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Fußball

Nordirland will DFB-Team weh tun

Nordirland überraschte zuletzt mit dem Sieg gegen die Ukraine. Jetzt hat der EM-Neuling sogar die Chance auf das Achtelfinale. Ein Punkt gegen Deutschland heute Abend, und die Chancen wären ausgezeichnet.

Einen EM-Titelträger hatten die Nordiren schon in ihrer überragenden Qualifikation abgehängt - Ex-Europameister Griechenland. Nun will der Außenseiter vom nördlichen Zipfel der "Grünen Insel" auch gegen Deutschland bestehen. Teammanager Michael O'Neill rechnet sich dabei durchaus Chancen aus: "Klar, sie sind Weltmeister. Aber wir haben die letzten Spiele der Deutschen gesehen und kennen ihre Schwächen", sagte Michael O'Neill am Montagabend in Paris: "Wir glauben, dass wir ihnen weh tun können." Das DFB-Team sei zwar eine der besten Mannschaften der Welt, habe aber zuletzt nicht immer überzeugt. "Seit der WM hatten sie einige Veränderungen in der Mannschaft. Wir müssen dieses Schwächen ausnutzen. Keine Mannschaft ist perfekt."

Selbstbewusst sind sie, die Iren. Und das dürfen sie auch sein. Einer knappen Niederlage gegen Polen zum Auftakt folgte der 2:0-Erfolg gegen die Ukraine. Drei Punkte nach zwei Partien - noch ist alles drin, theoretisch sogar der Gruppensieg. Patrick Nelson, Geschäftsführer des nordirischen Verbandes, hatte schon vor EM-Beginn die K.o.-Runde zum Ziel ausgegeben: "Wir wollen ins Achtelfinale. Es scheiden nur acht Mannschaften aus, und wir haben alle Chancen. Wir haben einen tollen Teamgeist und einen Super-Trainer."

Superstars sucht man im nordirischen Kader allerdings vergeblich, am ehesten im Fokus steht Stürmer Kyle Lafferty von Birmingham City, der in der Qualifikation sieben Tore schoss, zuletzt aber gegen die Ukraine nur auf der Bank saß. Im Der größte Hoffnungsträger steht eher an der Außenlinie: Coach O'Neill, der die Nordiren sensationell zur ersten Teilnahme an einer Europameisterschaft überhaupt und zum ersten großen Turnier seit der WM 1986 in Mexiko führte. "Was er bisher für den Fußball in Nordirland getan hat, ist großartig", lobt Verbandspräsident Jim Shaw. "Die meisten Leute konnten höchstens davon träumen, dass Nordirland mal wieder an einem großen Turnier teilnehmen würde. Michael hat diese Träume wahr gemacht."

Der Trainer ist der Star

Nordirlands Coach Michael O'Neill (Foto: picture-alliance/augenklick/firo Sportphoto)

Nordirlands Coach Martin O'Neill

Der 46-jährige O'Neill absolvierte als Spieler selbst 31 Länderspiele für Nordirland und erzielte dabei vier Tore. Unter anderem war er bei Newcastle United in der ersten englischen Liga unter Vertrag. Der Mittelfeldspieler, der auch als Stürmer eingesetzt wurde, spielte in seiner 20-jährigen Karriere aber vorwiegend in Schottland und gewann 2003 mit dem FC Glentoran aus Belfast das Double. Als Trainer schaffte er es mit den Shamrock Rovers aus Dublin als erstes irisches Team in die Gruppenphase eines europäischen Wettbewerbs und schrieb damit Fußballgeschichte.

Seit 2011 ist O'Neill, dessen Vertrag kürzlich vorzeitig um vier Jahre bis 2020 verlängert wurde, Nationalcoach. In der EM-Qualifikation ließen die Nordiren Ungarn, Finnland, Färöer, Rumänien und Griechenland hinter sich. Trotzdem ist sein Team nur auf Rang 46 der UEFA-Rangliste gelistet - noch hinter Litauen, Lettland und Montenegro - und ist damit vorletzter aller EM-Teilnehmer nach Wales (Rang 51). Seit der irischen Teilung 1921 treten die Republik Irland und Nordirland getrennt an.

Einmal WM-Viertelfinale

Viel Erfahrung bei großen Turnieren kann Nordirland nicht gerade vorweisen. Dreimal hat sich das kleine Land für eine Weltmeisterschaft qualifizieren können. 1958 in Schweden erreichte es sogar das Viertelfinale, wo es jedoch mit 0:4 an Frankreich scheiterte. 1982 ind Spanien ging es bis in die WM-Zwischenrunde, vier Jahre später in Mexiko war in der Vorrunde Endstation. Danach führte das nordirische Team ein Schattendasein. Nun steht man endlich wieder im Rampenlicht.

Nordirlands Fußballer feiern Trainer Michael O'Neill (Foto: picture-alliance/dpa/A. Paton)

Auf Händen getragen: Trainer Michael O'Neill schafft mit Nordirland die erste EM-Qualifikation der Geschichte

Respekt trotz guter Bilanz

Nordirland sei ein "unbequemer Gegner", konstatierte Bundestrainer Joachim Löw schon vor dem Turnier, mit stabiler Defensive und großen Konterqualitäten. 14 Spiele absolvierte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bisher gegen die Nordiren, auf die sie auch in der WM-Qualifikation für Russland 2018 wieder treffen werden. Für die DFB-Auswahl sprangen dabei acht Siege, vier Remis und zwei Niederlagen heraus. Die beiden Pleiten brachten die Nordiren den Deutschen in der EM-Qualifikation für das Turnier in Frankreich 1984 bei - nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz mussten sie den Deutschen am Ende doch den Vorzug lassen. Der aktuelle nordirische Co-Trainer Jimmy Nicholl war in beiden Partien dabei.

Sein Chef sieht trotz der vermeintlichen Übermacht des amtierenden Weltmeisters auch diesmal eine Chance: "Natürlich wird es für uns gegen solch eine fußballerische Supermacht schwer", sagt Michael O'Neill nach der Gruppenauslosung im Interview mit der DW. "Wir sind dagegen nur ein sehr kleines Land. Aber der Druck wird an diesem Abend auf Deutschland lasten, nicht auf uns."

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