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Wirtschaft

Nobelpreis für Wirtschaft geht an US-Ökonomen

Männlich und aus den USA - das schwedische Nobelkomitte kehrt zu seiner alten Linie zurück und vergibt den Preis an zwei US-amerikanische Makroökonomen - an Thomas J. Sargent und Christopher A. Sims.

Was ist Ursache und was ist Wirkung? Steigt die Inflation, weil die Zentralbank ihre Zinsen gesenkt hat oder senkt die Zentralbank ihre Zinsen, weil sie davon ausgeht, dass die Preise in nächster Zeit stabil bleiben.

Christopher A. Sims und Thomas Sargent (Foto: dpa)

Christopher Sims (links) und Thomas Sargent

Wir Menschen haben Erwartungen, blicken in die Zukunft und nehmen mögliche Veränderungen voraus - Ursache und Wirkung beeinflussen sich deshalb gegenseitig und genau das macht es so schwer zu verstehen, wie Wirtschaft funktioniert. Die diesjährigen Wirtschaftsnobelpreisträger, die beiden US-Amerikaner Thomas John Sargent und Christopher Albert Sims, haben Methoden erfunden, die solche Wechselwirkungen erklären.

Ihre Methoden seien "unentbehrlich, um einen Ausweg aus dem Durcheinander zu finden", in dem sich die Weltwirtschaft derzeit befinde, sagt Christopher Sims selbstbewusst.

Sims zeigte sich in einer ersten Reaktion über den Nobelpreis überrascht. "Ich könnte nicht glücklicher sein, ihn gemeinsam mit meinem Kollegen Tom Sargent zu erhalten", sagte er nach der Bekanntgabe am Montag (10.10.2011).

Zwei Ökonomen Made in Havard

Wahrsagerin mit Kristallkugel (Foto: dpa)

Wir können zwar nicht in die Zukunft sehen - nichtsdestotrotz haben wir Erwartungen

Christopher Sims, der 1942 in Washington geboren wurde, lehrt seit 1999 an der Princeton University im US-Bundesstaat New Jersey. 1959 begann Christopher Sims ein Mathematikstudium an der Harvard University, das er 1963 mit dem Bachelor abschloss. Fünf Jahre später promovierte er dort zum Ph. D. in Wirtschaftswissenschaften. Bevor er nach Princeton ging, lehrte er außer in Harvard noch an der University of Minnesota und an der Yale University.

Thomas Sargent wurde 1943 in geboren und studierte an der University of California, Berkeley, wo er 1964 seinen Bachelor in Ökonomie erhielt. Im gleichen Jahr wie Sims promovierte er ebenfalls in Havard zum Ph. D. Es folgten Lehrtätigkeiten an der University of Pennsylvania, der University of Minnesota und an der Stanford University. Aktuell lehrt und forscht Sargent an der New York University.

Plötzliche Schocks und planbare Veränderung

Ein libyscher Ölarbeiter arbeitet bei einer Raffinerie in Brega, Ostlibyen (Foto: AP)

Eine plötzliche Krise in Libyen kann den Ölpreis nach oben jagen

Während Thomas Sargent in seinen Arbeiten erklärt, wie sich längerfristige Veränderungen beispielsweise in der Geldpolitik oder Fiskalpolitik wechselseitig auf makroökonomische Variabeln wie das Bruttoinlandsprodukt, Inflation oder Beschäftigung auswirken, erforscht Sims Ursache und Wirkung sogenannter Schocks: Ereignisse, die häufig nicht vorhersehbar bar sind - anders als langfristige politische Maßnahmen. Der Ölpreis kann urplötzlich in die Höhe schießen, Konsumenten haben plötzlich Angst, über ihre Verhältnisse zu leben und halten ihr Geld zurück, die Zentralbank hebt überraschend die Zinsen an.

Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass vorhersehbare Ereignisse andere Auswirkungen auf die Makroökonomie haben als überraschende Ereignisse. Sargent und Sims haben gezeigt, dass es alles andere als trivial ist, zwischen den beiden zu unterscheiden.

Auch wenn sich die Forschungen der zwei Preisträger ergänzen, haben Sargent und Sims ihre Arbeiten bereits in den 1970er und 1980er Jahren unabhängig voneinander gemacht.

Kein Kind Nobels

Den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften hatte Alfred Nobel - anders als die übrigen fünf Nobelpreis-Kategorien - in seinem Testament nicht vorgesehen. Erst 1968 stiftete ihn die Schwedische Reichsbank zu ihrem 300-jährigen Bestehen. Seit 1969 verleiht ihn die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften - bisher ohne Unterbrechung jedes Jahr. Der Preis ist mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund eine Million Euro) dotiert.

Autorin: Jutta Wasserrab
Redaktion: Henrik Böhme

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