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Fokus Osteuropa

Noch kein Schlussstrich unter Nationalismus, Misswirtschaft und Korruption in Serbien

Obwohl es in Serbien in vielen Bereichen nur langsam vorangeht, ist das Ende der Milosevic-Ära eine wichtige Zäsur für das Land und die ganze Region, meint Andrej Smodis in seinem Kommentar.

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Am 5. Oktober 2000 strömten Hunderttausende aus ganz Serbien nach Belgrad. Mit ihren Protesten zwangen sie Slobodan Milosevic, die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen vom September anzuerkennen. Der Auftritt des Wahlsiegers Vojislav Kostunica im staatlichen Fernsehen am Abend markiert das politische Ende des Alleinherrschers Milosevic. Ein wichtiges Datum für die Demokratie, für alle Demokraten. Denn der 5. Oktober 2000 ist ein weiterer Beweis, dass sich Menschen mit demokratischen Mitteln gegen Unterdrückung wehren können - und zwar erfolgreich.

Tag der Erleichterung

Ein Tag der Erleichterung auch für die Völker Südosteuropas, bei denen der Name Milosevic untrennbar verbunden ist mit den Kriegen der 1990er Jahre. Der Abtritt des Kriegstreibers ermöglichte denn auch in der Folge dessen Auslieferung an das Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag.

Ein Grund zu feiern vor allem aber für alle Demokraten in Serbien. Nach mehreren vergeblichen Anläufen in den Jahren zuvor war die Wut über den allgegenwärtigen Staatsapparat endlich groß genug. Nicht nur, dass im ganzen Land die Menschen auf die Straße gingen, auch Bereiche des Sicherheitsapparats, viele Polizisten, Teile der Armee solidarisierten sich mit der Zivilgesellschaft und ließen den Sturz ihres Führers geschehen.

Vor fünf Jahren wurde also ein Schlussstrich gezogen unter die Zeit der Kriegsgräuel, die am Ende auch Serbien selbst erreicht hatten in Gestalt der NATO-Angriffe wegen der Kosovo-Tragödie.

Es bleibt viel zu tun

Kein Schlussstrich wurde jedoch gezogen unter Nationalismus, Misswirtschaft und Korruption in Serbien selbst. Es ist zwar besser geworden seit dem Jahr 2000 im Land. Aber trotz aller demokratischen Wahlen in der Zwischenzeit, trotz der Polizeiaktion "Säbel" nach dem Mord am Premierminister und demokratischen Visionär Zoran Djindjic, und trotz der großen Probleme in der Bevölkerung - es bleibt viel zu tun. Es geht wirtschaftlich noch nicht so richtig aufwärts, und in der Politik ist man weit entfernt von stabilen Verhältnissen.

Trotzdem ein Grund zum Feiern

Soll man deshalb enttäuscht abwinken in Europa, weil Serbien noch nicht ganz der Partner geworden ist, den man sich wünscht? Sollen die Menschen in Serbien jammern, weil in den fünf Jahren nicht noch mehr erreicht wurde? Nein, ganz im Gegenteil. Seit Montag (3.10.) ist es amtlich: Die Europäische Union nimmt nun offizielle Gespräche mit Belgrad auf - ohne den 5. Oktober 2000 wäre das nicht denkbar. Und in Serbien sollte man stolz sein auf diesen Tag. 18 demokratische Parteien und das ursprünglich studentische Netzwerk OTPOR haben damals das Volk dazu gebracht, die Milosevic-Diktatur zu beenden. Das ist ein wichtiges Datum für die Demokratie - und ein Grund zum Feiern!

Andrej Smodis, Bonn,
DW-RADIO/Serbisch, 5.10.2005, Fokus Ost-Südost