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Krieg der Worte

Nordkorea-Krise: Kein Plan B im Weißen Haus

Präsident Donald Trump sollte auf das Regime Kim Jong Uns zugehen und über vertrauensbildende Maßnahmen reden, raten US-Sicherheitsexperten. Doch genau das scheint sehr unwahrscheinlich.

Donald Trumps jüngste Drohungen gegenüber Nordkorea haben die ohnehin gefährliche Spannung zwischen Washington und Pjöngjang noch verschärft. Trumps Äußerungen könnten fast aus Nordkorea kommen, so sehr ähneln sie der nordkoreanischen Rhetorik, findet Joel Wit, Koreaexperte an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore: "Ich sage nicht, sie könnten einen neuen Koreakrieg auslösen, aber mit Sicherheit verstärken sie noch die Spannungen."

Miles Pomper vom James-Martin-Zentrum für die Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen im kalifornischen Monterey sagt, mit seinem andauernden Säbelgerassel versuche Trump offenbar, die Krise so zu verschärfen, dass China sich schließlich zum Eingreifen gezwungen sehe. "Aber damit läuft er Gefahr, dass Nordkorea wirklich militärisch handelt, und zwar sehr wahrscheinlich konventionell."

Zwei Minister versuchen zu mäßigen

Trumps Äußerungen wurden auch von republikanischen Parteifreunden kritisiert, so von John McCain, dem Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses im Senat. "Das einzige, was er damit erreicht, ist, dass uns das noch näher an eine ernste Konfrontation bringt", sagte McCain, der eigentlich als sicherheitspolitischer Falke gilt. Auch William Perry, Verteidigungsminister unter Präsident Bill Clinton, nannte Trumps offene Drohung mit Atomwaffen "eine gefährliche Abweichung vom bisher üblichen Weg" und riet in der gegenwärtigen Lage zu einer "gemäßigten Sprache".

James Mattis (Picture-alliance/dpa/J. Martin/AP)

Verteidigungsminister Mattis versucht, Trumps Rhetorik die Spitze zu nehmen

Diesem Rat scheinen sowohl Außenminister Rex Tillerson als auch Verteidigungsminister James Mattis zu folgen, die bemüht waren, Trumps Drohung die Spitze zu nehmen. Mattis bekräftigte den Willen der USA, sich und ihre Verbündete zu verteidigen, und warnte Nordkorea vor Schritten, die "zum Ende seines Regimes und zur Vernichtung seines Volkes führen würden". Mattis fügte hinzu, Pjöngjang würde "jeden Konflikt verlieren, den es selbst auslöst", was dahingehend gewertet wird, dass die USA keinen Konflikt mit Nordkorea beginnen würden.

Atomraketen nur eine Frage der Zeit

Dass der Außen- und der Verteidigungsminister die Wortwahl des eigenen Präsidenten abzuschwächen versuchen, ist für sich schon bezeichnend. Doch dessenungeachtet raten Experten dem Weißen Haus, sich auf eine Strategie zu konzentrieren, die davon ausgeht, dass Pjöngjang schon eine Atomwaffe entwickelt hat, die klein genug ist, um in eine koreanische Trägerrakete zu passen.

"Wenn ich wüsste, wie die Nordkoreapolitik der Regierung Trump jenseits der plumpen Sprüche aussieht, könnte ich die Erfolgsaussichten beurteilen", sagt Joshua Pollack, ebenfalls vom James-Martin-Zentrum. "Aber soweit ich weiß, haben sie sich darauf verlassen, dass China das Problem schon lösen wird. Jetzt, wo das nicht funktioniert, haben sie keinen Plan B." Joel Wit stimmt zu: "Ihre Strategie besteht darin, dass China für uns die Kartoffeln aus dem Feuer holen soll und der Druck auf Nordkorea wächst. Aber so läuft das nicht."

Nordkorea Raketentest (picture-alliance/AP Photo/Korean Central News Agency)

Der US-Militärgeheimdienst DIA traut Nordkorea die Entwicklung von Atomraketen bereits jetzt zu

Der US-Militärgeheimdienst DIA, der gewarnt hat, Nordkorea könnte eine für eine Trägerrakete ausreichend kleine Atombombe entwickelt haben, neigt mitunter zu alarmistischen Äußerungen. Daher ist schwer einzuschätzen, ob das nordkoreanische Regime tatsächlich heute schon über solche militärische Fähigkeiten verfügt. Doch Wit meint, darauf komme es gar nicht an: "Wir sollten uns nichts vormachen: Wenn sie es heute noch nicht können, dann jedenfalls in nicht allzu ferner Zukunft."

Wieder miteinander reden

"Ausländische Beobachter glauben seit langem, dass Nordkorea diese Fähigkeiten schon hat", sagt Pomper. "Dieser Geheimdienstbericht zeigt, dass die letzten Reste an Wunschdenken bei den Nachrichtendiensten langsam zerrinnen." Doch was ergibt sich daraus als Handlungsempfehlung an den Präsidenten und seine Berater? Die befragten Experten geben darauf sehr ähnliche Antworten.

Als ersten Schritt - um zu zeigen, dass sie die Gefahr eines Atomkrieges ernstnehmen und bereit sind, die Nerven zu beruhigen - sollten die USA die Verhandlungskanäle mit dem nordkoreanischen Regime wiederbeleben, rät Pollack, zuerst in Gesprächen von Militär zu Militär in Panmunjon, dem Dorf in der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea. Generell "wäre es das Beste, Gespräche ohne Bedingungen und Zeitbegrenzung über vertrauensbildende Maßnahmen zu führen", fügt Pollack hinzu. Joel Wit fasst seine Empfehlung so zusammen: "Wir müssen aktiv auf die Nordkoreaner zugehen, uns mit ihnen zusammensetzen und dann sehen, wie wir weiter vorgehen können." 

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