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Kultur

Nomen est Omen

Mode kommt und geht. Was heute "in" ist, kann morgen schon wieder "out" sein. Vornamen geht es da nicht anders. Auch da lassen sich Trends erkennen. Aber wie nennt Deutschland im Moment seine Kinder?

Vier Babies liegen in Strampelanzügen auf dem Wickeltisch (Foto: picture alliance)

Nele, Karl Frieder, Leonie und Leonie Sophie

Einen Vornamen wird man so schnell nicht wieder los. Haben sich die Eltern entschieden, begleitet er einen durch das ganze Leben. Eine Art Zwangsehe: denn das Neugeborene steckt noch im Bauch und hat kein Wörtchen mitzureden.

Angelika Grabe vom Standesamt in Köln erkennt klare Trends: "Im Moment sind hier in Köln die traditionellen Namen in. Zum Beispiel Maria, Anna, Sophie für ein Mädchen. Für einen Jungen nimmt man im Moment gerne Maximilian, Leon, Paul, David und Lukas." In den 80ern wehte ein anderer Wind. Da orientierten sich die Namen auch mal an amerikanischen Serien. Aus dieser Zeit gibt es in Deutschland noch jede Menge Kevins und Marcels.

Mein Kind ist einzigartig!

Schiffe im Hafen (Foto: AP)

Kaum zu glauben: Das Meer vor Los Angeles als Vorname

Traditionell ist also voll im Trend. Erzieher Sascha Nickel von der Kindertagesstätte Matthäuskirche in Köln ist da anderer Meinung. Er stellt fest, dass Kinder in letzter Zeit immer individueller benannt werden: "Wir haben im neuen Jahrgang eine Mar de Los Angeles und einen Sky. Die Eltern wollen etwas ganz spezielles für ihr Kind finden." Individualisierung - auch ein Zeichen der Zeit. Viele versuchen einzigartig zu sein – auch was den Namen des Kindes angeht. Das findet auch Erzieherin Sandra Ostertag: "Ich will etwas eigenes für mein Kind!"

Aber wie verträgt sich das mit der Rückbesinnung auf traditionelle Namen? Ganz einfach: Es gibt keine so genannten "Standardnamen" mehr. Aus dem Jahrgang 1987 heißen fast fünf Prozent aller Mädchen Julia. Heute gibt es solche Chart-Stürmer nicht mehr. Die beliebtesten Vornamen liegen heute nur noch bei etwa einem bis zwei Prozent.

Diego als Vorbild

Diego beim Training (Foto: picture alliance)

Diego als Namensspender

Junge Eltern haben klare Vorstellungen, wie ihr Kind zu heißen hat. Sabrina Türkheim aus Frankfurt hat das schon mit ihrem Freund abgesprochen: "Emma Mia Viktoria soll sie heißen. Und wenn es ein Junge wird Konstantin Maria. Ich möchte die Tradition von meinem Vater fortführen. Da heißen alle Jungen mit zweitem Namen Maria." Der Bonner Timo Schneider hat aber ein eher kurioses Vorbild. Sein Kind soll nach dem Ex-Spieler von Werder Bremen Diego benannt werden.

Nicht alles ist möglich

Eltern können ihrem Kind aber nicht jeden beliebigen Namen geben. Das Standesamt kann die Idee der Eltern auch verweigern. Beim Standesamt in Köln wurde in den letzten drei Jahren nur ein Name abgelehnt, wie Angelika Grabe zu berichten weiß: "Die Eltern wollten ihr Kind Osama Bin Laden nennen. Da sind wir eingeschritten – zu Recht wie ich finde." Der Grund dafür ist einleuchtend: wenn das Kind durch seinen Namen einen Nachteil haben wird, kann dieser nicht eingetragen werden. Grundsätzlich sind die Eltern aber in der Auswahl des Vornamens frei.

Autor: Tim Wessling

Redaktion: Conny Paul