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Filme

Nordirland-Konflikt aus deutscher Sicht

Seit seinem umstrittenen Hitler-Film "Der Untergang" ist Oliver Hirschbiegel einem breiten Publikum bekannt. Nach einer Arbeit in Hollywood ist der Regisseur auf den alten Kontinent zurückgekehrt - nach Großbritannien.

Szenenbild aus dem Film Five Minutes of Heaven (Foto: picture alliance/dpa)

Er ist ein gefragter Filmhandwerker und man schätzt ihn für seine Vielseitigkeit: Oliver Hirschbiegel kann mit Stars wie Daniel Craig oder Nicole Kidman ebenso einen Katastrophenfilm in Hollywood drehen, wie für das deutsche Fernsehen einen Monolog mit Ben Becker inszenieren. Wie ist er dazu gekommen, einen Film in Nordirland zu drehen? Es sei das gute Drehbuch gewesen, sagt Hirschbiegel, das habe plötzlich "unter der Fußmatte" gelegen. Den Autor Guy Hibbert habe er schon gekannt. Als er dann das Buch gelesen habe, wusste er direkt, dass er den Film auch machen wollte: "Ich hab die Geschichte sofort wichtig gefunden. Klar war auch, dass die keinen irischen oder schottischen Regisseur wollten."

Der Versuch einer Versöhnung

In dem Film geht es um das Wiedersehen von zwei Protagonisten des Nordirland-Konflikts nach langen Jahren: 1975 tötet der 16jährige Protestant Alistair Little den Bruder von Joe Griffin. Nun soll ihm der immer noch traumatisierte Joe Griffin 33 Jahre später vor laufenden Kameras die Hand reichen. Dabei will der Alistair Little am liebsten töten. Joe sehnt sich nach seinen "5 Minuten im Himmel" seiner Rache.

Mann auf Straße mit Telefon - Szenenbild aus Five Minutes of Heaven (Foto: http://www.neuevisionen.de/Koch Media)

Alistair (Liam Neeson) hat für seine Tat lange Jahre im Gefängnis gesessen

Der Film von Oliver Hirschbiegel hält den Spannungsbogen bis zur letzten Minute - der Zuschauer weiß nie, wie die Geschichte weitergeht. Oliver Hirschbiegel hinterfragt in "5 Minutes of Heaven" den Kreislauf der Gewalt: "Hass und Rache sind im Prinzip verständlich, aber natürlich kontraproduktiv und in keiner Form effizient, für Niemanden! Wenn es jemandem gut tut zu vergeben, mag das im Individualfall gut tun. Global glaube ich nicht daran. Ich glaube nicht daran, dass man vergeben kann. Aber ich glaube, dass man mit einem Gedanken, der dem Prinzip Aussöhnung folgt, eine Zukunft haben kann."

Prinzip Hoffnung

Die Narben in der nordirischen Gesellschaft seien präsent, sagt Oliver Hirschbiegel. Nicht nur auf der Seite der Opfer. Diese zu zeigen, darum sei es ihm auch gegangen in dem Film. Der sei nun weder pro-katholisch noch pro-protestantisch. Der Kern der Geschichte und des Buches sei gewesen, die beiden Seiten nicht wertend zu zeigen. Das Prinzip Hoffnung - nach vorne schauen, nicht in die Vergangenheit schauen - das sei die Idee dahinter gewesen. Dafür habe man einen neutralen Schiedsrichter, einen neutralen Beobachter gebraucht: "Wir Deutschen haben ja unser Packet zu tragen. Aber sobald es um Konflikte außerhalb unseres Landes geht, haben wir schon ganz gute Kenntnisse der Materie."

Brennende Autos, davor vier Männer - Szenenbild aus Five Minutes of Heaven (Koch Media)

Ein alltägliches Bild im Nordirland-Konflikt: Brennende Autos

Als Filmemacher überall zu Hause

Vor allem durch den großen internationalen Erfolg mit "Der Untergang" wurde man auch in Hollywood auf Oliver Hirschbiegel aufmerksam. Der fühlt sich übrigens überall auf der Welt als Filmemacher wohl: "Ich werde immer ein Deutscher sein. Ich habe - glaube ich - auch eine deutsche Erzählweise. Aber: Ich habe mich immer als Europäer, wenn nicht als Weltbürger, gesehen. Das meine ich nicht als gemütliche Ausflucht, als dass dieses ' Weltbürgersein' so oft benutzt wird, sondern weil ich das so empfinde. Das ist eigentlich immer mein Ideal gewesen. Ich habe das nur nicht gewusst."

Autor: Jörg Taszman

Redaktion: Jochen Kürten

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