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Aktuell Asien

Nobelpreisträger Mo für Zensur

Mo Yan ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller Chinas. Seine Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis ist aber umstritten. Er selbst sieht sich allein als Geschichtenerzähler, sorgte aber mit Äußerungen für Kritik.

Vor der Entgegennahme des Literaturnobelpreises hat Erfolgsautor Mo Yan in Stockholm seinen Kritikern neuen Zündstoff geliefert. Nach der Ankunft in der schwedischen Hauptstadt lehnte er Kritik an der heimischen Zensur ab. Sie sei ein "unangenehmes, aber manchmal notwendiges Mittel", sagte er. Das sei wie bei Sicherheitschecks am Flughafen. Auch lehnte er es ab, dem inhaftierten Friedensnobelpreisträger von 2010, seinem Landsmann Liu Xiaobo zu helfen. So weigerte er sich, eine diese Woche veröffentlichte Petition von 134 Nobelpreisträgern zugunsten von Liu zu unterzeichnen.

Auch chinesische Intellektuelle aus der Volksrepublik hatten in einem gemeinsamen Brief an den neuen KP-Generalsekretär Xi Jinping die Freilassung des Schriftstellers Liu und aller politischen Gefangenen gefordert. Unter den 40 Unterzeichnern des Schreibens, das auf der Website des chinesischen PEN-Clubs zu lesen war, war die frühere Philosophieprofessorin Ding Zilin, eine der Führungsfiguren der Mütter des Tiananmen-Platzes, die Aufklärung über das dort 1989 von der chinesischen Armee angerichtete Massaker verlangen.

"Auszeichnung ausschließlich für Literatur"

In Stockholm antwortete Mo Yan auf die Frage, ob er für eine schnelle Freilassung des wegen seiner politischen Aktivitäten inhaftierten Liu Xiaobo eintrete: "Lassen wir das die Zeit entscheiden." Der 57-Jährige erklärte, er wolle von niemandem gezwungen werden, seine Überzeugung zum Ausdruck zu bringen. Schließlich verwies der Preisträger auf ein kurzes Statement zugunsten der Freilassung von Liu, das er unmittelbar nach der Zuerkennung des Literaturnobelpreises im Oktober abgegeben habe. Er sagte, der ihm verliehene Nobelpreis sei eine "Auszeichnung ausschließlich für Literatur - und nicht für Politik". Seine Kritiker hätten "alles Mögliche über politische Tendenzen herumspekuliert", ohne aber in der Regel seine Bücher zu kennen: "Es gibt da keine politischen Tendenzen", sagte er.

Das offizielle China hatte die Auszeichnung für Mo Yan gelobt. Es sei nicht nur ein Zeichen für den Fortschritt der chinesischen Literatur, sondern auch für die gewachsene "Stärke unseres Staates und seines internationalen Einflusses", hieß es. Noch im Jahr 2000, als der in Frankreich lebende, regimekritische chinesische Schriftsteller Gao Xingjian den Preis bekommen hatte, war das Nobelkomitee in den Staatsmedien noch als "kleine Clique sogenannter Literatur-Experten" abgetan worden.

Die Nobelpreise sind in diesem Jahr mit jeweils acht Millionen Kronen (umgerechnet 925.000 Euro) dotiert und werden am kommenden Montag im Stockholmer Konzerthaus von Schwedens König Carl XVI. Gustaf überreicht. In Oslo nehmen Vertreter der EU am selben Tag den Friedensnobelpreis 2012 für die Organisation in Empfang.

hp/wl (dpa, rtr, dapd)

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