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Aktuell Asien

Nordkorea drohen Sanktionen nach Raketenfehlstart

Der misslungene Raketenstart Pjöngjangs hat international für viel Kritik gesorgt. Die EU droht mit neuen Sanktionen, Russland setzt auf Gespräche und Nordkoreas Führung muss zunächst die Blamage verdauen.

Während Russland, Indien und China zu Zurückhaltung aufgerufen haben, verurteilten Südkorea und die EU den fehlgeschlagenen Raketenstart in Nordkorea. Dieser habe klar gegen die internationalen Verpflichtungen aus der UN-Resolution 1874 verstoßen, erklärte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Brüssel. Darin wird festgehalten, dass die Verbreitung von atomaren, biologischen und chemischen Waffen und deren Trägersystemen eine Gefahr für die Sicherheit und den internationalen Frieden darstelle.

Die EU-Außenbeauftragte äußerte sich "zutiefst besorgt über die gefährliche und destabilisierende Aktion der Demokratischen Volksrepublik Korea". Sie appellierte an die Regierung in Pjöngjang, ihren Zusagen für eine nukleare Abrüstung nachzukommen. Zudem seien alle Handlungen zu unterlassen, die zu regionalen Spannungen führen könnten, so Ashton. Auch Südkoreas Außenminister Kim Sung-Hwan bezeichnete den Raketenstart als klare Provokation. Auch wenn die Mission fehlgeschlagen sei, sei es "bedauernswert", dass Nordkorea die Rakete überhaupt starten ließ, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

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Westerwelle verurteilt Raketenstart

Die nordkoreanische Langstreckenrakete war am Freitagmorgen kurz nach dem Start explodiert und ins Meer gestürzt. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete unter Berufung auf Militärkreise, Teile der Rakete seien wahrscheinlich rund 200 Kilometer südlich der südkoreanischen Hafenstadt Kunsan ins Gelbe Meer gestürzt. Die erste Stufe habe sich offenbar nicht von der zweiten Stufe der Rakete getrennt.

Milde walten lassen

Russland hat den misslungenen nordkoreanischen Raketenstart "bedauert", zugleich aber Zwangsmaßnahmen gegen das stalinistisch geführte Nachbarland abgelehnt. "Wir glauben nicht an neue Sanktionen. Sie tragen nicht dazu bei, die Situation zu lösen", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow auf einer im Staatsfernsehen übertragenen Pressekonferenz mit seinen Amtskollegen aus China und Indien. Der Weltsicherheitsrat müsse nun eine "ausgewogene" Entscheidung treffen und alle Beteiligten ein "Höchstmaß an Verantwortung und Zurückhaltung zeigen". Ziel müsse es sein, so Lawrow weiter, die Sechs-Länder-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm wieder aufzunehmen. Lediglich diplomatische und politische Maßnahmen dürften ergriffen werden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle rechnete mit verschärften Spannungen auf der koreanischen Halbinsel und forderte eine "deutliche Antwort" des Sicherheitsrates. Die G8-Außenminister riefen den Rat auf, angemessen zu reagieren.

Desaster für Nordkoreas Führung

Für Pjöngjang ist der Absturz der Rakete eine Blamage, die Nordkorea dennoch ungewöhnlich offen eingeräumt hat. Mit dem Start wollte die kommunistische Regierung eigentlich den 100. Geburtstag des verstorbenen Staatsgründers Kim Il Sung feiern. Nun werde nach den Ursachen für das Misslingen gesucht, erklärten Experten im nordkoreanischen Staatsfernsehen. Das Eingeständnis kommt unerwartet, weil die staatlich kontrollierten Medien die einzige Informationsquelle für die 23 Millionen Nordkoreaner sind. Einen ähnlich gescheiterten Versuch, bei dem die Rakete aber wenigstens 3800 Kilometer weit flog, hatte die Führung 2009 noch als Erfolg verkauft.

Nordkorea war bereits vor dem Raketenstart weitestgehend isoliert auf der internationalen Bühne. Das Scheitern eines derart prestigeträchtigen Projektes könnte auch die Spannungen innerhalb der Führung verschärfen und Zweifel an den Fähigkeiten des neuen Staatschefs Kim Jong Un wecken. "Das ist die erste Krise des neuen Staatschefs, der gerade erst ins Amt gekommen ist", sagte Lee Jong Won von der Waseda Universität in Tokyo. "Es ist unvermeidlich, dass sie den Schuldigen finden wollen. Ich frage mich, wie jene behandelt werden, die sich für die Rakete besonders stark gemacht haben", sagte der Politikexperte.

nis/hp (dpa, afp, rtr, dapd)

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