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Afrika

Nobelpreisträger im nigerianischen Wahlkampf

Sein Einsatz für Nigeria brachte ihm 1986 den Literaturnobelpreis, Jahre später wurde er deshalb zum politischen Gefangenen. Nun führte Wole Soyinka sein Engagement an die Spitze der Partei DFPF in Nigeria.

Wole Soyinka (Foto: AP)

Soyinka kämpft gegen Korruption und für ein demokratischeres Land

Als "writer and fighter" wurde Wole Soyinka bekannt, als "Schreiber und Kämpfer". Der nigerianische Literaturnobelpreisträger kritisiert seit Jahren die politischen Führungsschichten in seinem Land. Jetzt will er auch direkt in die Politik eingreifen. Am vergangenen Wochenende wurde Soyinka zum Vorsitzenden einer von ihm mit gegründeten Partei gewählt. Auch wenn die Partei von einem fortschrittlicheren Nigeria ohne korrupte Führung träumt, Experten glauben nicht an einen Erfolg bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr.

Von der Protestbewegung zur Partei

Sani Abacha (Foto: AP)

Diktator Sani Abacha regierte mit brutaler Hand

Die Partei "Democratic Front for a People's Federation" (DFPF), zu deutsch "Demokratische Front für einen Bund des Volkes", entstand ursprünglich aus einer Protestbewegung gegen Nigerias ehemaligen Militärdiktator Sani Abacha. Ein Jahr nach dessen Machtergreifung 1993 klagte Wole Soyinka am Bundesgericht in Lagos, um Abachas Regime für illegal zu erklären. Die Klage scheiterte, Soyinka flüchtete ins Ausland und half beim Aufbau der Gegenbewegung im Exil. Nach Abachas Tod 1998 blieb die Bewegung am Leben und setzte sich weiter für Gleichheit und gegen korrupte Eliten ein.

Nach mehreren gescheiterten Versuchen wurde die DFPF in diesem Jahr zur Wahl zugelassen. Das Ziel der Partei sei derzeit nicht, die Präsidentschaft zu erlangen, sondern vielmehr in die lokalen Regierungsebenen einzudringen, erklärt Soyinka. Bei den Wahlen wolle die Partei sich Sitze und Kontrolle in allen möglichen lokalen Ebenen sichern. "Das wird einen starken Einfluss darauf haben, wer der nächste Präsident Nigerias wird", hofft Soyinka.

Gegen die "reichen Säcke"

Slum in Lagos (Foto: picture alliance)

Seit Jahren prangert Soyinka die Missstände in Nigeria an

Das Feld von unten aufrollen, das ist Soyinkas Idee. Das Programm seiner Partei ist fortschrittlich, setzt auf Industrialisierung und eine gerechtere Sozialpolitik. Dabei will sich die Partei nicht am Wettbewerb der, wie Soyinka sagt, "reichen Säcke in der politischen Landschaft" beteiligen. Sie distanziert sich von jeglicher Form der Korruption. Das passt auch zum Ton der literarischen Werke von Soyinka, der immer wieder scharf gegen die politische Führung schoss. Doch in der Politik will er sich zurücknehmen und nicht selbst für die Präsidentschaft kandidieren. Er sei als Berater im Hintergrund und zeige Ideen auf, vermittle, fördere den Nachwuchs. "Sie müssen verstehen, dass sie die Chance haben, das Schicksal unserer Nation zu gestalten."

Keine Chance für Soyinkas Partei?

Mehr als 60 Parteien wurden bisher zur Wahl zugelassen. Die nigerianische Opposition ist zersplittert. Deshalb wird die DFPF, ob mit oder ohne Soyinka, nach Einschätzung von Klaus Pähler keine Chance bei den Wahlen haben. Pähler leitet das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Nigerias Hauptstadt Abuja und glaubt, dass bei der Wahl wieder eher die Zugehörigkeit zu einer der drei großen Volksgruppen entscheiden werde, statt das Interesse am Gemeinwohl. Wer die Blogs im Internet verfolge, könne die ethnischen Zwiste erkennen, bedauert Pähler. Es gebe dort Anschuldigungen, Soyinka sei ein typischer Yoruba und deshalb nicht akzeptabel für andere Ethnien wie beispielsweise die Igbo. "Ich glaube, da werden ethnische Faktoren eine größere Rolle spielen, als der Einfluss der hier doch relativ kleinen intellektuellen Schicht. Die Leute, die überhaupt Bücher lesen und die den Nobelpreisträger kennen und vielleicht eine Zeile von ihm gelesen haben, das sind doch wahrscheinlich sehr wenig Menschen."

Männer bei der Erdölförderung (Foto: picture alliance)

Nigeria ist einer der größten Erdölexporteure der Welt

Viele Menschen in Nigeria träumen hingegen davon, dass in ihrem ressourcenreichen Land diese Ressourcen nicht nur die Taschen einiger weniger Eliten füllen. Und bei aller Kritik gibt sich Soyinka dabei auch selbstkritisch. Seine eigene Generation habe die Nation enttäuscht, sagt er. Für den 76-Jährigen könnten die Wahlen in Nigeria der letzte große Anlauf werden, das zu ändern.

Autor: Adrian Kriesch
Redaktion: Carolin Hebig