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Musik

Nordische Nachbarn bei der c/o Pop

International aufgestellt war das Kölner Musikfestival schon immer. Diesmal standen besonders viele Künstler aus Dänemark auf der Bühne: Agnes Obel hat den Anfang gemacht, weitere dänische Bands folgten. Ein neuer Hype?

Dänische Band Asbjorn

Dänischer Popexport: Asbjørn mag es melancholisch

Dass lokale Kölner Bands und überhaupt Musiker aus Deutschland stark beim c/o Pop-Festival vertreten sind, ist von den Machern gewollt; schließlich will man die heimische Szene stärken. Aber es gehört auch zum Programm, dass Künstler aus aller Welt für internationales Flair sorgen. In diesem Jahr standen also Soul-Queen Kelis aus New York, Indie-Rocker Elbow aus Manchester und Warpaint aus Kalifornien auf der Bühne. Aber noch eine weitere Nation war gut vertreten: Die c/o pop begrüßte sechs Acts aus Dänemark. Das überrascht zunächst, sind Deutschlands Nachbarn aus dem Norden doch bloß ein kleines Land mit nicht einmal sechs Millionen Einwohnern.

Hype um Dänemark

Im Zusammenhang mit dem gegenwärtigen Hype um Skandinavien ist das aber gar nicht so ungewöhnlich. Dänische Kulturexporte sind in den letzten Jahren gefragt - am auffälligsten wohl in Film und Fernsehen. Allein 2011 gab es in Hollywood, Cannes und beim Europäischen Filmpreis wichtige Auszeichnungen für dänische Filme, Regisseure und Schauspieler. Damit nicht genug: Die TV-Serien "The Killing" und "Borgen" sind seit ihrem Start 2010 nicht nur im heimischen Dänemark ein Riesenerfolg - auch im europäischen Ausland werden sie bejubelt. Stehen wir nun vor einer neuen dänischen Erfolgswelle, diesmal im Pop?

New Age Sound mit Agnes Obel

Sängerin Agnes Obel

Agnes Obel hat sich international einen Namen gemacht

Agnes Obel ist schon seit Jahren ein großer Name in Dänemark, hat bei den Danish Music Awards 2011 in ihrer Heimat zahlreiche Preise abgeräumt. Ihre Karriere startete sie allerdings in Berlin. 2005 ließ die gebürtige Kopenhagenerin sich in der deutschen Hauptstadt nieder. Vier Jahre später ging ihr Name durch aller Munde, als sie ihren Song "Just So" in einem Werbespot der Deutschen Telekom platzieren konnte, 2010 kam dann das Debütalbum. Am Donnerstag spielte die Sängerin, Songwriterin und Pianistin in der prestigeträchtigen Kölner Philharmonie, die eigentlich klassischer Musik vorbehalten ist.

Unterstützt von Cellistin Anne Müller und Geigerin Mika Posen entführte die Dänin ihr Publikum in eine Traumwelt voller tranceartiger Klänge. Minimalistisch beleuchtet und von Nebel umhüllt schien das Trio aus dem Elfenland gekommen, Zeit und Gegenwart lösten sich im musikalischen Klanguniversum Obels auf, und das Publikum hielt es am Schluss nicht mehr auf den Sitzen. Frenetisch wurden die Musikerinnen gefeiert und Zugaben eingefordert.

Mit ihrem Album "Philharmonics" gelang ihr der Durchbruch in weiten Teilen Europas. Der sanfte, elaborierte Sound mit New Age-Flair trifft den Nerv der Zeit. Gleichzeitig scheint der Albumtitel Programm, denn Obels Auftritt an in der Kölner Philharmonie ist keine Ausnahme: Auf ihrer derzeitigen Tour spielt sie nicht in Clubs, sondern in Theatern, Opernhäusern und Kirchen in Europa und den USA.

Mainstream oder progressiv?

Agnes Obel ist der bekannteste dänische Musikexport bei der c/o Pop. Doch am Freitag (22.8.) gab es beim "Spot on Denmark 2014" noch mehr zu entdecken: Das Konzert war eine Kooperation mit dem Musikexportbüro "Music Export Denmark", das Künstlern eine Karriere außerhalb des schnell gesättigten heimischen Marktes hinaus erleichtern will. Auf einen Schlag präsentierten sich im Festivalzentrum gleich vier dänische Acts.

Unter den Bands des Abends orientieren sich Julias Moon wohl am ehesten am popmusikalischen Mainstream - allerdings scheint die Identitätsfrage unter den Musikern selbst noch nicht geklärt. Deren Selbstbeschreibung in den sozialen Netzwerken ist entweder ein entsetzter Aufschrei oder eine zweifelnde Frage: "Julias Moon is a progressive pop group?!" Ihr aktueller Song "Lipstick Lies" jedenfalls ist ein ziemlicher Club-Ohrwurm.

Dänische Band Julias Moon

Julias Moon auf der Suche nach sich selbst

Auch Asbjørns Musik ist eingängiger Pop - und seine melancholischen, beatlastigen und im besten Sinne verspielten Arrangements geben ihm eine ganz eigene Note. Passend dazu dreht er groteske Kurzfilme: Schwarz umhüllte Gestalten verfallen plötzlich vor romantisch-düsterer Naturkulisse in das Klischee einer Musikvideo-Choreographie.

Farben, Symbole, Zitate

Dann ist da noch Kill J: Auf ihrer Single "Bullet" klingt sie mit glockenheller Stimme und einem gewissen indischen Touch wie eine weichere Version der britischen Sängerin M.I.A. Mit einer höchst akkuraten Undercut-Frisur gibt sie sich bewusst ein androgynes Outfit.

Die engelsgleiche Stimme von Jonas Smith, dem Leadsängers der Band "Blaue Blume", erinnert an den US-Sänger Antony Hegarty, der sich wie kein anderer über Geschlechternormen hinwegsetzt. Von manchen als "Dreampop" beschrieben, bieten Blaue Blume vor allem schwebende Gitarren und einen eleganten 80er Jahre-Sound. Auch sie wissen ihre Musik in Bilder umzusetzen: Zum Song "In Disco Lights" gab es ein kunstvoll seichtes Musikvideo in fast schon schmerzhaften Pastelltönen. Die Dänen sparen also nicht an Farben, Symbolen oder Zitaten aus der Pop-Historie.

Spezifisch dänisch?

Kill J

Typisch dänisch oder nicht: Kill J gibt sich androgyn

Aber ist ihre Musik spezifisch dänisch? Egal: In einer globalisierten Welt wird die Frage nach der kulturellen Essenz einer Nation wohl ohnehin immer unpassender. Genau darauf richten Den Sorte Skole, die sechste dänische Band des Festivals, ihr Augenmerk: Das DJ-, Produzenten- und Komponisten-Kollektiv aus Kopenhagen sampelt Musik aus aller Welt und vermischt so unterschiedliche Genres wie Psycho Rock, Reggae und klassische Musik. So war das WDR-Funkhaus am Freitag zugleich Flughafen und Zeitmaschine: Selbstbewusst beschreiben die Künstler ihre Soundcollagen als "wahrhaft einzigartige Reise durch die Musikgeschichte und darüber hinaus." Nicht Dänen also, sondern Weltbürger.

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