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Fußball

Nordirland schreibt Fußball-Geschichte

Außenseiter und EM-Debütant Nordirland bezwingt die Ukraine und feiert den ersten Sieg in seiner Europameisterschafts-Geschichte. Die Osteuropäer sind dagegen bereits jetzt als erstes Team bei der EM ausgeschieden.

Am Ende schien wieder die Sonne auf den vom Dauerregen durchtränkten Rasen vom Stadion in Lyon, dennoch schlichen die ukrainischen Spieler wie begossene Pudel in die Kabine. Mit 0:2 (0:0) verlor der Favorit gegen den EM-Debütanten Nordirland - und das nicht mal unverdient. Gareth McAuley schrieb EM-Geschichte, als er in der 49. Minute das erste EM-Tor für sein Land erzielte. Der Abwehrspieler von West Bromwich Albion wurde zum Helden seiner Nation, so wie sein Kollege Niall McGinn, der in der Nachspielzeit mit dem 2:0 alles klar machte.

Ereignisarme erste Halbzeit

Eigentlich hatten die Osteuropäer die Partie zunächst im Griff, ohne jedoch zwingende Torchancen herauszuspielen. In der 25. Minute brandete im Block der nordirischen Fans lauter Applaus auf - in Gedenken an den nordirischen Fan, der in Nizza nach dem ersten Gruppenspiel gegen Polen auf tragische Weise ums Leben kam. Die nordirischen Spieler trugen einen Trauerflor. Der 25-Jährige war außerhalb des Stadions von einem Geländer gestürzt und gestorben.

Es dauerte bis zur 34. Minute, bis das erste Raunen durch das Stadion ging - der Nordire Craig Cathcart setzte sich im Strafraum sprunggewaltig durch und setzte den Ball nur knapp über den Kasten der Ukrainer, die bis dahin nur schleppend in die Partie gefunden hatten. Der EM-Debütant machte seine Sache dennoch gut und leistete sich gegen optisch überlegene Ukrainer kaum Fehler.

Gareth McAuley macht das erste Tor (Foto: Reuters/M. Rossi)

Ein Tor für die Geschichtsbücher: Gareth McAuley macht das erste Tor der EM-Geschichte Nordirlands

Unterbrechung in Halbzeit zwei

Und so war es nicht mal unverdient, als die Außenseiter kurz nach dem Wiederanpfiff die Führung erzielten: McAuley traf per Kopfball nach einem Freistoß - im Strafraum sträflich allein gelassen. Die Fans auf den Tribünen trauten ihren Augen kaum, gerieten völlig aus dem Häuschen und feierten ausgelassen, fortan verbrachten sie den Rest der Partie stehend und tanzend. Den Gassenhauer "Will Grigg's on fire" in Anlehnung an den bisher noch nicht berücksichtigten Stürmer, stimmten die Nordiren gleich mehrfach an.

Auf dem Platz verlief die Partie wie so viele dieser EM: Die "Kleinen" spielten frech und selbstbewusst auf, die "Großen" mühten sich vergeblich. Der Regen steigerte sich im Laufe der zweiten Halbzeit zu einem Hagelschauer, so dass Schiedsrichter Pavel Kralovec aus Tschechien die Partie kurz unterbrechen musste. Die beste Chance des zweiten Durchgangs hatte Viktor Kovalenko in der 71. Minute mit einem wuchtigen Schuss, der Ball strich jedoch knapp rechts am Tor vorbei. Insgesamt blieb die Ukraine im Offensivspiel blass und ideenlos.

Packende Schlussphase

Fans bejubeln den Torschützen (Foto: © Reuters/M. Rossi)

Die Nordiren aus dem Häuschen

Für ein Kuriosum sorgte die minutenlange Verwirrung bei einem geplanten Wechsel der Nordiren, bei denen am Ende gar keiner ersetzt wurde - auch der vierte Offizielle machte dabei keine gute Figur. Sechs Minuten wurden daraufhin nachgespielt. Und so tickte die Zeit für die Nordiren runter. Deren Torwart Michael Mc Govern parierte noch einen strammen Schuss von Andriy Yarmolenko und rettete mit einer beherzten Faustabwehr vor dem eingewechselten Roman Zozulya. Dann gab es noch einen Angriff der Grün-Weißen, ein Befreiungsangriff, der mit einem Abstaubertor von McGinn belohnt wurde: Er vollendete zum 2:0-Endstand, und das Stadion von Lyon versank in einem grün-weißen Jubelsturm.

Nach den Niederlagen gegen die deutsche Auswahl und Nordirland ist die Ukraine damit als erstes Team bei der EM ausgeschieden. Da bei Punktgleichheit der direkte Vergleich zählt, können die Ukrainer auch bei einem Sieg gegen Polen am Dienstag in Marseille nicht mehr an den Nordiren vorbeiziehen. Polen und Deutschland sind bereits aufgrund ihrer Punktzahl außer Reichweite. Die Nordiren wiederum brauchen nach dem historischen 2:0-Erfolg im letzten Gruppenspiel ausgerechnet gegen Weltmeister Deutschland einen Punkt, um den Traum vom Achtelfinale am Leben zu erhalten.

Tod im Stadion

Überschattet wurde die Partie in Lyon durch den Tod eines nordirischen Fans. Nach Angaben der Behörden verstarb der Mann an den Folgen eines Herzinfarkts während des Spiels im Stadion. Nach noch unbestätigten Angaben handelte es sich um einen Mann Anfang 60. "Das relativiert jedes Resultat", so der Chef des nordirischen Fußballverbandes, Patrick Nelson, in einer Mitteilung.

Es ist bereits der zweite Todesfall unter den nordirischen Fans. Schon in der Nacht nach der EM-Premiere am Sonntag war ein Fan in Nizza verunglückt. Er war in der Stadt mehrere Meter in die Tiefe gestürzt.

Hier können Sie die Partie noch einmal mit allen Höhepunkten nachlesen.

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