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Sprachbar

Noch und nöcher

In der deutschen Sprache wird die kleine Partikel "noch" ganz oft gebraucht: in salopper Form in der Umgangssprache, als Steigerungsform, als temporale Angabe. Und vermehrt inzwischen auch als Höflichkeitsfloskel.

Überall "nocht" es: Beim Einkauf werden wir mit einem "Schönen Tag noch" nach dem Bezahlen von der Kassiererin verabschiedet. Im Zug tönt es aus dem Lautsprecher kurz vor dem Halt an wichtigen Knotenpunkten: "Sie erreichen noch den Regionalexpress nach …". Und zum Schluss kommt dann: "…und wünschen Ihnen noch einen schönen Tag.“ Nun, wir werden sehen, was der Tag noch so bringt.

Umzingelt

Und plötzlich stehen sie alle vor uns. Die unzähligen "Nochs": Die "Schönen-Tag-Nochs", die "Schönen-Abend-Nochs", die "Noch-etwas-Nochs" an der Käsetheke im Supermarkt oder beim Metzger. In der Bahn fragt der Schaffner "Ist hier noch jemand zugestiegen?". Ein Fahrgast muss noch einen Zuschlag zahlen, während die Ansage läuft, man verweise noch auf den gastronomischen Service im Bord-Bistro.

Wir sind umzingelt von "Nochs". Wenn man alle "Nochs" an einem Tag addieren würde, käme ganz hübsch was zusammen. Es gibt aber auch das "noch und nöcher".

Nöcher?

"Nöcher"? Nach den Regeln der Grammatik gibt es das gar nicht. Denn "noch" ist ein unbeugsames oder nicht flektives Wort, das heißt, es kann keine andere Form annehmen, also auch nicht gesteigert werden. "Noch" ist eine temporale Partikel und darüber hinaus noch einiges mehr.

"Noch und nöcher" ist ein salopper Ausdruck der Umgangssprache für sehr viel oder viele.

Ein Beispiel: "Der Kerl hat noch und nöcher Kohle", was soviel heißt wie "Der Kerl hat sehr viel Geld". Interessanterweise wird "nöcher" ohne weiteres als Steigerungsform – hier als Komparativ – verstanden. Das liegt daran, dass "o" zu "ö" umgelautet und um die Silbe

-er am Wortende ergänzt wird. So wie bei der grammatisch korrekten Form "höher" als Steigerung von "hoch".

"Noch" als Steigerung

In gewisser Weise trägt "noch" dennoch durchaus dazu bei, etwas zu steigern. Ein Beispiel: "Es kamen immer noch mehr Leute, obwohl es noch genauso heiß war wie am Tage zuvor."

Das zweite "noch" in diesem Satz hat allerdings eine andere Funktion als das erste. Nämlich: Als temporale Partikel informiert es darüber, dass etwas in der Vergangenheit begonnen hat und immer noch andauert.

Das wahrscheinliche "Noch"

Und es geht noch weiter: Als Teil der Verneinungsform "noch nicht" bezeichnet unser Wörtchen etwas, das noch nicht eingetreten ist, aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreten wird. Ein Beispiel: "Sie ist noch nicht da, obwohl sie versprochen hatte, pünktlich zu sein." Ließe man das "noch" weg, würde der ganze Satz in eine Schieflage geraten.

Und noch weiter: "Noch heute Abend sprechen wir und dann sehen wir weiter". Dieses Mal drückt es so etwas aus wie "so bald wie möglich", denn augenblicklich können wir nicht mit ihm oder ihr sprechen.

"Noch"-Schwindel

Himmelherrgott noch mal! So viele "Nochs" und "nöchers". Da wird einem ja ganz schwindlig. So schwindlig, dass man nur noch Sterne sieht. Das waren noch Zeiten, ohne die ganzen "Schönen-Tag-Schönen-Abend-Nochs"!

Fragen zum Text

Noch ist …

1. ein flektives Wort.

2. ein temporales Adverb.

3. eine temporale Partikel.

Noch und nöcher bedeutet in der Umgangssprache, dass …

1. von etwas sehr viel vorhanden ist.

2. jemand Dialekt spricht.

3. ganz wenig getan wird.

Der Satz Wir sitzen noch beim Essen drückt aus, dass …

1. wir in Essen auf den Zug warten.

2. wir gerade angefangen haben zu essen.

3. unsere Mahlzeit nicht beendet ist.

Arbeitsauftrag

Bilden Sie einige Sätze, in denen "noch" in seinen verschiedenen Funktionen – zum Beispiel als temporale Partikel – vorkommt. Besprechen Sie die Ergebnisse in der Gruppe.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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