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Asien

"Nordkorea nicht isolieren"

Nordkorea habe zwar einen völlig anderen "gesellschaftspolitischen Violinschlüssel" als die Bundesrepublik, sagt CSU-Parlamentarier Peter Gauweiler. Trotzdem sei der Dialog mit Pjöngjang nötig und sinnvoll.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler (Foto:ap)

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler

Herr Gauweiler, was war der genaue Anlass Ihrer Reise?

Der Anlass der Reise waren Meinungsverschiedenheiten und Verstimmungen zwischen Bundestag und Auswärtigem Amt über die Schließung des Lesesaals des Goethe-Instituts in Pjöngjang, der Hauptstadt Nordkoreas. Nordkorea ist eine andere Welt - das am meisten abgeschottete Land der Welt - und wir waren eigentlich immer sehr froh, dass es in diesem für uns so entlegnenen Gebiet eine deutsche Bibliothek gibt. Die wurde im letzten August gekündigt, aber nicht von nordkoreanischer, sondern von deutscher Seite.

Was haben Sie erreicht? Wird es den Lesesaal des Goethe-Instituts in Zukunft wieder geben?

Wir haben über vier Themen verhandelt. Erstens die Wiedereröffnung einer deutschen Bibliothek, womit sich die koreanische Seite grundsätzlich einverstanden erklärt hat. Es gibt in Pjöngjang an der Universität eine große germanistische Arbeitsgruppe, die seit DDR-Zeiten besteht, seit den frühen 60er Jahren. Zu Zeiten der DDR haben tausende von Nordkoreanern in Leipzig, Dresden und Ost-Berlin studiert.

Wir haben zweitens über die Möglichkeit gesprochen, eine Ausstellung über koreanische Kulturgüter, die in Nordkorea gelagert sind und die noch niemals außerhalb Nordkoreas gezeigt worden sind, erstmalig in der Welt in Deutschland durchzuführen.

Wir haben drittens darüber geredet, dass wir bei den Bemühungen des Wiederaufbaus der alten koreanischen Kaiserstadt Kaesong helfen werden. Deutschland ist ja führend im Bereich der Denkmalpflege.

Darüber hinaus haben wir uns intensiv auch mit Fragen der Ernährungsprogramme und der entwicklungspolitischen Hilfe unterhalten. Wir haben der koreanischen Seite in Sachen humanitäre Probleme eine Liste übergeben von Deutschen, die nordkoreanische Väter haben. Aus dieser Zeit der DDR gibt es eine Reihe von Fällen, wo Familien auseinandergerissen wurden, und die Kinder von nordkoreanischen Väter, die in Deutschland leben, seit Jahren nichts mehr von ihren Vätern gehört haben.

Das klingt nach zaghafter Annäherung, nach dem Ausbau der Beziehungen zwischen Deutschland und Nordkorea. Wie gut sind Ihre Bemühungen dort angekommen?

Ich glaube, dass sie ganz gut angekommen sind. Wir dürfen nicht vergessen, dass die einen anderen gesellschaftspolitischen Violinschlüssel haben. Das ist ein Einparteienstaat, eine kommunistische Diktatur, die ganz anderen Regeln folgt - Regeln, die uns vertraut sind aus der Zeit der deutschen Spaltung. Wir sehen keinen Sinn darin, dieses Land zu isolieren, das seinen ganz eigenen Weg geht, das durch dieses System natürlich auch von fürchterlichen Schwierigkeiten geplagt ist. Wenn wir wollen, dass wir eine Gesprächsbasis auch in der großen Politik mit dem Norden aufbauen können, dann müssen wir auch im Kleinen mal mit ihnen reden.

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