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Globale Zusammenarbeit

Noch immer eine hässliche Fratze - Armut in Uganda

Vor zehn Jahren hat die ugandische Regierung zugesichert, im Rahmen der UN-Millenniumsziele extreme Armut und Hunger zu bekämpfen. Fünf Jahre vor Ende der Frist droht das Ziel in weite Ferne zu rücken.

Armut in Uganda gehört noch immer zum Alltag (Foto: picture alliance / dpa)

Armut gehört in Uganda noch immer zum Alltag

Mit verschwitzten Gesichtern stehen die Frauen auf dem felsigen Kireka-Hügel in einem Armenviertel am Rande Kampalas. Hier schuften sie täglich und verdienen ihren Lebensunterhalt im Steinbruch. Die Frauen sorgen dafür, dass die blühende Bauindustrie genug Material hat. Staub und Schutt liegen in der Luft, wenn sie das Gestein mit einem Hammer oder bloßen Händen zerbrechen. Gegen die Sonne schützen sich alle mit einem staubigen Kopfschutz. Es könnte ihr Markenzeichen sein. "Solange Du uns kein Geld gibst, wollen wir nicht mit Dir reden", sagt eine von ihnen. Zeit ist Geld, meinen die Arbeiterinnen. Also gebe ich ihnen zehn Dollar, und sie reden sich ihren Frust von der Seele.

Kampf ums Überleben

Caroline Nambooze mit ihrer Tochter Natalie (Foto: DW)

Caroline Nambooze mit ihrer Tochter Natalie

Unter Tränen erzählt die 18-jährige Caroline Nambooze von dem Verlust ihrer ersten zwei Kinder. Ein und zwei Jahre waren sie jung. Beide waren Opfer der Malaria, einer der tödlichsten Krankheiten in Uganda. "Ich besorge mir ein Stück Felsen, das ich in kleine Stücke breche. Sie werden für Bodenbeläge genutzt. Das hilft mir, Geld für Unterhalt, Lebensmittel und die Schulgebühren für mein einziges noch lebendes Kind zu verdienen", berichtet Caroline Nambooze. Um eine 20 Kilogramm schwere Steinladung zu verkaufen, arbeitet die junge Mutter mindestens einen Monat.

Ihr Lohn: umgerechnet 70 US-Dollar. Doch das Geld ist schnell wieder weg: 25 Dollar braucht sie, um einen neuen massiven Stein zum Zerkleinern zu kaufen. Für 15 Dollar mietet sie eine Hütte in der Nähe des Steinbruchs. Dazu kommen noch 25 Dollar für die Schulbildung ihrer Tochter. Schließlich bleiben ihr nur fünf Dollar von ihren Einnahmen, um zu überleben. Nambooze ist nur ein Beispiel für Millionen von Frauen, die faktisch mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen. All diese Fälle lassen befürchten, dass Uganda die UN-Millennium-Entwicklungsziele nicht erreichen wird.

Initiativen der Regierung

Präsident Yoweri Museveni (Foto: AP)

Präsident Yoweri Museveni

Um den landwirtschaftlichen Sektor anzukurbeln, gründete die Regierung von Präsident Yoweri Museveni das Nationale Landwirtschaftliche Beratungsprogramm NAADS. Es soll armen Bauern ermöglichen, neue Zuchttiere und verbessertes Saatgut zu erwerben, um in ihren Betrieb zu investieren. Die Grundidee besteht darin, das Haushaltseinkommen zu verbessern, die Nahrungssicherheit zu erhöhen und die Agrarindustrie zu fördern. Eigentlich eine gute Idee. Doch die Bäuerin Jane Rose Kasukari aus Fort Portal, einer Stadt im Westen Ugandas kann darüber nur lachen. "Ich bin gar nicht erst zur NAADS gegangen, weil ich zu wenig Geld hatte, um mich registrieren zu lassen", sagt die 58-jährige Witwe und Mutter von acht Kindern. "Ich hätte erst zahlen sollen, um dann später von dem Programm pofitieren zu können."

Vor vier Jahren startete ein anderes Projekt mit dem ehrgeizigen Titel "Wohlstand für Alle", diesmal vom Ministerium für Mikrofinanzierung. Darin verpflichtete sich Uganda, die Lebensqualität seiner Einwohner zu verbessern. Das soll durch günstige Kredite geschehen, die über kleinere Kreditgenossenschaften an die Bevölkerung verteilt werden sollen. "Der Zwischenbericht der UN-Millennium-Entwicklungsziele zeigt ein gemischtes Bild über den Stand der Programme in Uganda", sagt Deo Nyanzi. Der 40-Jährige ist Programmleiter vom "Uganda National NGO Forum", einem Zusammenschluss verschiedener Nichtregierungsorganisationen. "Die Bestechungen auf hoher Ebene lassen Präsident Yoweri Museveni beim Regieren scheitern", klagt Nyanzi.

Der politische Wille schwindet

"Ich denke nicht, dass die Regierung genug tut, um die Armut zu bekämpfen", meint dagegen Jill Kyatuhaire Kesha, Programmleiterin der Westminster-Stiftung für Demokratie. "Die Regierung leitet nicht genug Ressourcen in die kritischen Bereiche, weil sie falsche Prioritäten setzt."

Eine Patientin liegt eingehüllt in eine Decke bis über den Kopf (Foto: picture alliance / dpa)

Das sehen auch viele Ugander so. "Mein Leben hat sich in keiner Weise verbessert. Ich rackere mich immer noch ab, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. So wie ich es schon aus meiner Kindheit kenne ", sagt die 26-jährige Kellnerin Rose Nandutu. "Die Regierungsbeamten benutzen diese Programme, um öffentliche Gelder zu veruntreuen", vermutet Derrick Twinomugisha, Werbeagent des Unternehmens Ogilvy. "Ich habe jedenfalls von nichts profitiert."

Fünf Jahre sind es noch bis zum Stichtag der UN-Millenniumkampagne. Kaum einer in Uganda glaubt ernsthaft daran, dass bis dahin die Zahl der Armen und Hungernden halbiert werden kann.

Autorin: Leylah Ndinda
Redaktion: Stefanie Duckstein