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Wirtschaft

Noch brummt das Geschäft

Der WM-Boom und eine stärkere Konjunktur in Deutschland lassen den Sporthandel in diesem Jahr kräftig wachsen. Doch die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung könnte das Geschäft wieder trüben.

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Fußballbegeisterung allerorten - gut für die Sportartikel-Hersteller

Kein Wunder, dass die Veranstalter auf der derzeit in München stattfindenden Internationalen Sportmesse - kurz ISPO - weiter auf König Fußball setzen. Die 1000 Aussteller in München erwarten darüber hinaus auch gute Geschäfte mit Sportarten wie Nordic Walking, Schwimmen oder Radfahren. Nichts scheint die guten Aussichten zu trüben ...

Nordic Walking

Ein Muss beim Nordic Walking: Skistöcke und gutes Schuhwerk

Fragt sich nur, wie die Branche die kräftige Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozent verkraftet, die im nächsten Jahr ansteht. "Speziell die Wintersportindustrie musste sich mit dem Thema intensiv beschäftigen", sagt Siegfried Passreiter vom Vorstand im Bundesverband der Deutschen Sportartikelindustrie. "Wir haben ja ein saisonübergreifendes Geschäft: Nicht das Kalenderjahr ist die Saison, sondern es geht bis Februar, März. Die Preislisten, die jetzt erstellt worden sind, haben diese Mehrwertsteuererhöhung für den Handel und den Endverbraucher schon berücksichtigt."

Preiserhöhung schon nach den Sommerferien spürbar

Siegfried Passreiter bestätigt damit, was mancher schon vermutet und die Managementberatung Sempora Consulting heraus gefunden hat: Start für die höheren Preise ist nicht der 1. Januar 2007, sondern bereits die Zeit nach den Sommerferien. Bleibt nur die Frage, ob der Domino-Effekt eintritt: Ob die Industrie die höhere Mehrwertsteuer an den Handel weiter gibt und der ihn an die Endverbraucher, die Kunden weiterreicht. "Insgesamt war man der Meinung, dass man das dem Handel nicht allein aufbürden kann. Man kann es dem Endverbraucher nicht aufbürden, aber die Industrie allein kann es auch nicht schlucken", sagt Passreiter. "Es ist eine Mixtur im Rahmen des möglichen daraus geworden. Man hat sich aus Endverbrauchersicht den Margenausgleich zwischen Handel und Industrie etwas aufgeteilt."

Andere wiegeln ab. "Die Handschuhe werden im Verkauf nicht teurer, das können wir sagen. Die Preiserhöhung schlucken wir als Hersteller", sagt Jürgen Haumon von dem Handschuhhersteller Roeckl. Auch bei Helly Hansen versichert Simone Lentian: "Der Kunde dürfte bei uns nichts merken." Da die Preise bereits für den Sommer dieses Jahres angepasst wurden, hat das Unternehmen den Händlern eine Brücke gebaut und die Spanne zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis für den Handel schon jetzt erhöht. "Je länger das Thema Mehrwertsteuer raus gezogen wird, um so komfortabler ist das für den Handel, weil er in der Zwischenzeit eine höhere Spanne hat, und wenn die Mehrwertsteuer eintritt, hat er wieder seine alte normale Handelsspanne", sagt Simone Lentian.

Mehrwertsteuer wird an Verbraucher weitergegeben

Schwimmen WM in Montreal

Kaufboom könnte baden gehen

Anders sieht man es bei Schöffel, Spezialist für Outdoorbekleidung. Dort vertritt man die Meinung, dass eine Steuererhöhung letztlich durch den Endverbraucher bezahlt werden muss. "Die Mehrwertsteuer ist eine Verbrauchersteuer und muss deshalb auch vom Verbraucher getragen werden", meint Stefan Taft von Meier Sports. "Auch wir sind in gewisser Weise gegenüber den Fertigungsstätten und Produktionsstätten Verbraucher. Das heißt, wir müssen bei den Materialien, die wir kaufen, auch eine höhere Mehrwertsteuer zahlen. Es wird insgesamt eine leichte Erhöhung geben, das lässt sich nicht vermeiden. Aber wir haben sehr viel Geld und Energie in die Entwicklung gesteckt. Man bekommt jetzt für annähernd das gleiche Geld erheblich mehr Produkt - also unterm Strich kauft der Endverbraucher dadurch sehr günstig ein, weil die Qualität gesteigert ist."

Hubertus Pellengahr vom Deutschen Einzelhandelsverband bekräftigt: "Der Einzelhandel muss die Mehrwertsteuer weiter geben. Drei Prozent übersteigen die Marge der allermeisten Geschäfte, das können sie nicht aus der eigenen Kasse finanzieren." Doch da der Wettbewerb im Einzelhandel sehr stark sei, werde es nicht leicht sein, Preise zu erhöhen. "Wir können auch nicht alle Preise erhöhen: Es gibt die berühmten Schwellenpreise, die bei '99' liegen, da kann man nicht einfach 103 draus machen. Dafür müssen andere Produkte umso stärker verteuert werden. Dem Einzelhandel steht hier eine sehr schwierige Operation bevor. Am Ende zahlt die Zeche natürlich der Verbraucher", so Hubertus Pellengahr. Er macht dafür die Politik verantwortlich: "Die Verantwortung dafür trägt ganz allein die Bundesregierung. Diese Preiserhöhung hat die Bundesregierung gewollt."

Preissteigerungen aber könnten den Verbrauchern die gerade wieder erwachte Konsumlaune verderben. Auch Siegfried Passreiter befürchtet für 2007: "Das erste Viertel wird nicht einfach werden." Doch eine Chance gibt es für die Verbraucher: Da Ware, die über den Jahreswechsel nicht verkauft wird, im neuen Jahr den Händler mit der höheren Steuer belastet, wird es zum Jahresende einen großen Ausverkauf geben.

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