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Politik

Nordkorea schaltet Atomreaktor ab

Die internationalen Atominspekteure der IAEA haben bestätigt, dass Nordkorea seinen Nuklearreaktor in Yongbyon tatsächlich heruntergefahren hat. Im Gegenzug erhält das Land Erdöl-Lieferungen aus Südkorea.

Nuklearanlagen in Yongbyon (Ap)

In Nuklearanlagen in Yongbyon wird nicht Energie, sondern Plutonium hergestellt

Nuklearanlagen in Yongbyon, Nordkorea

Nuklearanlagen in Yongbyon

"Der Reaktor ist abgeschaltet worden", berichtete der Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed el Baradei, am Montag (16.7.)vor Journalisten in Bangkok. "Wir haben die Abschaltung überprüft."

Nach viereinhalb Jahren Abwesenheit waren die zehn Inspekteure am Samstag nach Nordkorea zurückgekehrt und hatten sofort vor Ort in Yongbyon, 100 Kilometer außerhalb von Pjöngjang, mit der Arbeit angefangen. Am selben Tag hatte Nordkorea die USA wissen lassen, dass es seinen Reaktor abgeschaltet hat.

Heizöl gegen Energiekrise

Damit setzte das kommunistische Land eine wichtige Forderung der internationalen Gemeinschaft im Streit um sein Atomwaffenprogramm um. Gleichzeitig begannen die versprochenem Erdöl-Lieferung aus Südkorea an den nördlichen Nachbarn. Am Samstag war der erste Teil einer Lieferung von insgesamt 50.000 Tonnen schweren Heizöls im nordkoreanischen Hafen Sonbong eingetroffen. Das Heizöl ist Teil umfangreicher Hilfslieferungen, die das unter Energiemangel leidende Land im Gegenzug für das Herunterfahren des Reaktors erhalten soll. Nachdem am Samstag zunächst 6200 Tonnen geliefert wurden, soll am Montag eine weitere Schiffsladung mit 7500 Tonnen von Südkorea aus auf den Weg gebracht werden. Bis Anfang August soll die gesamte Lieferung abgeschlossen sein. Nordkorea hatte in Aussicht gestellt, nach der Ankunft der ersten Ladung die Anlage wie vereinbart stillzulegen.

Die IAEA-Experten wollen in den kommenden zwei Wochen Kameras und andere Ausrüstung zur Überwachung der Schließung und Versiegelung der Atomanlage installieren. Danach sollen zwei Inspekteure ständig vor Ort bleiben.

In Seoul traf am Montag der US-Unterhändler Christopher Hill mit Südkoreas Vereinigungsminister Lee Jae Joung zusammen. Mit Blick auf das Abschalten des Reaktors sprach Hill laut Yonhap von einem "guten Anfang", verwies aber darauf, wie viel Zeit es bis dahin gebraucht habe. "Wir haben wirklich viel Arbeit vor uns."

Überweisung von 25 Millionen Dollar

Nordkorea hatte im Februar im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche zugesagt, seine Atomanlage bis Mitte April zu schließen, die Frist aber wegen eines Streits um eingefrorene nordkoreanische Gelder in einer Bank in Macao und amerikanische Finanzsanktionen verstreichen lassen. Mit der Überweisung der 25 Millionen US-Dollar aus Macao über Russland an Nordkorea wurde Ende Juni der Weg frei für die Einhaltung des Abkommens und neue Verhandlungen. Am Mittwoch werden in Peking neue Sechser-Gespräche aufgenommen. Neben Nordkorea und den USA nehmen auch China, Südkorea, Japan und Russland daran teil.

Für eine vollständige atomare Abrüstung winken dem verarmten und unter Hunger leidenden stalinistischen Staat umfangreiche Energie- und Wirtschaftshilfen, Sicherheitsgarantien und eine Normalisierung der Beziehungen zu den USA. Doch sind viele Punkte noch strittig. Unter anderem werden Probleme erwartet, wenn Nordkorea sein ganzes Atomprogramm enthüllen oder seine Atomwaffen aufgeben soll. Der US-Unterhändler Christopher Hill sagte, das entscheidende Thema sei nicht die Abschaltung von Yongbyon, sondern vielmehr die Frage, wie der Reaktorstopp zu einem nächsten Schritt und letztlich zum Ende des nordkoreanischen Atomprogramms führen werde. Umstritten ist auch Nordkoreas Forderung nach einem Leichtwasserreaktor zur Stromerzeugung.

Plutonium statt Energie

Österreich Iran Atom IAEA El Baradei warnt

Bestätigt: Mohamed El Baradei

Der Kernreaktor Yongbyon ist die wichtigste Atomanlage in Nordkorea. Der Komplex besteht aus einem fünf Megawatt starken Forschungsreaktor, sowie Zentren zur Aufbereitung von Plutonium und Brennstäben. Ein weiterer 50-Megawatt-Reaktor ist noch im Bau.

Mit seiner relativ geringen Kapazität von fünf Megawatt wird der einzige betriebsbereite Reaktor in Yongbyon vor allem für die Produktion von Atomwaffen genutzt. Die zahlreichen Stromausfälle, unter denen ganz Nordkorea leidet, kann er nicht verhindern. Nach einem Untersuchungsbericht des US-Kongresses vom Januar ist Yongbyon nicht einmal an das Stromnetz angeschlossen.

Yongbyon habe nach Schätzungen der USA seit seiner Inbetriebnahme vor 20 Jahren 50 bis 60 Kilogramm Plutonium produziert. Das reiche für sechs bis zwölf Atombomben. Nordkorea hatte am 9. Oktober 2006 erstmals eine Atomwaffe getestet. Bereits im September 2004 hatte der kommunistische Staat angekündigt, in Yongbyon 8000 Brennstäbe für vier bis sechs Bomben hergestellt zu haben. (stl/sams)

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