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Kultur

Norbert Werbs: Hoffe auf Barmherzigkeit

Einst verlangte er vom Vatikan Kirchenreformen. 1991 war das. Was erwartet der Schweriner Weihbischof Norbert Werbs von der am Sonntag in Rom beginnenden Außerordentlichen Bischofssynode zu Ehe und Familie?

Er sprach Klartext. Bei einer Europäischen Bischofssynode im Vatikan brach Norbert Werbs, damals katholischer Weihbischof in Schwerin, mit den Gepflogenheiten. In Gegenwart des Papstes mahnte er sehr direkt Reformen an. Eines seiner Themen: ein anderer Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen. Das sorgte damals international für Aufsehen. Der 74-jährige Werbs, immer noch der Typ eines sympathischen frommen Gemeindepfarrers, erinnert sich :

DW: Bischof Werbs, wie kam es, dass Sie schon 1991 so offen ein Thema angesprochen haben, das jetzt wieder zur Debatte steht: der strenge kirchliche Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen?

Norbert Werbs: Die damalige Bischofssynode zu Europa fand ja bald nach der Wende statt. Der Eiserne Vorhang war gefallen. Und die Frage, die uns bewegte, war: Welche Herausforderung kommt auf die Kirche zu? Auch Papst Johannes Paul II. bewegte diese Frage sehr. Ich sagte mir: Wir müssen nicht nur darüber nachdenken, was wir den Menschen in Europa sagen wollen, sondern auch darüber, wie wir auf die Menschen wirken. Dazu zählte für mich auch der Umgang mit Eheleuten, die nach einer Zivilscheidung erneut eine Ehe eingehen. Die Kirche darf da nicht unbarmherzig erscheinen.

23 Jahre später nimmt der Papst, nun Franziskus, dieses Thema in den Blick.

Werbs: Ich freue mich, dass das Thema jetzt wieder auf der Tagesordnung ist. Klar ist doch, dass man das Thema Neuevangelisierung nur bewältigen kann, wenn man auf die Menschen auch zugeht. Damals wie heute.

Welche Reaktionen haben Sie damals erfahren?

Werbs: Gleich in der Synode haben mich einige Beteiligte beglückwünscht. Danach gab es einiges Aufsehen in der Presse, auch in der italienischen Presse und in einigen anderen Ländern. Das war es dann aber auch.

Gab es keinen Rüffel aus Rom? Sie sind heute wie damals Weihbischof, wurden nie zum residierenden Ortsbischof befördert.

Werbs: Nein, ich hatte keine Nachteile. Ich bin sehr gerne und bereits seit 1981, also schon seit tiefen DDR-Zeiten, Weihbischof hier in Schwerin. Da habe ich nie angestrebt, als Bischof direkt an der Spitze einer Diözese zu stehen. Ich glaube wirklich nicht, dass mir mein Auftritt in der Synode 1991 Schwierigkeiten gebracht hat.

Welche Rückmeldungen bekamen Sie nach Ihrer Rückkehr nach Schwerin?

An der Basis war schon ein positives Echo zu spüren. Die Menschen hat das bewegt. Es waren ihre Sorgen und Nöte.

Einige Jahre nach Ihnen versuchten drei prominente westdeutsche Bischöfe – Karl Lehmann, Walter Kasper, Oskar Saier – in die Debatte um wiederverheiratete Geschiedene Bewegung zu bringen. Rom bügelte das dann ab...

Was ist denn heute die Realität? Die Zahl der Katholiken, die nach kirchlichem Verständnis in einer rechtlich ungültigen Beziehung leben, hat enorm zugenommen. Sie bleiben außen vor. Das ist ein gravierendes Problem. Auf der anderen Seite steht das Wort Jesu von der Unauflöslichkeit der Ehe. Deshalb habe ich 1991 auch nur Fragen gestellt und keine konkrete Lösung vorgeschlagen. Aber wenn wir uns der Lebenswirklichkeit der Menschen zumindest hier in Europa stellen wollen, dürfen wir uns um diese Frage nicht drücken. Deshalb freue ich mich, dass es dazu nun eine offene kontroverse Debatte gibt. Offener als 1991.

Was erwarten Sie von Rom?

Ich hoffe, dass es zu einer vertretbaren und akzeptablen Lösung kommt. Es braucht eine Lösung, in der auch die Barmherzigkeit zum Tragen kommt. Der Weg der orthodoxen Kirche scheint mir letztlich auch problematisch, weil sie faktisch mit einer Scheidung gleichgesetzt wird. Nein, ich hoffe, dass es bei den Beratungen in Rom jetzt und im kommenden Jahr gelingt, einen Weg zu finden, der die Mahnung Jesu im Blick hat und doch Barmherzigkeit für die Betroffenen ermöglicht.

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Norbert Werbs, Jahrgang 1940, ist Weihbischof in Schwerin im Erzbistum Hamburg