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Politik & Gesellschaft

Noch ein Neonazi-Verdächtiger festgenommen

Im Zusammenhang mit der Mordserie der Zwickauer Terrorzelle ist ein weiterer Verdächtiger in Jena festgenommen worden. Dem 36-Jährigen wird Beihilfe zum Mord in sechs Fällen sowie zu einem Mordversuch vorgeworfen.

Springerstiefel (Foto:dpa)

Wie viele Helfer hatte das Zwickauer Terror-Trio?

Bei ihren Ermittlungen zu der Neonazi-Mordserie hat die Bundesstaatsanwaltschaft am Dienstag (29.11.2011) durch Beamte des Landeskriminalamts Thüringen einen weiteren Verdächtigen in Jena festnehmen lassen. Die Vorwürfe wiegen schwer: Der 36-jährige Verdächtige solle in sechs Mordfällen und bei einem versuchten Mord Beihilfe geleistet haben, teilten die Behörden in Karlsruhe mit. Ralf W. soll damit die rechtsextreme Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) wesentlich unterstützt haben.

Der Verdächtige wurde umgehend dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) vorgeführt, der Untersuchungshaft anordnete. Ralf W. war nach Erkenntnissen der Behörden seit 1995 in rechtsextremistischen Kreisen in Thüringen aktiv. Seit den 1990er Jahren soll er engen Kontakt zu den drei untergetauchten und unter falscher Identität lebenden NSU-Mitgliedern gepflegt haben. Von den rechtsextremistisch motivierten Straftaten soll er gewusst haben, erklärte die Bundesanwaltschaft. Nach ihren Informationen hat er das Neonazi-Trio bei dessen Flucht 1998 und danach finanziell unterstützt.

Waffen und Munition geliefert

Festnahme des mutmaßlichen Helfers Holger G. (Foto: dapd)

Der mutmaßliche Helfer Holger G. wird abgeführt

Die Karlsruher Anklagebehörde wirft ihm zudem vor, der Neonazi-Gruppe eine Schusswaffe und Munition besorgt zu haben. Dabei soll er in Kauf genommen haben, dass die Schusswaffe für rechtsextremistische Morde verwendet werden könnte. Außerdem soll er dem Zwickauer Trio den Kontakt zum mutmaßlichen Helfer Holger G. vermittelt haben, gegen den der BGH bereits einen Haftbefehl wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung erlassen hat. Nach Ansicht der Ermittlher überließ Holger G. dem Trio zudem Geld und Ausweisdokumente. Wie das Magazin "Der Spiegel" berichtet, ist W. ein früherer NPD-Funktionär.

Der nun festgenommene Ralf W. ist neben der Hauptverdächtigen Beate Zschäpe und Holger G. aus dem Raum Hannover und dem in Brandenburg gefassten Andre E. der vierte mutmaßliche Neonazi, der nach der Mordserie festgenommen wurde. Beate Zschäpe ist derzeit in Köln inhaftiert und schweigt zu den Vorwürfen. Andre E. war erst am vergangenen Donnerstag festgenommen worden. Der 32-Jährige aus Sachsen soll das menschenverachtende Propaganda-Video des NSU hergestellt haben. Die Bundesanwaltschaft ermittelt nach eigener Aussage intensiv im Umfeld der Zwickauer Zelle, die immer weitere Kreise zieht. Auch gegen weitere Verdächtige laufen Ermittlungen, um möglichen weiteren Mitgliedern und Helfern auf die Spur zu kommen.

Das Zwickauer Neonazi-Trio

Das Haus von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in Zwickau (Foto: dapd)

Der Unterschlupf von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in Zwickau

Nach den bisherigen Erkenntnissen bildeten die am 4. November 2011 verstorbenen Rechtsextremisten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gemeinsam mit Beate Zschäpe seit 1998 die Gruppe des NSU. Dem Zwickauer Neonazi-Trio werden mindestens zehn Morde an neun Kleinunternehmern ausländischer Herkunft und einer Polizistin sowie zwei Sprengstoffanschläge in Köln zur Last gelegt. Zweck der Vereinigung war es, aus einer rassistischen Gesinnung heraus vor allem Mitbürger aus anderen Kulturkreisen zu töten. Zudem sollen ihre Mitglieder Banken überfallen haben, um ihre Machenschaften zu finanzieren.

Der Hintergrund der Mordserie zwischen 2000 und 2007 war den Ermittlern lange Zeit nicht aufgefallen und wurde erst aufgedeckt, als Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos Anfang November nach einem Banküberfall tot in einem Wohnmobil in Eisenach gefunden wurden. Dort wurde später auch die Tatwaffe gefunden.

Autorin: Naima El Moussaoui (dpa, afp, rtr, dapd)

Redaktion: Reinhard Kleber

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