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Wirtschaft

"Noch völlig schockiert"

Erstmals in der Geschichte des Wirtschafts-Nobelpreises erhält eine Frau die begehrte Auszeichnung. Die US-Amerikanerin Elinor Ostrom teilt sich den Preis mit ihrem Landsmann Oliver Williamson.

Elinor Ostrom (Foto: AP)

Engagierte Wissenschaftlerin: Elinor Ostrom

Das Nobelpreis-Komitee gab seine Entscheidung für Ostrom und Williamson am Montag (12.10.2009) in der schwedischen Hauptstadt Stockholm bekannt.

Ostrom zählt zu den weltweit führenden Umwelt-Ökonominnen. Die 1933 geborene Wissenschaftlerin habe gezeigt, "wie gemeinschaftliches Eigentum von der Allgemeinheit erfolgreich verwaltet werden kann", begründete das Komitee die Preisvergabe. Williamson wurde für seinen Ansatz gewürdigt, die Funktionsweisen von Märkten und hierarchischen Firmenstrukturen auf ihre Fähigkeiten zur Konfliktlösung hin zu untersuchen.

Beide Forscher hätten gezeigt, dass wirtschaftswissenschaftliche Analysen auch "die meisten Formen sozialer Organisation" beleuchten könnten, hieß es aus Stockholm. Ostrom forscht an der Indiana University in Bloomington, Williamson an der University of California in Berkeley.

Elinor Ostrom und Oliver Williamson (Foto: AP)

Ausgezeichnet! Porträts der Wissenschaftler bei der Bekanntgabe der Preisträger in Stockholm

Alleine unter Männern

Ostrom ist die erste Frau überhaupt, die den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhält. Seit der ersten Vergabe im Jahr 1969 waren ausschließlich Männer ausgezeichnet worden - insgesamt mehr als 60. In einer ersten Reaktion erklärte Ostrom, sie sei "noch völlig schockiert" über die Zuerkennung des Nobelpreises.

Reinhard Selten (Archivfoto: Uni Bonn)

Der deutsche Preisträger: Reinhard Selten

Die meisten Preisträger stammen aus den Vereinigten Staaten. Nach Deutschland ging der Wirtschafts-Nobelpreis bisher erst ein einziges Mal, und zwar 1994 an den Bonner Spieltheoretiker Reinhard Selten.

Kein klassischer Nobelpreis

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ist kein "waschechter" Nobelpreis. Dynamit-Erfinder Alfred Nobel hatte in seinem Testament 1896 nur die Preise für Physik, Chemie, Medizin, Literatur und für besonderes Friedensengagement gestiftet. Die Wirtschaftswissenschaften waren dem Chemiker und Industriellen Nobel hingegen Zeit seines Lebens suspekt - und sie schienen ihm wohl nicht preiswürdig.

Aufgewertet wurde die Ökonomen-Zunft erst Ende der 1960er Jahre. Damals rief die Schwedische Reichsbank anlässlich ihres 300-jährigen Bestehens den Wirtschaftspreis ins Leben. Als Jury fungiert die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften. Der Preis ist wie die anderen Nobelpreise mit zehn Millionen schwedischen Kronen - das entspricht knapp einer Million Euro - dotiert. Die Preisübergabe findet traditionell am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, statt.

Autor: Christian Walz (dpa, afp, rtr, ap)
Redaktion: Martin Schrader