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Europa

Nobelpreisträger uneins über Referendum

Sollen die Griechen für oder gegen die Sparauflagen stimmen? Dazu haben sich drei Wirtschaftsnobelpreisträger geäußert. Ihre Antworten zeigen, wie gespalten auch Ökonomen bei der Suche nach der Krisenlösung sind.

Es gibt Situationen, für die sich keine guten Optionen finden. Sondern nur mehr oder weniger schlechte. So ungefähr beschreibt der Wirtschaftswissenschaftler Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger des Jahres 2001, die Entscheidung, vor der nun die Griechen stehen: Sparauflagen ja oder nein? "Es ist schwierig, den Griechen für den 5. Juli einen Rat zu geben. Keine

der beiden Alternativen

- Annahme oder Ablehnung der Bedingungen der Troika - ist einfach. Beide enthalten gewaltige Risiken", schreibt Stiglitz in der britischen Tageszeitung The Guardian.

Eine Entscheidung für das Programm, so Stiglitz, "würde eine endlose Depression bedeuten". Zwar könnte ein 'Ja' den Griechen für die kommenden Jahrzehnte Schuldenerleichterungen und Hilfe von der Weltbank bringen. Aber die Bürger hätten einen sehr hohen Preis zu zahlen, so Stiglitz. Am Ende lebten sie in einem "entleerten Land. Dieses hätte seine gesamten Besitztümer verkauft, und die klugen jungen Leute hätten das Land verlassen."

Joseph Stiglitz (Foto: picture alliance/Sven Simon)

Joseph Stiglitz

Mit 'Nein' zu stimmen, so Stiglitz weiter, "würde zumindest die Möglichkeit bieten, dass Griechenland mit seiner starken demokratischen Tradition selbst über sein Schicksal bestimmen kann." Zwar könnte die griechische Zukunft nicht so glänzend sein wie seine Vergangenheit. Aber das wäre immer noch besser als "die unerhörte Qual der Gegenwart". "Ich weiß, wie ich wählen würde", endet Stiglitz.

Sackgasse in den Grexit

Christopher Pissarides, Nobelpreisträger des Jahres 2010, der in diesem Jahr mit Stiglitz in der Financial Times ein Plädoyer für einen

Schuldennachlass

veröffentlicht hatte, kommt zu dem entgegengesetzten Ergebnis. Im Interview mit der Deutschen Welle rät er den Griechen, die Sparauflagen im Referendum anzunehmen. "Ich würde dafür stimmen und jedem raten, es ebenfalls zu tun. Denn ein 'Nein' würde in eine Sackgasse und letztlich zum Grexit führen."

Porträt Christopher Pissarides (Foto: picture-alliance/Sun Xinming/Imaginechina)

Christopher Pissarides

Er könne nicht sehen, wie Athen bei einem 'Nein' im Euro bleiben und weiteres Geld von der EZB erhalten könne, so Pissarides. "Mit Griechenland ginge es immer weiter zurück, in Richtung einer immer größeren Rezession."

Entsetzt zeigt sich Pissarides über den Umgang der Syriza-geführten Regierung mit der Finanzkrise. "Schaut man sich die Entwicklung der griechischen Wirtschaftspolitik seit der Wahl von Syriza im vergangenen Januar an, muss man wirklich von einem dauerhaften Missmanagement sprechen", betont Pissarides.

Zustimmung wäre "zutiefst beunruhigend"

Paul Krugman, Nobelpreisträger des Jahres 2008, stimmt in seinem Blog in der New York Times der Analyse von Stiglitz zu. "Ich würde mit Nein stimmen". Zwei Gründe nennt er: "Zwar haben wir alle Angst vor dem Austritt Griechenlands aus dem Euro. Aber wenn die Troika nun ernsthaft fordert, dass das Programm der letzten fünf Jahre unbegrenzt fortgeführt wird - wo bleibt da die Hoffnung?"

Porträt Paul Krugman (Foto: DON EMMERT/AFP/Getty Images)

Paul Krugman

Zudem findet Krugman die politischen Konsequenzen eines 'Ja' "zutiefst beunruhigend". "Die Troika machte Tsipras ein Angebot, dass er unmöglich akzeptieren konnte. Und vermutlich tat sie das mit voller Absicht." Das Ultimatum, vermutet Krugman, sollte dazu dienen, die griechische Regierung aus dem Amt zu drängen: "Und selbst, wenn man Syriza nicht mag, muss ein solches Vorgehen verstörend für alle sein, die an

europäische Ideale

glauben."

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