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Bücher

Noch ein Prozess um "Da Vinci Code"

US-Autor Dan Brown wird von zwei Kollegen wegen Ideen-Klau verklagt. Es geht dabei auch um Grundsatzfragen des Urheberrechts.

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Zwei Sachbuchautoren klagen wegen Verletzung des Urheberrechts

Christus und Maria Magdalena waren verheiratet, sie zeugten Kinder und der heilige Gral ist Maria Magdalena selbst. Das sind die provozierenden Thesen, auf denen Dan Browns Buch "Da Vinci Code", in Deutschland als "Sakrileg" erschienen, aufbaut. In dem Sachbuch "The Holy Blood and the Holy Grail" ist ebenfalls von einer möglichen Ehe zwischen Christus und Maria Magdalena und der Existenz von Nachkommen die Rede - es erschien jedoch schon 1982.

Dan Brown The Da Vinci Code - Sakrileg

Dan Brown sagt, die verwendeten Informationen seien lange öffentlich bekannt gewesen.

"Ein ganz wunderbares Thema für einen Roman", schrieb der britische Autor Anthony Burgess damals in einer Rezension. Dan Brown hat einen Roman über dieses Thema geschrieben – und was für einen: Weltweit hat sich "Da Vinci Code" mehr als 36 Millionen Mal verkauft, Brown ist mittlerweile der bestbezahlte Autor der Welt. Die Verfilmung mit Tom Hanks und Audrey Tatou soll im Mai 2006 in die Kinos kommen.

Allgemein, aber nicht schützbar

Die Autoren von "The Holy Blood and the Holy Grail" könnten das noch verhindern. Denn zwei von ihnen, Michael Baigent und Richard Leigh, haben beim Obersten Gerichtshof in London Klage wegen Verletzung des Urheberrechts eingereicht. Der dritte Autor, Henry Lincoln, beteiligt sich aus gesundheitlichen Gründen nicht an dem Rechtsstreit, der im Februar 2006 beginnen soll. Neid auf den Erfolg von Dan Brown spiele dabei keine Rolle, betont der 62 Jahre alte Richard Leigh. "Ich hege keinen besonderen Groll gegen ihn. Ich finde nur, dass er einen ziemlich schlechten Roman geschrieben hat", sagte er dem "London Telegraph".

Buchcover: Dan Brown - Sakrileg

Das Sakrileg verkaufte sich bisher 63 Millionen Mal.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Dan Brown vor Gericht gegen Plagiatsvorwürfe wehren muss. Erst im August 2005 hatte Brown einen Prozess gegen den Autor Lewis Perdue gewonnen. Dieser hatte behauptet, der "Da Vinci Code" verletze seine Rechte. Browns Roman habe große Ähnlichkeit mit seinen eigenen Romanen, "Daughter of God" und "The Da Vinci Legacy". Ein New Yorker Bezirksgericht entschied, dass die in der Tat vorhandenen ähnlichen Elemente "allgemeiner", aber "nicht schützbarer Natur" seien.

Viele Plagiat-Prozesse in USA

"Gewisse Ähnlichkeiten sind gar nicht vermeidbar", sagt der Urheberrechts-Experte Haimo Schack, Direktor des Instituts für Europäisches und Internationales Privat- und Verfahrensrecht. Kein Urheber schöpfe völlig aus dem Leeren. In den Vereinigten Staaten werden häufiger als in anderen Ländern Prozesse wegen Urheberrechtsverletzungen geführt. "Das amerikanische Prozessrecht ermöglicht Trittbrettfahrern den Versuch, sich an erfolgreiche Autoren zu hängen, ohne dabei ein großes finanzielles Risiko einzugehen", sagt Urheberrechts-Experte Schack.

Louvre bei Nacht

Im Louvre beginnt und endet Dan Browns Jagd nach dem heiligen Gral.

Dass der neue "Da Vinci Code"-Prozess in Großbritannien verhandelt wird, wo es nicht so einfach sei, einen Fall vor Gericht zu bringen, gibt ihm laut Haimo Schack zunächst einmal "eine größere Relevanz". Und falls die klagenden Sachbuch-Autoren tatsächlich gewinnen sollten, sei das eine kleine Revolution des Urheberrechts. Die Erfolgssaussichten der Kläger schätzt Schack allerdings als gering ein. Denn das Urheberrecht erlaubt die freie Benutzung eines Werkes: "kleine Anregungen sind legal". In einem Prozess müsse mit einer Text- und Stilanalyse bewiesen werden, dass der Plot und die Charaktere weitgehend übernommen seien. "So etwas ist ganz schwer nachzuweisen", sagt Haimo Schack. "Vor allem da die Diskussion um Maria Magdalena, Jesus und den Heiligen Gral schon 2000 Jahre alt ist."

Sollten die beiden Autoren dennoch Recht bekommen, wäre das folgenreich - nicht nur für die finanziellen Einnahmen von Dan Brown. Schließlich wird in dem Prozess so etwas wie Gewohnheitsrecht hinterfragt.

"Neues Genre"

Dan Brown selbst geht offensiv mit der Tatsache um, dass er Informationen aus "Geschichtsbüchern, die ganz hinten in den Buchläden stehen, kombiniert und "in ein völlig neues Genre" gebracht hat - so zitiert ihn der "London Telegraph". Dass "The Holy Blood and the Holy Grail" wohl die wichtigste Quelle des Starautors war, beweist der Name des Schurken im "Da Vinci Code": Leigh Teabing ist ein Anagramm, eine Neu-Zusammensetzung der Buchstaben aus den Namen der Sachbuch-Verfasser und Kläger Leigh und Baigent.

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