handelte. Eine UN-Resolution untersagt Nordkorea derartige Tests.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte damals den Raketenstart. Pjöngjang verkündete daraufhin seinen Rückzug aus den sogenannten Sechs-Nationen-Gesprächen über eine Beendigung seines Atomprogramms und stoppte zugleich die Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde.

Experten-Meinung: Druck wird verstärkt

Die Nordkorea-Expertin des Shanghaier Instituts für internationale Beziehungen, Yu Yingli, glaubt, dass der Atomtest vor allem politische Bedeutung hat. So solle der Druck auf die Weltgemeinschaft erhöht werden, um weitere Zugeständnisse für Nordkorea auf internationaler Ebene zu erreichen. Außerdem könne Machthaber Kim Jong Il so auch seine Position im Volk und damit die Kontrolle über das Land stärken. Yu Yingli bezweifelt, dass Nordkorea jemals sein Atomwaffenprogramm aufgeben will. Die Machthaber in Pjöngjang hätten vielmehr einen langfristigen Plan, sich zu einer Atommacht zu entwickeln.

Sicherheitsrat kommt zusammen

Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin (AP Photo/David Karp)

Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin kündigt eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates an

Das höchste UN-Gremium kommt schon am Montagabend um 22 Uhr MESZ zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Das erklärte der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin. Eine solche Sitzung hatte zuvor vor allem die japanische Regierung verlangt. US-Präsident Barack Obama bezeichnete den Atomtest als Bedrohung für den internationalen Frieden. Er kündigte an, die Staatengemeinschaft werde darauf reagieren. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana erklärte, dieses unverantwortliche Handeln Nordkoreas rechtfertige eine harte Antwort. Selbst China, das lange Zeit zu Nordkorea hielt, hat das Vorgehen der Führung in Pjöngjang entschieden abeglehnt.

Offenbar auch Raketentest

Nach südkoreanischen Medienberichten hat Nordkorea neben der Atombombe möglicherweise auch eine Kurzstreckenrakete getestet. Die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen, die Rakete sei von der Ostküste Nordkoreas aus abgefeuert worden und habe eine Reichweite von schätzungsweise 130 Kilometern gehabt. (bu/mas/afp/rtr/dpa)

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