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Aktuell Welt

Nordkorea feuert Langstreckenrakete ab

Nordkorea provoziert die Staatengemeinschaft: Trotz eindringlicher Warnungen startete das kommunistische Land eine Langstreckenrakete - angeblich, um einen Satelliten zu transportieren. Südkorea erwägt Konsequenzen.

Trotz massiver internationaler Kritik hat Nordkorea den erfolgreich verlaufenen Start einer Weltraumrakete verkündet. Diese sei um etwa 01.30 Uhr MEZ abgehoben, erklärte das südkoreanische Verteidigungsministerium.

Der japanische Sender NHK berichtete ebenfalls von dem Start. Die Rakete sei über die südliche japanische Insel Okinawa in Richtung des Pazifischen Ozeans geflogen. Japans Militär habe nicht versucht, sie abzufangen. Ministerpräsident Shinzo Abe übte scharfe Kritik und sprach von einem Verstoß gegen UN-Resolutionen. Japan unterhält keine diplomatischen Beziehungen zu Nordkorea.

Nordkoreanische Staatsmedien gaben unter Berufung auf die nationale Raumfahrtbehörde an, die Trägerrakete habe einen Erdbeobachtungssatelliten auf eine Umlaufbahn gebracht. Nordkorea hatte den Raketenstart vorverlegt, ursprünglich hatte das Land ein Startfenster zwischen dem 8. und 25. Februar vorgesehen.

Sorge vor atomaren Sprengköpfen

Etliche Staaten kritisierten den Abschuss als verschleierten Test einer militärischen Langstreckenrakete. Es besteht die Befürchtung, dass Nordkorea ein solches Geschoss mit einem atomaren Sprengkopf bestücken könnte und damit in der Lage wäre, neben Südkorea und Japan möglicherweise auch die Westküste der USA anzugreifen.

Seoul prüft Stationierung von Raketenabwehrsystem

Südkorea erwägt angesichts der Bedrohung, das amerikanische Raketenabwehrsystem Thaad zu stationieren. Sein Land werde darüber mit der US-Regierung verhandeln, kündigte ein hochrangiger Vertreter des Verteidigungsministeriums im Beisein von Befehlshabern der US-Armee vor Journalisten in Seoul an.

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye warf dem kommunistischen Regime in Pjöngjang eine schwere Provokation vor, die nicht toleriert werden könne. US-Außenminister John Kerry prangerte den Raketenstart als Bedrohung für die Sicherheit der Region und der USA an. Er unterstrich, dass die USA der Verteidigung ihrer Verbündeten, darunter Südkorea und Japan, "eisenhart" verpflichtet seien. Auf Antrag Südkoreas, der USA und Japans kommt der UN-Sicherheitsrat in New York an diesem Sonntag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

Auch China und Russland üben Kritik

Kritik äußerte auch China, ein traditionell enger Verbündeter Nordkoreas. Der Abschuss der Rakete werde die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel nur noch verschärfen, beklagte die chinesische Regierung. Ähnliche Töne gab es aus Moskau. "Wir sind gezwungen festzustellen, dass Nordkorea ein weiteres Mal internationales Recht provokativ missachtet hat", hieß es in einer Erklärung des russischen Außenministeriums.

Nordkorea Kim Jong Un Präsident

Glaubt man Machthaber Kim Jong Un, soll die Rakete nur einen Erdbeobachtungssatelliten ins All bringen

Die Führung in Pjöngjang argumentiert dagegen, es habe als souveräner Staat das Recht, ein Weltraumprogramm zu verfolgen. Mehrere Resolutionen des UN-Sicherheitsrates verbieten dem Land jedoch die Nutzung ballistischer Raketen.

Ist Nordkorea im Besitz der Wasserstoffbombe?

Am 6. Januar hatte Nordkorea die Zündung einer Wasserstoffbombe verkündet und damit weltweit Empörung hervorgerufen. Der vierte Atomwaffentest Nordkoreas seit dem Jahr 2006 war vom UN-Sicherheitsrat scharf verurteilt worden. Atomexperten und die US-Regierung bezweifeln allerdings, dass es sich tatsächlich um eine Wasserstoffbombe handelte. Die Explosion sei dafür nicht stark genug gewesen.

haz/se (rtr, dpa, afp)