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Politik

Nordkorea bereitet Machtwechsel vor

Nordkorea will nach eigenen Angaben in der nächsten Woche eine neue politische Führung bestimmen. Am 28. September soll dazu in Pjöngjang eine Konferenz der Kommunistischen Arbeiterpartei stattfinden.

Kim Jong Il (M.) in Begleitung hochrangiger Militärs (Foto: dapd)

Über den Gesundheitszustand von Kim Jong Il herrscht Unklarheit

Eigentlich war die Delegiertenversammlung der Arbeiterpartei (PdAK) für Anfang September geplant gewesen und wurde kurzfristig, ohne Angabe von Gründen, verschoben. Das genaue Datum der Konferenz soll laut Meldungen der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA vom Dienstag (21.09.2010) der 28. September sein. Beobachter erwarten, dass Staatschef Kim Jong Il auf der Tagung seinen jüngsten Sohn Kim Jong Un in ein hohes Amt hebt, um ihn als seinen Nachfolger in Stellung zu bringen.

Erste große Konferenz seit 1980

Kim Jong Il (r.) und vermutlich sein Sohn Kim Jong Un (l.) (Foto: dapd)

Offizielle Fotos fehlen, Medien spekulieren aber, dass Kim Jong Un (l.) seinen Vater hier begleitet

Die Konferenz wird die größte dieser Art seit 30 Jahren sein. Damals wurde Kim Jong Il offiziell zum Nachfolger seines Vaters Kim Il Sung erklärt. Es ist zudem erst die dritte Konferenz seit der Staatsgründung im Jahr 1948. Es wird erwartet, dass die Delegierten eine neue Parteiführung wählen und Ämter vergeben werden, die teilweise seit Jahren unbesetzt sind.

Spekulationen über die Nachfolgeregelung Kim Jong Ils halten sich hartnäckig, seit der nordkoreanische Machthaber laut Medieninformationen im August 2008 einen Schlaganfall erlitt. Dass eine Delegiertenversammlung Anfang September verschoben wurde, hatte neuerliche Gerüchte genährt, wonach der 68-jährige Machthaber zu krank sein könnte, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Die amtliche Agentur KCNA bezeichnete das geplante Treffen als "historisch". Experten und Beobachter der politischen Situation in Nordkorea gehen davon aus, dass Kims Sohn bei der Konferenz ein mittelhohes Parteiamt übertragen bekommt. Auch Vertraute des Sohnes dürften Schlüsselposten innerhalb der Partei erhalten.

Noch ein Unbekannter: Kim Jong Un

Über Kim Jong Un ist kaum etwas bekannt, das letzte offizielle Foto von ihm ist mehrere Jahre alt. Schätzungen südkoreanischer Geheimdienste zufolge wurde er 1983 geboren und in der Schweiz ausgebildet. Am Sonntag hatte die japanische Tageszeitung "Tokyo Shimbun" berichtet, dass die Kommunistische Partei Kims Sohn zu seinem Nachfolger bestimmt hat. Er habe von seinen Eltern eine "revolutionäre Erziehung und einen Sinn für Autorität" vermittelt bekommen, zitierte die Zeitung aus einem Dokument der Partei. Er dürfte indes noch einige Zeit im Schatten seines Vaters stehen - Experten rechnen nicht damit, dass dieser ihm vor seinem Tod sein Amt übergibt.

Kim war im August offenbar in Begleitung seines Sohnes nach China gereist und soll dabei auch Präsident Hu Jintao getroffen haben. Die Reise stand wie gewöhnlich unter strengster Geheimhaltung. Der Besuch wurde als Versuch Kims gewertet, in dem Nachbarland für Unterstützung für seinen Sohn zu werben. China ist einer der wenigen Verbündeten Nordkoreas.

Propaganda-Aktion geplant

Nordkoreanische Studenten zeigen einen Propagandatanz, im Hintergrund ist das überlebensgroße Bild von Kim Jong Il zu sehen (Foto: dapd)

Mit Propaganda-Aktionen für Kim Jong Un wird in Zukunft gerechnet

Mitarbeiter des südkoreanischen Geheimdienstes gehen davon aus, dass das Regime bereits eine Propaganda-Aktion startete, um den Kim Jong Un im Volk bekannt zu machen. Dazu sollen Lieder und Gedichte gehören, in denen der junge Kim gepriesen wird.

Nordkoreanische Soldaten und Arbeiter sollen dem Sohn an seinem Geburtstag im Januar ihre Loyalität geschworen haben. Der mögliche Machtwechsel wurde jedoch stets geheim und Informationen zurück gehalten. So wussten die südkoreanischen Behörden bis zum letzten Jahr nicht, wie der Name des Sohnes überhaupt geschrieben wird.

Weitere Parteiämter für Familienmitglieder

Kim Jong Un hat zwei ältere Brüder. Aus Kreisen des Regimes verlautete jedoch, der jüngste sei das Lieblingskind des Vaters. Neben ihm wird auch im Jong Ils einzige Schwester Kim Kyong Hui im Fokus stehen. Sie begleitete den Staatschef in den vergangenen zwei Jahren wiederholt bei Inlandsreisen. Derzeit ist sie innerhalb der Partei zuständig für die Leichtindustrie.

Ihr Ehemann Jang Song Thaek stieg ebenfalls in der Partei auf. Er wurde im Juni zum stellvertretenden Vorsitzenden der Nationalen Verteidigungskommission befördert und ist damit nach Kim Jong Il die Nummer zwei in dem mächtigen Gremium.

Autorin: Marion Linnenbrink (afp, dapd, dpa)
Redaktion: Reinhard Kleber

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