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Kultur

Nippon Connection lockt Fans japanischer Filme nach Frankfurt

Im Jahr 2007 kamen in Japan mehr als 400 neue Filme in die Kinos. Und die spielten in der Heimat fast den gleichen Umsatz ein wie Hollywood-Produktionen. Mehr und mehr etablieren sich Filme aus Japan auch in Europa.

(Filmplakat zu 5 Centimer per second)

Nippon Connection entführt in die Fantasiewelten der Animationsfilmemacher

Ein Hauch von Tokio weht durch Frankfurt. Nicht aktuelle US-Kinohits wie "Juno" oder "10.000 B.C" spielen hier vom 2. bis 6. April die Hauptrolle, sondern Streifen, die man normalerweise eher nicht auf den Spielplänen der deutschen Kinos findet: Nippon Connection 2008 – das sind mehr als 150 Filme aus Japan, vom Mega-Hit über den Animationsfilm bis zur Low-Budget-Produktion: "Uns geht es darum, die Vielfalt des japanischen Kinos zu zeigen", erklärt Festival-Leiterin Marion Klomfass. So ist das Festival sowohl für bereits bekannte Regisseure als auch für Studenten, die gerade ihren ersten Kurzfilm abgedreht haben, gleichermaßen eine Plattform.

Herzblut von Anfang an Marion Klomfass gehört seit der ersten Stunde zur Nippon Connection. Gemeinsam mit einem Kollegen hatte die damalige Sinologie-Studentin Ende der 1990er Jahre die Idee, japanische Filme mit englischen Untertiteln in Deutschland zu zeigen. Geplant sei das Ganze eigentlich als kleine und einmalige Veranstaltung im studentischen Rahmen. "Wir wollten einfach ein paar Filme zeigen und haben mit höchstens tausend bis zweitausend Besuchern gerechnet." Was damals – im Jahr 2000 - keiner erwartet hätte: Die Nachfrage war weitaus größer, insgesamt kamen mehr als zehntausend Besucher. "Wir mussten jede Menge Zusatzvorstellungen organisieren und wurden regelrecht überrannt", erinnert sich Marion Klomfass. Schnell stand fest, dass es eine größer angelegte Fortsetzung der Veranstaltung geben sollte. So entstand das Nippon Connection Filmfestival.

Japan Filmfestival Nippon Connection Filmfest

Szene aus dem Film "A gentle breeze in the village"

Mittlerweile ist es längst zu einer Marke geworden für alle, die sich einen Überblick über die japanische Filmszene verschaffen wollen. 2007 kamen mehr als 16.000 Besucher. Neben dem cineastischen Programm gehören auch kulturelle Veranstaltungen wie beispielsweise eine japanische Teezeremonie oder ein Sake Workshop zum Festival. Und eine Preisverleihung: Zum vierten Mal wird in diesem Jahr der Publikumspreis Nippon-Cinema-Award verliehen.

Favorit United Red Army

Ein Highlight des diesjährigen Programms ist nach Einschätzung von Marion Klomfass der Film "United Red Army" des in Japan sehr bekannten Regisseurs Koji Wakamatsu. Er behandelt ein Tabuthema, das man bislang auf japanischen Leinwänden vergeblich suchte: Es geht um ein dunkles Kapitel aus der Vergangenheit. "Das japanische Kino war in den letzten Jahren leider sehr unpolitisch", erklärt Klomfass. "United Red Army" sei der erste Film, der sich mit dem Thema der Roten Armee auseinandersetze, den Studentenunruhen und dem Terrorismus im Japan der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre. "Und dabei ist er sehr kritisch, deshalb ist der Film für mich ein Favorit auf die Auszeichnung."

Tokio ist nicht Hollywood

Komödien, Dramen oder Actionfilme – all das gibt es auch in Japans Kinos zu sehen. Aber: Die Filme, die sich dahinter verbergen, sehen anders aus als die aus Hollywood, Paris oder Berlin. Pauschalurteile funktionieren zwar nicht, meint Klomfass. Aber es gebe bei der Erzählweise große Unterschiede zwischen amerikanischen oder europäischen Produktion und denen aus Japan. Dort gebe es oft nicht den Protagonisten, den einen Hauptdarsteller, sondern stattdessen für westliche Augen oft sehr viele gleichberechtigte Charaktere. Auch die visuelle Sprache funktioniere ganz anders: "Die Kameraarbeit im japanischen Kino hat oft noch größere Bedeutung. Da wird oft nicht über Dialog vermittelt, sondern über die Bilder."

Animationsfilme made in Japan

Japan Filmfestival Nippon Connection Filmfest

Szenenbild aus dem Animationsfilm "5 centimeters per second"

Berühmt ist das japanische Kino nicht zuletzt für seine Animations-Filme. Sie haben eine eine lange Tradition und stehen auch in Frankfurt auf dem Programm. Zum Beispiel "5 Centimeters per second" – ein Film über die erste Liebe bei Jugendlichen, bestehend aus drei Kurzgeschichten. Der Regisseur Makoto Shinkai ist in Japan kein unbeschriebenes Blatt, erklärt Marion Klomfass – er gilt als eigenwilliger Meister seines Fachs: "Makoto Shinkai ist sozusagen ein Independent-Animationsfilmer, er dreht seine Sachen alle selbst, zeichnet alles selbst, macht die Musik usw. und produziert seine Filme nicht in großen Studios." Noch bis Sonntag läuft das diesjährige Nippon Connection Festival. Nach dem Festival, so hofft Leiterin Marion Klomfass, wird das japanische Kino in Deutschland wieder ein paar Fans mehr haben.