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Asien

"Non" zu mehr Soldaten für Afghanistan

Frankreich wird seine Truppen am Hindukusch nicht aufstocken. Präsident Nicolas Sarkozy erteilte entsprechenden Forderungen seitens anderer NATO-Partner wie Großbritannien eine klare Absage.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (Foto: AP)

"Nein" zur Truppenaufstockung in Afghanistan - Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy

"Frankreich wird keinen einzigen zusätzlichen Soldaten schicken, sagte Präsident Nicolas Sarkozy am Freitag (16.10.2009) in einem Interview mit der Zeitung "Le Figaro". Vielmehr sei es notwendig, so Sarkozy weiter, dass mehr afghanische Soldaten den Krieg gegen den Terror aufnähmen. Sie seien für einen Sieg in diesem Krieg am wirkungsvollsten, weil es sich schließlich um ihr eigenes Land handele. Allerdings forderte Sarkozy auch, dass die afghanischen Soldaten besser bezahlt würden, anderenfalls drohe ihre Abwanderung zu den Taliban-Kämpfern.

Kein vorzeitiger Abzug

Sarkozy machte in dem Interview aber auch klar, dass die bisher in Afghanistan stationierten französischen Soldaten dort verbleiben würden. Ein vorzeitiger Abzug komme nicht infrage, denn es gelte zu gewinnen - nicht gegen Afghanistan, sondern für Afghanistan. Und dieses Engagement sei auch wichtig über das Land hinaus, denn wie man an den jüngsten Terroranschlägen der Taliban und anderer islamistischer Aufständischer im benachbarten Pakistan sehe, müsse von Afghanistan aus die ganze Region befriedet werden. Wörtlich warnte Sarkozy: "Wenn wir uns zurückziehen, wird die Atommacht Pakistan bedroht sein."

Afghanische Sicherheitskräfte (Foto: AP)

Die afghanischen Truppen sind bisher schlecht ausgerüstet und schlecht bezahlt

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Paris sind derzeit rund 2900 französische Soldaten in Afghanistan stationiert. Seit dem Beginn des Einsatzes im Jahr 2001 kamen 36 Franzosen am Hindukusch ums Leben.

Briten stocken auf

Anders als die Franzosen will die britische Regierung ihr Kontingent aufstocken. Am Mittwoch (14.10.2009) hatte Premierminister Gordon Brown vor dem Unterhaus in London erklärt, er werde 500 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan schicken - und die Stärke der britischen Truppen damit auf insgesamt rund 9500 Soldaten erhöhen.

Gordon Brown besucht die britischen Soldaten (Foto: AP)

Premierminister Gordon Brown besucht die britischen Soldaten in Afghanistan

Allerdings wandte sich Brown mit dieser Aufstockung gegen den Willen der Bevölkerung. Ein deutliche Mehrheit der Briten spricht sich mittlerweile in verschiedenen Umfragen zu dem Thema eindeutig gegen weitere Soldaten für Afghanistan und einen Truppenabzug aus. Die NATO begrüßte dagegen die Ankündigung Browns. Ein Sprecher des Bündnisses sagte in Brüssel, auch alle anderen Mitgliedsländer der NATO müssten nun prüfen, wie sie ihren Beitrag zum Truppenkontingent steigern könnten. Auch die US-Regierung zeigte sich zufrieden mit der britischen Aufstockung und erklärten, man sei den Briten dankbar.

Obama unter Druck

Besonders schwer hat es im Moment US-Präsident Barack Obama mit diesem Thema, denn er sitzt zwischen allen Stühlen. Sein kommandierender General in Afghanistan, Stanley McChrystal, fordert schon lange viel mehr Soldaten, Obama hat daraufhin auch die Verbündeten deutlich zur Aufstockung aufgefordert und er selbst kündigte auch schon mal an, er werde die US-Truppen verstärken.

Barack Obama und Stanley McChrystal (Foto: AP)

US-Präsident Obama und General McChrystal beraten über die Truppenaufstockung

Dagegen laufen allerdings seine eigenen Parteifreunde Sturm: Die Fraktionsführung der Demokraten signalisierte Widerstand gegen eine weitere Aufstockung. Das erklärte der Fraktionschef Steny Hoyer in Washington. Zum jetzigen Zeitpunkt würde er einer Aufstockung über das bereits beschlossene Maß hinaus nicht zustimmen. Hoyer begründete seine Bedenken vor allem mit Zweifeln an der afghanischen Regierung. Er sei sich nicht sicher, ob das eine lebensfähige Regierung sei, die Vertrauen beim eigenen Volk schaffen könne, sagte er im Repräsentantenhaus.

Obama trifft derweil ständig mit der Militärführung und Sicherheitsberatern zusammen, um über die künftige Strategie zu beraten. Und die Militärführung drängt auf die Entsendung weiterer Kampftruppen. Insgesamt stehen in der Internationalen Afghanistan-Truppe ISAF rund 67.000 Soldaten unter dem Kommando der NATO. Die größten Truppensteller sind die USA, Großbritannien und Deutschand. (bu/afp/rtr/dpa)

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