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Aktuell Asien

Nordkorea droht mit Vergeltung für US-Raketenstationierung

Pjöngjang hat den USA und Südkorea mit militärischer Gewalt gedroht, falls sie ihre Pläne für einen Raketenschild auf südkoreanischem Boden umsetzen. Und auch der letzte Gesprächskanal mit Washington wurde gekappt.

Die amtliche Nachrichtenagentur KCNA meldet, Grund seien die jüngsten US-Sanktionen, die erstmals auch den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un direkt betreffen. Nordkorea und die USA unterhalten zwar keine diplomatischen Verbindungen. Nordkoreas UN-Gesandtschaft in New York dient aber als Gesprächskanal zwischen Washington und Pjöngjang.

US-Sanktionen wegen Menschenrechtsverletzungen

Alle Angelegenheiten würden nun im Rahmen des Kriegsrechts behandelt, berichtet die nordkoreanische Agentur weiter. Dies betreffe auch zwei inhaftierte Amerikaner. Sie waren staatsfeindlicher Verbrechen für schuldig befunden worden. Das US-Finanzministerium hatte vergangenen Mittwoch Sanktionen gegen insgesamt 16 Einzelpersonen und Organisationen verhängt, denen Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden.

Zuvor hatte das kommunistische Regime in Pjöngjang mit "physischen Reaktionen" des Militärs gedroht, weil die USA und Südkorea beabsichtigen, ein modernes Raketenabwehrsystem im Süden der koreanischen Halbinsel zu stationieren. Nordkorea werde eine "Gegenaktion" starten, sobald der Ort und der Zeitpunkt der Stationierung des Raketenschilds bestätigt würden, zitierte KCNA das Militär. Die Streitkräfte verfügten dazu über ausreichende moderne Mittel, hieß es weiter.

Die südkoreanische Regierung bezeichnete die Drohung aus dem Norden als "lächerlich". "Nordkorea muss zugeben, dass es selbst den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel bedroht, und sich für seine Provokationen entschuldigen", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul.

USA wollen Raketenabwehrsystem stationieren

Washington und Seoul hatten am Freitag gemeinsame Pläne für die Stationierung eines Raketenabwehrsystems in Südkorea verkündet. Damit sollen mögliche ballistische Raketen aus Nordkorea auch in großer Höhe zerstört werden können. Der Raketenschild THAAD richte sich einzig gegen Nordkorea, erklärten die Verteidigungsministerien beider Länder. Wo genau und wann der Raketenschild stationiert werden soll, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Offenbar als Reaktion auf die Ankündigung testete Nordkorea am Samstag nach Angaben aus Seoul erneut eine von einem U-Boot abgefeuerte Rakete.

Nordkorea hatte im Januar eine Atombombe zu Testzwecken gezündet, es war Pjöngjangs vierter Atomwaffentest. Dem schlossen sich eine Reihe von Raketentests an. Der UN-Sicherheitsrat beschloss deshalb Anfang März die bislang schärfsten Sanktionen gegen das isolierte Land. Trotzdem feuerte Nordkorea im April erneut eine Rakete ab, offenbar auch von einem U-Boot. Vor gut zwei Wochen folgten Tests von zwei Mittelstreckenraketen, bei denen es sich vermutlich um Raketen des neuen Typs Musudan handelte. Diese Raketen sollen eine Reichweite von bis zu 4000 Kilometern haben, womit sie auch den US-Stützpunkt auf der Pazifikinsel Guam treffen könnten.

Kritik am Vorhaben

Der geplante Raketenschild stößt bei den Bürgern an den möglichen Standorten in Südkorea auf Widerstand. Am Samstag demonstrierten 3500 Menschen im Bezirk Chilgok. Sie beklagten, dass die Region seit der Stationierung von US-Truppen 1960 unter Stagnation leide. Am Montag war eine Demonstration im Bezirk Eumseong geplant, um gegen die mangelnde Aufklärung der Bevölkerung über mögliche Gefahren der Abwehrraketen zu protestieren.

Die Entscheidung stößt auch in Peking auf Kritik, da die Raketen auch in einem Konflikt mit China strategische Bedeutung für die USA hätten. Die Entscheidung über den Stationierungsort soll nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums in den nächsten Wochen fallen. Das Raketenabwehrsystem solle Ende 2017 einsatzbereit sein.

chr/SC (dpa, afp)