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Amerika

Nobelpreis: Fluch oder Segen für Obama?

Der Friedensnobelpreis für Obama vertieft in den USA die innenpolitischen Gräben. Viele Amerikaner lehnen die Auszeichnung als Versuch ab, von außen auf die amerikanische Politik Einfluss zu nehmen.

Barack Obama: Erste Reaktion auf den Nobelpreis am Freitag (98.19.2009), Foto: ap

Nobelpreis: Last oder Bürde für Obama?

Radio-Talkmaster Rush Limbaugh war besonders gehässig: "Leute, könnt Ihr Euch vorstellen, wie stark Obamas Brust vor Stolz anschwellen wird?", kommentierte er die Auszeichnung von Präsident Barack Obama am Freitag (09.10.2009) mit dem Friedensnobelpreis. "Ich denke, sie wird so groß, dass seine Ohren tatsächlich dazu passen!" Nicht alle Reaktionen in den USA gingen derart unter die Gürtellinie, doch die Kritik ist groß und der Preis vertieft innenpolitische Gräben.

Nahezu geschlossen verweigerten die Republikaner Obama den Glückwunsch, ihr Chef Michael Steele machte deutlich, dass Obama aus seiner Sicht nichts getan habe, um den Preis zu verdienen. Zudem sei es "bedauerlich", dass die "Star-Qualitäten" des Präsidenten diejenigen überstrahlt hätten, von denen "wahre Leistungen für Frieden und Menschenrechte" vollbracht worden seien. Bissig reagierte auch der republikanische Abgeordnete Gresham Barrett: "Ich bin nicht sicher, was die internationale Gemeinschaft an ihm am meisten liebt: Sein Geschwafel zu Afghanistan, den Verzicht auf eine Raketenabwehr in Osteuropa, dass er den Freiheitskämpfern in Honduras den Rücken zuwendet, Castro verhätschelt, dass er für die Palästinenser gegenüber Israel Partei ergreift oder dass er beinahe hartnäckig gegenüber dem Iran ist."

Fluch oder Segen?

Wird der Friedensnobelpreis für Obama jetzt zur Bürde? Er werde auf jeden Fall innenpolitisch politisiert, sagt Prof. Crister Garret vom Institut für American Studies an der Universität Leipzig, "aber er verstärkt nur Tendenzen, die schon vorher da waren". Schon seit Monaten steht Obama im eigenen Land unter Druck, wegen seiner Afghanistan-Stategie, der Debatte um die US-Gesundheitsreform, die Rekordverschuldung und nicht zuletzt auch, weil Chicago bei der Bewerbung um Olympia kürzlich rausflog.

Demonstrationen gegen die US-Gesundheitsreform, Foto: ap

Obama unter Druck: Auch wegen seiner Pläne zur Gesundheitsreform herrscht Unmut

Auch die meisten US-Medien zeigten sich skeptisch, kommentierten, dass der Preis ganz klar dem gelte, was Obama repräsentiere und nicht dem, was er bisher erreicht habe - nämlich herzlich wenig. Aber die Reaktion aus der republikanischen Ecke hatte schon ein anderes Kaliber: Nicht einmal mehr die einfachsten Spielregeln der Höflichkeit würden eingehalten, so die Meinung vieler Kommentatoren und so hatte etwa die "Washington Post", wenngleich selbst nicht begeistert über die Auszeichnung, auch Mitleid und kam dem Präsidenten zur Hilfe: Er habe den Friedensnobelpreis gewonnen, "aber das ist nicht seine Schuld", schrieb das Blatt. Man könne ihn nicht dafür kritisieren, dass nach einer so kurzen Amtszeit die meisten Ziele noch Ziele seien.

Preis für Worte?

Auch viele Demokraten machten keinen Hehl aus ihrer Verwunderung über die Entscheidung des Nobel-Komitees, doch bei ihnen waren die Reaktionen waren durchweg positiv: Die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, erklärte, Obama habe es geschafft, die Welt bei Themen wie Abrüstung und Klimawandel näher zusammenzubringen. Der Vorsitzende des Außenausschusses im Senat, der frühere Präsidentschaftskandidat John Kerry, lobte, dass Obama das Ansehen der USA in der Welt wieder verbessert habe.

Obama war im Januar mit dem Ziel angetreten, einen neuen Ton nach Washington zu bringen. Ein Klima des gegenseitigen Respekts und der Zusammenarbeit habe er schaffen wollen, so seine Ankündigung, und genau dem wollte auch das Nobelpreiskomitee mit seiner Entscheidung Rechnung tragen: Der Preis würdige die "außergewöhnlichen Bemühungen" des erst seit neun Monaten amtierenden Präsidenten "um Zusammenarbeit zwischen den Völkern", hieß es in der Begründung.

Einmischung in die amerikanische Politik

Dies empfinden aber offenbar viele Amerikaner als einen Versuch, Einfluss auf die amerikanische Politik zu nehmen. Von vielen werde der Friedensnobelpreis als ein "europäischer Preis" abgetan, erklärt der Politikwissenschaftler Garret, mit dem die Europäer versuchten, sich den USA entgegen zu stellen. Aber das sei Teil eines generellen Misstrauens: "Viele Amerikaner haben eine ambivalente Einstellung zu internationalen Organisationen, sei es nun die UN, der Internationaler Gerichtshof oder das Nobelpreiskomitee. Dieses Misstrauen prägt die USA."

UN-Flagge, Foto: ap

USA: Generelles Misstrauen gegenüber internationalen Organisationen

Auch er ist der Ansicht, dass mit einem solchen Preis Einfluss genommen werden solle, doch das liege in seiner Geschichte und habe nicht speziell mit den USA zu tun, sagt er und führt den Friedensnobelpreis für Theodore Roosevelt 1906. "Und auch der Friedensnobelpreis für Willi Brandt 1971 war ein Versuch, seine Entspannungspolitik zu unterstützen. Das gehört zur Tradition des Preises."

Garret selbst war ebenfalls überrascht, als er von der Auszeichnung hörte: "Ich dachte, es sei ein Gag", erzählt er. Die Argumente des Nobelpreiskomitees konnte er nicht sofort nachvollziehen, doch es reichte ein Blick in die Geschichte: "Sei es Jimmy Carter, Willi Brandt, Lech Wałęsa oder Al Gore: Dieses Komitee hat immer versucht, bestimmte Bewegungen in der Weltpolitik zu stärken und diesen Sinne macht die Verleihung Sinn, denn Obama braucht diese Stärkung!"

Autorin: Ina Rottscheidt

Redaktion: Mirjam Gehrke

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