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Aktuell Asien

Nordkorea brüstet sich mit neuen Atomsprengköpfen

US-Militärs warnen seit langem, dass Nordkorea Atombomben für Raketen entwickelt. Jetzt will Pjöngjang es geschafft haben. Doch Experten bezweifeln die Erfolgsmeldung des isolierten Regimes.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un auf einem undatierten offiziellen Foto (Foto: EPA)

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un auf einem undatierten offiziellen Foto

Eine Verkündung Nordkoreas zu angeblichen Fortschritten seines militärischen Atomprogramms ist in den USA und bei Experten auf große Skepsis gestoßen. Die Nationale Verteidigungskommission in Pjöngjang gab bekannt, nordkoreanischen Experten sei die Entwicklung kleinerer Atomsprengköpfe gelungen, mit denen sich Raketen bestücken lassen.

Es sei viel Zeit vergangen, "seit wir mit der Verkleinerung und der Diversifizierung unserer Mittel für einen Atomschlag begonnen haben", hieß es in der von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung zum Atomprogramm. Die "Stufe des höchsten Grades der Genauigkeit nicht nur für Kurz- und Mittelstreckenraketen, sondern auch für Langstreckenraketen" sei erreicht. "Wir verbergen diese Tatsache nicht."

Ein offizielles Foto zeigt angeblich Kim Jong Un beim Test der U-Boot-gestützten Rakete nahe Sinpo an der Ostküste (Foto: dpa)

Ein offizielles Foto zeigt angeblich Kim Jong Un beim Test der U-Boot-gestützten Rakete nahe Sinpo an der Ostküste

US-Forscher hatten unlängst davor gewarnt, dass Nordkorea in den kommenden fünf Jahren sein Atomprogramm ausweiten und bis zum Jahr 2020 über hundert Atomsprengköpfe verfügen könnte. Auch Südkorea geht davon aus, dass der kommunistische Norden inzwischen über die Technologie verfügt, um zumindest einen kleinen Atomsprengkopf zur Bestückung einer Rakete zu bauen.

Nach Einschätzung der US-Regierung ist diese Stufe aber noch nicht erreicht. "Unsere Einschätzung zu den nuklearen Fähigkeiten Nordkoreas hat sich nicht geändert", sagte ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats. Washington gehe nicht davon aus, dass Pjöngjang bereits stark verkleinerte Atomsprengköpfe herstellen könne.

Zweifel auch in Südkorea

Auch Südkorea bezweifelt die Erfolgsmeldung. Militärs in Südkorea hätten betont, dass Nordkorea Fortschritte bei der Verkleinerung von Atomwaffen erzielt habe, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. "Doch Südkorea und die USA teilen die Einschätzung, dass es noch nicht auf der Stufe ist, auf der die entsprechende Technologie fertig entwickelt ist", wurde ein Militärvertreter zitiert.

Es gebe "Unterschiede zwischen den Verkündungen und der aktuellen Einsatzrealität", sagte auch der Forscher Daniel Pinkston von der International Crisis Group der Nachrichtenagentur AFP. Der südkoreanische Experte Cho Han Bum sagte, Nordkorea sei "zu knapp bei Kasse" für eine solche Entwicklung. Die Ankündigung sei "kaum glaubhaft".

Der Befehlshaber der US-Streitkräfte in Südkorea (USFK), Curtis Scaparrotti, hatte im vergangenen Oktober seine Einschätzung geäußert, dass Nordkorea prinzipiell einen passenden Atomsprengkopf für eine Interkontinentalrakete bauen könne. Allerdings wisse er nicht, ob das Land schon eine einsatzbereite Atomrakete habe, da bisher noch keine entprechenden Tests stattgefunden hätten.

Nordkorea hatte zwischen 2006 und 2013 drei unterirdische Atomtests durchgeführt. Der UN-Sicherheitsrat hatte auf die Tests mit Sanktionen gegen das kommunistische Regime reagiert. Der Test einer U-Boot-Rakete in Nordkorea in diesem Monat hatte in Südkorea und den USA große Besorgnis ausgelöst. Nordkoreas Medien hatten am 9. Mai berichtet, dass das Land erstmals erfolgreich von einem U-Boot aus eine neuartige ballistische Rakete abgefeuert habe. In Seoul hieß es dazu, die Rakete sei nur 100 bis 150 Meter weit über dem Wasser geflogen.

Ban wieder ausgeladen

Unterdessen wurde UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kurz vor einem für Donnerstag geplanten Besuch in Nordkorea

wieder ausgeladen.

Ban sagte bei einer Veranstaltung in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, über "diplomatische Kanäle" sei ihm mitgeteilt worden, dass Pjöngjang die an ihn ergangene Einladung zurückziehe. "Für diese Änderung in letzter Minute wurde keine Erklärung gegeben", fügte Ban hinzu. Nordkoreas Entscheidung sei "zutiefst bedauerlich".

Ban, einst Außenminister Südkoreas, hatte Nordkorea am Dienstag wegen des neuen Raketentests vor einer Eskalation der militärischen Spannungen in der Region gewarnt. Zugleich rief er das Land auf, die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats umzusetzen. Bans Besuch in Nordkorea wäre der erste eines UN-Generalsekretärs in dem Land seit dem Jahr 1993 gewesen.

stu/pab (afp, dpa)