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Nikolaus

Er ist zu einer unsterblichen Figur geworden, die jedes Jahr mit rotem Umhang, Mütze, weißem Bart und goldenem Stab Häuser und Wohnungen besucht und die Schuhe der Kinder mit Süßigkeiten füllt: der heilige Nikolaus.

Der 6. Dezember ist ein ganz besonderes Datum in der Vorweihnachtszeit. Dieser Tag ist nach dem Heiligenkalender der Tag des Heiligen Nikolaus. Weshalb er im Range eines Heiligen steht, ist es wert, erzählt zu werden. Stichwortartig versteht sich.

Von Myra in die Welt hinaus

Nikolaus, der Bischof von Myra, einer Hafenstadt in Kleinasien, die heute zur Türkei gehört, lebte dort im 4. Jahrhundert. Um das Jahr 350 ist er gestorben. Als die Menschen seiner Stadt großen Hunger litten, beschwor er die Seeleute der kaiserlichen Flotte, die mit Schiffen voll Getreide im Hafen lagen, ihnen von dem Weizen zu geben. Aber sie hatten strengsten Befehl, die gesamte Ladung bis aufs letzte Korn in die kaiserlichen Vorratshäuser zu liefern. Schließlich gelang es dem Bischof Nikolaus, die Herzen der Kapitäne zu erweichen. Säckeweise wurde Korn an Land gebracht, niemand musste mehr hungern, ja es wurde sogar Korn auf den Feldern ausgesät. Die Not war zu Ende. Die Legende will, dass bei der Ankunft der Schiffe in ihrem Heimathafen kein Pfund Getreide fehlte. Ein Wunder war geschehen.

Kein Wunder hingegen, dass die Verehrung für den Bischof von Myra sich über ganz Europa ausbreitete. Der Nikolaus wurde zur Symbolfigur des Retters der Armen und Notleidenden, der Kranken und Schwachen, der Großen und der Kleinen. Er ist zu einer unverkennbaren und wahrscheinlich unsterblichen Figur geworden, die mit rotem Bischofsumhang, weißem Bart und goldenem Stab am Nikolausabend vorbeischaut, ob denn alles in Ordnung ist und es den Leuten auch gut geht.

Ein Kinderschreck betritt die Bühne

Es müssen Erwachsene gewesen sein, die irgendwann auf die Idee gekommen sind, dem guten Nikolaus einen furchteinflößenden Begleiter an die Seite zu stellen. So ungefähr ab der Mitte des 17. Jahrhunderts kommt der Nikolaus nämlich nicht mehr allein, sondern mit Knecht Ruprecht zu den Kindern. Der verkündet in einem 1663 erschienenen Weihnachtsspiel mit folgenden Worten, was Sache ist: "Ich bin der alte böse Mann, der alle Kinder fressen kann."

Und so sieht er auch aus: Stechender Blick, ein hässlicher Bocksbart, aus der derben Pelzmütze ragen Geißbockhörner und mit Händen wie Pratzen will er die Kinder packen und in den Sack auf seinem Rücken stecken. Manchmal gibt es auch nur Prügel mit der Rute, die er auch gleich mitgebracht hat. Was ist da geschehen? Wie passen ein Heiliger und ein Kinderschreck zusammen? Ein Bischof und einer aus der 'civitas diaboli', dem Reich des Bösen?

Ruprecht als probates Erziehungsmittel?

Die Negativgestalt an der Seite von Nikolaus hat viele Namen. Aber ob Ruprecht, Zemper, Krampus oder Wubartl, es sind allesamt Angstmacher. Jetzt wird beim abendlichen Hausbesuch nicht mehr gefragt, wie es den Kindern geht, sondern ob es gute oder böse Kinder sind.

Als böse galten unter anderen natürlich jene, die den Eltern nicht immer gehorchten, Dummheiten machten oder zu Hause oder in der Schule faul waren. Und das wurde bestraft. Vom Kinderschreck Knecht Ruprecht. Das Straf-Inventar ist lang und war über Jahrhunderte Mittel der Kindererziehung. Wer kennt sie nicht, zumindest aus Erzählungen, die Drohung mit dem Schwarzen Mann? Oder wie beim "Struwwelpeter", einem der meist übersetzten Kinderbücher: "Da taucht der Nikolas" drei böse Buben "in das große Tintenfass." Merke: Wer faul und böse ist, dem geht’s an Leib und Leben.

Niklaus ist ein guter Mann!

Zum Glück haben all diese schrecklichen Sachen nichts mit dem Heiligen Nikolaus zu tun. Der wusste nämlich ganz genau, was wirklich wichtig und gut für die Menschen ist. Als er einmal – und dies ist die älteste Nikolausgeschichte – von drei Mädchen hörte, die so arm und elend waren, dass ihnen nur der Weg ins so genannte Freudenhaus blieb, da warf er heimlich bei Nacht jedem der Mädchen eine goldene Kugel ins Bett. So wurden sie reich und konnten ihre Liebsten heiraten.

Woher kommt es wohl, dass in ländlichen Gegenden sich noch heute Danksagungen für Ehe- und Liebesglück an den Kirchenwänden finden? Danksagungen an den heiligen Nikolaus? "Niklaus ist ein guter Mann", singen die Kinder, und sie haben völlig recht.

Fragen zum Text:

Nikolaus steht als Symbolfigur für …

1. einen Retter, der den notleidenden Menschen hilft.

2. einen Heiligen, der über die Seeleute wacht.

3. einen Ritter, der für eine gute Getreideernte sorgt.

Was ist eine Legende?

1. ein Tatsachenbericht

2. eine Erzählung, für die es keinen Beweis gibt

3. eine Frau, die auf dem Boden liegt

Seit wann kommt der Nikolaus mit einem bösen Begleiter zu den Kindern?

1. seit dem 6. Dezember

2. um 350 nach Christus

3. ab Mitte des 17. Jahrhunderts

Arbeitsauftrag:

Knecht Ruprecht, der böse Begleiter vom Nikolaus, ist einer von vielen Schreckgestalten in der Literatur. Schreiben Sie einen kurzen Aufsatz über einen anderen Bösewicht, der Ihnen in der Kindheit Angst eingejagt hat.

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