Niki stellt Flugbetrieb ein | Wirtschaft | DW | 13.12.2017
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Luftverkehr

Niki stellt Flugbetrieb ein

Nach dem Rückzieher der Lufthansa hat die Air-Berlin-Tochter Niki einen Insolvenzantrag gestellt und angekündigt, ihren Flugbetrieb einzustellen. Rund Tausend Jobs stehen auf der Kippe. Viele Passagiere könnten stranden.

Das große Chaos am Flughafen Tegel am Donnerstagmorgen ist ausgeblieben. Rund zwei Dutzend Niki-Kunden waren zum Flughafen gekommen, obwohl die Airline den Flugbetrieb am Vorabend eingestellt hatte. "Wir haben von nichts gewusst", sagte ein wütender Familienvater, der mit seiner Frau und Tochter in der Nacht aus Polen angereist war.

Anderen Kunden war von ihren Reisebüros geraten worden, trotz der Insolvenz zum Flughafen zu fahren, um Entschädigungsansprüche geltend zu machen. "Sie haben mir gesagt, wir sollen trotzdem zum Flughafen kommen", so ein Kunde der Airline. 

Von dem "Grounding", der Einstellung des Flugbetriebs, sind laut dem Insolvenzverwalter Lucas Flöther, der bereits Air Berlin abwickelt, 350.000 Passagiere betroffen, die bei Niki direkt gebucht hatten. Ihre Tickets sind nun wertlos. Weitere 410.000 Fluggäste hatten ihre Tickets über Reisebüros oder -veranstalter gekauft. Knapp 40.000 Passagiere haben innerhalb der kommenden zwei Wochen Heimflüge mit Niki gebucht. Die Fluggesellschaft erklärte, die Luftverkehrsbranche arbeite an einer Lösung, wie Passagiere aus dem Ausland nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz zurückgebracht werden könnten.

Gibt es einen neuen Interessenten?

Seit Mittwoch ist die Air-Berlin-Tochter Niki ist nach Angaben der Berliner Justiz  zahlungsunfähig. Der Lufthansa-Konzern hatte zuvor sein Übernahmeangebot für Niki zurückgezogen. Als Grund gab die Fluggesellschaft an, dass eine schnelle Freigabe des Erwerbs durch die EU-Kommission nicht zu erwarten sei. Der im Oktober geschlossene Kaufvertrag könne nicht vollzogen werden.

Nach dem Verzicht der Lufthansa auf eine Übernahme der Air-Berlin-Tochter Niki hatte bereits die Bundesregierung vor einer Pleite des Ferienfliegers gewarnt. "Alternative Käufer für Niki standen und stehen bis heute nicht zur Verfügung", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. Einem österreichischen Gewerkschafter zufolge gibt es nun aber mindestens drei Interessenten für die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki. Am Mittwochnachmittag hätten sich mögliche Käufer gemeldet, sagte Gewerkschafter Wolfgang Katzian dem "ORF".

Scharfe Kritik an Haltung der EU-Kommission

Der Mutterkonzern Air Berlin übte scharfe Kritik an der EU-Kommission. "Die Position der Europäischen Kommission ist nicht nachvollziehbar", sagte der Air-Berlin-Generalbevollmächtigte Frank Kebekus einer Mitteilung zufolge am Mittwoch Abend. "Das Scheitern des Niki-Verkaufs und die Insolvenz der Niki Luftfahrt GmbH sind höchst ärgerlich und wären vermeidbar gewesen." Lufthansa habe als einziger Bieter Lösungen für komplexe Themen aufgezeigt.

Air Berlin habe nach den ersten Bedenken der EU-Kommission erneut Kontakt zu potenziellen Interessenten wie Thomas Cook und der British-Airways-Mutter IAG aufgenommen, sagte Kebekus. "IAG teilte Air Berlin schriftlich mit, dass sie kein Kaufinteresse mehr an der Niki hat." Auch von Thomas Cook sei kein passendes Angebot unterbreitet worden. "Die Kommission wusste also, dass es gar keine Alternative zum Verkauf der Niki an die Lufthansa gab", sagte Kebekus. Die Kommission erreiche mit dem "unkontrollierten Zusammenbruch" des österreichischen Ferienfliegers "das genaue Gegenteil dessen, was sie beabsichtigt". Kebekus betonte, dass eine vollständige Rückzahlung des KfW-Kredits in Höhe von 150 Millionen Euro "unwahrscheinlicher geworden" sei.

An dem Erwerb der anderen Air-Berlin-Tochter LG Walter will die Lufthansa weiter festhalten, teilte die Kranichlinie mit. Dieser Kauf steht ebenfalls noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Zustimmung der EU-Kommission.

Mit dem Verzicht auf Start- und Landerechte hatte Lufthansa versucht, die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission gegen die Air-Berlin-Teilübernahme zerstreuen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte für den Fall eines Scheiterns der Niki-Übernahme einen "Plan B" angekündigt. Dieser sehe vor, die Lufthansa-Tochter Eurowings in der gleichen Größenordnung von rund 20 Flugzeugen aus eigener Kraft wachsen zu lassen.

tko/nm/sam (dpa, rtr)

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