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Asien

Nordkorea signalisiert Gesprächsbereitschaft

Nordkorea ist wieder bereit, an den Sechs-Parteien-Gesprächen teilzunehmen. Allerdings fordert Pjöngjang die fünf anderen Staaten auf, die Gespräche bedingungslos aufzunehmen. Nun ist Südkorea gefragt.

Alte Brennstäbe werden in einer Kühlflüssigkeit im Atomreaktor Yongbyon gelagert. Foto: Yonhap

Nordkorea besitzt einen Atomreaktor in Yongbyon, nördlich der Hauptstadt Pjöngjang

Die jetzige Bereitschaft, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, sei der Versuch Nordkoreas, die diplomatischen Beziehungen zu den USA zu verbessern, so ein Beobachter. Pjöngjang hofft insbesondere, dass die wirtschaftlichen Sanktionen aufgehoben werden. Außerdem versucht Nordkorea, sich vom internationalen Druck zu befreien, um das passende internationale Umfeld für eine ruhige Machtübergabe im Jahr 2012 zu schaffen.

Erste Annäherungsversuche

Ein erstes informelles Treffen zwischen Nord- und Südkorea fand am Rande des Außenministertreffens des Verbandes der Südostasiatischen Nationen ASEAN im Juli 2011 auf der indonesischen Insel Bali statt. Ein weiterer Annäherungsversuch des isolierten Landes war der Besuch des nordkoreanischen Vizeaußenministers Kim Kye Gwan in New York letzte Woche. Dies gibt neue Hoffnung für die Sechs-Parteien-Gespräche.

Unterhändler bei den Sechs-Parteien-Gespräch in Peking, 2007. Foto: AP/Andrew Wong

Der erhoffte Durchbruch blieb 2007 aus

Die seit mittlerweile über drei Jahren auf Eis liegenden Sechs-Parteien-Gespräche, an denen Nord- und Südkorea, China, die USA, Japan und Russland teilnehmen, waren schon einmal weiter: 2007 stand eine Einigung kurz bevor. Die nordkoreanische Seite wollte alle Atomanlagen schließen und ausländische Inspektionen zulassen. Als Gegenleistung sollte Nordkorea wirtschaftliche und humanitäre Hilfe erhalten. Am Ende kam eine Einigung jedoch nicht zustande.

Im Frühjahr 2009 beendete das nordkoreanische Außenministerium überraschend die Sechs-Parteien-Gespräche einseitig. Gleichzeitig kündigten die Machthaber in Pjöngjang die konsequente Fortsetzung ihres Atomprogramms an. Der Ausstieg war die nordkoreanische Reaktion auf internationale Proteste gegen den Test einer Trägerrakete, die auch mit ballistischen Sprengköpfen bestückt werden konnte. Die nordkoreanische Führung gab an, nur einen Kommunikationssatelliten ins All befördert zu haben.

Misstrauen als Stolperstein für neue Gespräche

Hanns Walter Maull, Ostasien-Experte an der Universität Trier, zweifelt an der Bereitschaft Nordkoreas, Sechs-Parteien-Gespräche wieder aufzunehmen. Die Positionen der beteiligten Parteien seien schließlich sehr weit auseinander. "Es gibt vor allem für die amerikanische und sicher auch die südkoreanische Seite das Problem, dass Vereinbarungen in der Vergangenheit von Nordkorea immer wieder gebrochen worden sind." Das Grundproblem sei Vertrauensverlust. Maull sieht keine Möglichkeit, dieses Vertrauen für sinnvolle Verhandlungen wiederherzustellen.

Südkorea und USA stellen Bedingungen

Erschwerend kommt hinzu, dass sowohl Südkorea als auch die USA Bedingungen an eine neue Runde der Verhandlungen knüpfen.

So macht Seoul Nordkorea für die Versenkung des südkoreanischen Kriegschiffes Cheonan im März 2010 verantwortlich und fordert eine Entschuldigung. Nordkorea bestritt jedoch, an diesem Zwischenfall mit 46 Toten beteiligt gewesen zu sein. Außerdem protestiert Südkorea gegen das Bombardement auf die Insel Yeonpyeong im November 2010. Vier Südkoreaner kamen bei dem nordkoreanischen Granantenangriff ums Leben. Dutzende wurden verletzt. Die USA unterstützen die Positionen ihres Verbündeten und fordern weiterhin prüfbare Maßnahmen zur Atomabrüstung von Nordkorea.

Der ehemalige US Präsident Jimmy Carter bei seiner Ankunft in Pjöngjang im April 2011

Der ehemalige US Präsident Jimmy Carter war als Vermittler in Nordkorea im April 2011

Südkorea spiele in dieser Situation eine Schlüsselrolle, so Park Geon-il, Korea-Experte der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaft in Peking. Die Sechs-Parteien-Gespräche seien eine multilaterale Verhandlung, aber nun komme es auf die Positionen Südkoreas an.

Die Entscheidung, ob die Sechs-Parteien-Gespräche wiederaufgenommen werden, könnte schon in zwei Wochen fallen. Am 15. August will die südkoreanische Regierung ihre politische Haltung gegenüber dem kommunistischen Norden verkünden. Die Eiszeit zwischen Nord- und Südkorea könne eine schwierige Barriere für die Sechs-Parteien-Gespräche sein, so Park weiter. Es sei jetzt schwer zu sagen, ob die Gespräche in den nächsten Monaten wiederaufgenommen werden können.

Autor: Shenjun Liu/mc

Redaktion: Ziphora Robina