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Fokus Osteuropa

Nikolic: Vom Kampftruppenführer zum Parlamentspräsidenten

Nach seiner Wahl zum Parlamentsvorsitzenden avanciert Tomislav Nikolic zur zweitstärksten Figur in Serbien nach Staatspräsident Tadic. Ihn kennzeichnen markige Reden und extreme nationalistische Ansichten.

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Überraschender Aufstieg

Er ist ein Mann der starken Worte – Tomislav Nikolic, der Chef der ultranationalistischen Radikalen Partei SRS schießt vor allem gegen die Demokraten – und gegen den Westen, zu dessen Büttel sie sich seiner Meinung nach machen. So zum Beispiel, als neulich der deutsche Botschafter in Belgrad, Andreas Zobel, äußerte, Serbien habe eine bessere politische Elite verdient. Zobel sagte zwar, seine Worte seien aus dem Zusammenhang gerissen worden, aber das hielt Nikolic nicht davon ab, die sofortige Ausweisung des deutschen Diplomaten zu fordern.

Kritik an deutschen Ratschlägen

Er nahm es auch am Montag (07.05.) wieder zum Anlass, die Demokraten im Parlament für ihre vermeintliche Deutschen-Hörigkeit an den Pranger zu stellen: "Dass noch einmal ein Deutscher auf einem Treffen der Demokratischen Partei auftaucht und vorschreibt, wie Serbien abzustimmen hat, werde ich nicht mehr zulassen", so Nikolic. Denn die Deutschen hätten klar und deutlich gesagt, dass es ihnen nicht reiche, dass sich Serbien und Montenegro getrennt hätten, dass sie Kosovo stehlen, danach Vojvodina und Sandzak, sondern dass sie auch die serbische Seele stehlen wollten.

Der 55-jährige Nikolic ist keineswegs opportunistischer Nationalist sondern Überzeugungstäter: 1991, als in Kroatien der Krieg um die Unabhängigkeit des Landes began, war er berüchtigter Anführer einer serbischen Kampftruppe in Ostslawonien, ähnlich wie Vojislav Seselj. Über Seseljs SRS zog Nikolic auch ein Jahr später als Parlamentarier ins jugoslawische Bundesparlament ein. Als sich Seselj dann Anfang 2003 freiwillig dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag stellte, wurde Nikolic die neue Nummer eins der Partei.

Koalition zwischen Nationalisten und Ultranationalisten?

Wenige Monate später wäre ihm fast der Sprung an die Staatsspitze gelungen – seine Wahl zum Präsidenten scheiterte nur an zu geringer Wahlbeteiligung. Bei der Wiederholung überflügelte ihn dann der demokratische Kandidat Boris Tadic. Der bleibt auch sein Haupt-Gegner, gerade wenn es um die Unabhängigkeit des Kosovo geht: "Tadic, reiche deinen Rücktritt ein, wenn du meinst, dass Kosovo unabhängig wird!", so Nikolic vor seinen Anhängern.

Dem serbischen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica steht er ideologisch etwas näher, nur hat der bisher vermieden, mit ihm eine Koalition einzugehen. Doch nach den Parlamentswahlen im Januar ist eine Pattsituation entstanden: Nikolics SRS ist erneut stärkste Partei geworden, aber Kostunica und Tadic konnten sich nicht auf eine gemeinsame Regierung aus gemäßigten Nationalisten und Demokraten einigen. Dass Nikolic nun – mit Kostunicas Hilfe – zum Parlamentspräsidenten gewählt wurde, sehen viele Beobachter deshalb als Zeichen, dass es nun zu einer Allianz mit den Ultranationalisten kommt.

Klaus Dahmann
DW-RADIO, 8.5.2007, Fokus Ost-Südost