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Deutschland

Nikolaus Schneider ist neuer EKD-Vorsitzender

Der Präses der rheinischen Kirche, Nikolaus Schneider, steht für die nächsten fünf Jahre an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland. Synode und Kirchenkonferenz wählten ihn in Hannover zum Ratsvorsitzenden.

Der frisch gewählt EKD-Ratsvorsitzende, Praeses Nikolaus Schneider (Foto: dapd)

Der frisch gewählt EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider

Nikolaus Schneider erhielt in Hannover im ersten Wahlgang 135 von 143 gültigen Stimmen und damit die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit. Der 63-Jährige trat damit am Dienstag (9.11.2010) die Nachfolge von Margot Käßmann an, die nach einer Alkoholfahrt am Steuer ihres Dienstwagens im Februar zurückgetreten war. Er hatte das Amt von Käßmann bereits kommissarisch übernommen. Der Ratsvorsitzende ist der oberste Repräsentant von fast 25 Millionen Protestanten in Deutschland.

Sie trat nach einer Alkoholfahrt zurück: Landesbischöfin Margot Käßmann (Foto: AP)

Sie trat nach einer Alkoholfahrt zurück: Landesbischöfin Margot Käßmann

Der sächsische Landesbischof Jochen Bohl wurde zum Stellvertreter Schneiders bestimmt. Bohl erhielt im ersten Wahlgang 113 von 141 gültigen Stimmen. Seit 2004 ist der 60-Jährige Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Mit der Nachwahl von zwei Ratsmitgliedern ist die Führung der EKD wieder komplett.

Vom Wahlergebnis gestärkt

"Es ist ein gutes Gefühl, dass die Probezeit jetzt zu Ende ist", sagte Schneider nach seiner Wahl. Er sei nun mit dem nötigen Mandat ausgestattet, um öffentlich auftreten zu können. Das Wahlergebnis stärke ihn. Er wertete es als Zustimmung zu seiner bisherigen Amtsführung.

Sachsens Bischof Jochen Bohl wird Schneiders Stellvertreter (Foto: dpa)

Sachsens Bischof Jochen Bohl wird Schneiders Stellvertreter

Schneider ist bekannt für sein soziales und politisches Engagement. Deutliche Kritik kam von ihm zuletzt am Atomkurs der Bundesregierung und am Afghanistan-Einsatz. Kurz nach seiner Wahl bekräftigte er seine Position in der Atomfrage und kritisierte den Castor-Transport von Atommüll nach Gorleben.

Kritik an der Staatsmacht

"Man kann als demokratischer Staat nicht Politik gegen die Bevölkerung machen", sagte Schneider in Hannover. "Die Staatsmacht muss den Bürger respektieren." Er halte es für falsch, die Laufzeiten der Atomkraftwerke angesichts der ungelösten Endlagerfrage zu verlängern. Die Gefahren des strahlenden Abfalls könne niemand ernsthaft verantworten. Schneider kündigte an, er wolle darüber mit der Bundesregierung im Gespräch bleiben. Allerdings sei er nur "verhalten optimistisch", dass die schwarz-gelbe Koalition ihre Haltung noch ändern werde.

Das Kirchenparlament forderte die Bundesregierung in einer Resolution am Dienstag auf, neben Gorleben weitere Standorte als Endlager für atomare Abfälle zu erkunden. Das Problem der Endlagerung radioaktiver Abfälle sei weltweit immer noch ungelöst. Zugleich bat die Synode die Regierung, zum Zeitplan des 2001 vereinbarten Atomausstiegs zurückzukehren.

Zollitsch und Merkel gratulieren

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch (Foto: DW)

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, gratulierte Schneider umgehend

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz gratulierte Schneider zur Wahl und bekräftigte die ökumenische Verbundenheit. "Zu dem Weg der Ökumene, auf dem wir einander auch Zumutung sind, gibt es keine Alternative", schrieb der Bischofskonferenz-Vorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle gratulierten Schneider zur Wahl. "Ihre Stimme hat in unserer Gesellschaft Gewicht. In vielen Debatten ist sie unverzichtbar", heißt es im Glückwunschschreiben der Kanzlerin. Westerwelle sagte in Berlin, mit Schneider übernehme "ein engagierter Christ den EKD-Ratsvorsitz, der sich auch bisher schon immer wieder zu wichtigen Themen unserer Gesellschaft geäußert hat".

Käßmanns Stellvertreter

Der Theologe Schneider ist seit 2003 Präses der rheinischen Landeskirche. Sie ist nach der lutherischen Hannoverschen Landeskirche die zweitgrößte Landeskirche in Deutschland. Im selben Jahr wählte die Synode ihn auch in den Rat der EKD. Im vergangenen Jahr wurde er zum Stellvertreter Käßmanns bestimmt.

In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) haben sich 22 lutherische, reformierte und unierte Landeskirchen zusammengeschlossen. Sie wurde 1945 im hessischen Treysa gegründet und übernimmt die ihr von den Landeskirchen übertragenen Gemeinschaftsaufgaben. Unter anderem vertritt sie diese in politischen und gesellschaftlichen Fragen. Sitz der EKD ist Hannover. Kirchenleitende Organe sind die Synode, der Rat und die Kirchenkonferenz. Die Synode ist als gesetzgebende Körperschaft das Parlament der EKD. Sie tritt in der Regel einmal jährlich zusammen.

Autor: Reinhard Kleber (epd, dpa, dapd, kna)
Redaktion: Anna Sigrist

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