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Kultur

Nobelpreis stärkt der IAEA den Rücken

Dass die Atomenergiebehörde IAEA und ihr Chef Mohamed el Baradei den Friedensnobelpreis bekommen, ist eine gute Wahl - und ein Wink Richtung Washington, meint Peter Philipp in seinem Kommentar.

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Peter Philipp

DW-Nahost-Experte Peter Philipp

Friedensnobelpreisträger kann und darf man nicht immer nur am Erfolg ihrer Arbeit messen. Ihnen wird die Auszeichnung auch für ihre unermüdliche Arbeit und ihren unbeirrten Einsatz verliehen, diese Welt zu einer besseren und friedlicheren Welt zu machen. So besehen, ist es eine gute Wahl, dieses Jahr die Internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien und ihren Generaldirektor, Mohamed el Baradei, auszuwählen.

Seit 48 Jahren bemüht die IAEA sich darum, die Welt vor dem atomaren Desaster zu bewahren und wenn es nach ihr und vor allem ihrem ägyptischen Chef gegangen wäre, dann wäre der Welt auch einiges andere erspart geblieben: El Baradei hatte sich nie von den Behauptungen Washingtons anstecken lassen, der Irak verfüge über Massenvernichtungswaffen, und wenn man auf ihn gehört hätte, dann wäre ein gewichtiges Argument für den Irakkrieg der USA weggefallen.

Baradei hat Eskalation verhindert

El Baradei und die Atomenergiebehörde jetzt mit dem Friedens-Nobelpreis auszuzeichnen, könnte ein Wink mit dem Zaunpfahl sein. Denn wieder betreibt Washington eine gefährliche Kampagne, bei der es dem Iran vorwirft, Atomwaffen entwickeln zu wollen. Und es ist bisher El Baradei zu verdanken, dass er die in Washington längst geforderte - wenigstens diplomatische - Eskalation verhindert hat: Mit kühlem Kopf hat er immer wieder klar gestellt, dass trotz mancher Unwägbarkeiten ein großer Unterschied zwischen dem bestehe, was Washington behauptet und dem, was die IAEA vor Ort festgestellt hat.

Der Nobelpreis wird den standfesten Generaldirektor der IAEA - der gerade im Amt bestätigt worden ist - und die Behörde natürlich stärken. Und es wird ihnen künftig vermutlich leichter fallen, sich den Versuchen zu widersetzen, die Atomenergiebehörde zu politischen Zwecken zu missbrauchen.

Willkommene Unterstützung

Damit ist es aber nicht getan. Washington scheint nämlich erkannt zu haben, dass es mit den bisherigen Instrumentarien der Atomkontrolle allzu leicht selbst kollidiert mit den Zielen der eigenen Politik. Und Washington interpretiert die einst so strikt ausgelegten Grundlagen in seinem Sinne immer lockerer. So vereinbart es nukleare Kooperation mit Indien, ist mit Pakistan liiert und erst recht mit Israel - obwohl alle drei keine Anstalten machen, dem Nichtverbreitungsabkommen beizutreten. Und es setzt den Iran unter Druck, obwohl er das Abkommen unterzeichnet hat. Nordkorea hat man sogar zur Aufkündigung des Abkommens getrieben.

Die Aufgaben der IAEA und ihres Generaldirektors El Baradei sind dadurch heute vielleicht komplizierter geworden als bisher. Auch deswegen ist die Entscheidung des Osloer Nobelpreis-Komitees zu begrüßen. Denn solche Institutionen und solche Männer brauchen jede nur denkbare Unterstützung.

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