Niki ist pleite - und was nun? | Wirtschaft | DW | 14.12.2017
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Luftfahrt

Niki ist pleite - und was nun?

Niki-Air hat Insolvenz angemeldet, nachdem die Lufthansa vom Kauf der Air-Berlin-Tochter Abstand genommen hatte. Nun versuchen alle Beteiligten schnell, Lösungen für die Konkursmasse zu finden. Vieles ist noch unklar.

Die Pleite einer ganzen Reisefluggesellschaft kann ziemlich unprätentiös daher kommen. Auf der Webseite von Niki ist zu lesen: "Der Flugverkehr der NIKI Luftfahrt GmbH wird ab dem 14. Dezember 2017 eingestellt". Passagiere, die über einen Reiseveranstalter gebucht haben, so heißt es weiter, werden gebeten, sich an den zu wenden. Für Direktbuchungen bei Niki versuchen mehrere Fluggesellschaften eine Rückholaktion auf die Beine zu stellen. "Wir möchten uns bei Ihnen für die langjährige Treue bedanken. Ihr NIKI-Team".

Es ist das in wenigen Sätzen komprimierte Ende einer Hängepartie, die spätestens mit der Insolvenz der Muttergesellschaft Air Berlin im August dieses Jahres ihren Anfang nahm. Sätze, die das vorläufige Ende von Niki besiegeln und vor allem eines hinterlassen: Unklarheit.

Unklar ist nun für die rund tausend Mitarbeiter der Fluglinie kurz vor Weihnachten ihre berufliche Zukunft. Unklar für zigtausend Reisende, die derzeit in den Feriendestinationen der Niki festhängen, war zunächst auch, wie genau sie wieder nach Hause kommen - und was sie dafür bezahlen müssen. Unklar war auch zunächst die Situation für hunderttausende Passagiere, die noch Niki-Tickets besitzen.

Hoffnung für Besitzer von Niki-Flugtickets?

Mittlerweile machte der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther vielen Kunden des insolventen Ferienfliegers Hoffnung: Fast alle Flugreisenden sollen den gezahlten Flugpreis zurückerhalten oder umgebucht werden, wie Flöther am Donnerstag mitteilte. Demnach sollen alle Kunden, die seit dem Insolvenzantrag der Niki-Muttergesellschaft Air Berlin Mitte August Flüge direkt bei der österreichischen Airline gekauft haben, den Reisepreis voraussichtlich voll erstattet bekommen.

Das betrifft etwa 200.000 Tickets mit Reisezeitraum bis Ende Oktober 2018, wie Flöther mitteilte. Weitere 210.000 Tickets wurden demnach über Reiseveranstalter gebucht. Diese Tickets müssen die jeweiligen Veranstalter automatisch umbuchen. Dafür sollen sich die Passagiere laut Flöther mit ihrem Reiseveranstalter in Verbindung setzen.

Rückholaktion für gestrandete Niki-Passagiere

Für die 15.500 Passagiere mit Buchungszeitraum bis 31. Dezember 2017, die ihren Flug direkt bei Niki gebucht haben und sich an ihrem Reiseziel im Ausland befinden, haben mehrere Fluggesellschaften eine Rückholaktion organisiert. Betroffene bekommen laut Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) kurzfristig Sonderkonditionen für noch verfügbare Sitzplätze in Rückflügen. 

Die Betroffenen können sich an die Informationsschalter der Fluglinien an den Flughäfen oder an die Telefon-Hotlines wenden. An der Aktion nehmen offenbar Condor, Eurowings, Germania, die Lufthansa und ihre Töchter Austrian Airlines und Swiss teil.

Weiterhin aber unklar ist, ob und wieviel der Steuerzahler nach der Niki-Insolvenz von dem Überbrückungskredit zurückbekommt, den die Bundesregierung Air Berlin in Höhe von 150 Millionen Euro gewährt hatte.

Was wird mit der Fluggesellschaft Niki und ihren Mitarbeitern?

Das ist Ungewiss. Die Fluglinie ist zahlungsunfähig, von nun an übernimmt der Insolvenzverwalter. Der wird nun versuchen, unter Hochdruck Niki oder Teile von Niki zu verkaufen. Niki-Gründer, Ex-Rennfahrer Niki Lauda, hat schon den Finger gehoben und Interesse gezeigt. Allerdings hat er auch klar gestellt: "Der Preis, den man für eine insolvente Airline zahlen muss, ist niedriger als der für eine, die noch fliegt".

Interesse könnte vielleicht auch noch der Reiseveranstalter Thomas Cook haben. Der hatte im Vorfeld mit dem Generalbevollmächtigten von Air Berlin verhandelt, allerdings sei daraus bisher noch kein tragfähiges Angebot entstanden. Die Mitarbeiter müssen zittern. Ihre Hoffnung besteht darin, dass sie von anderen Fluggesellschaften übernommen werden oder jemand die insolvente Niki aufkauft und irgendwie weiter betreibt.

Werden die Preise für Flüge steigen?

Diese Frage kennt ein aus Verbrauchersicht unerfreuliches Beispiel. Auf innerdeutschen Flügen sind die Preise nach der Pleite von Air Berlin zum Teil deutlich gestiegen. Das ist auch der Hintergrund, warum die Wettbewerbshüter in Brüssel schauen, ob in der Flugbranche noch genügend Wettbewerb herrscht. Der Generalbevollmächtigte von Air Berlin jedenfalls bezeichnet die Niki-Pleite in diesem Zusammenhang als "höchst ärgerlich". Mit der Niki verschwinde weitere Kapazität aus dem Markt. "Es wird weniger Wettbewerb geben statt mehr". Sollte sich das bewahrheiten, könnten die Preise steigen.

Was geschieht mit dem Überbrückungskredit?

150 Millionen hatte der Bund der insolventen Air Berlin als Überbrückungskredit geliehen. Dieses Geld sollte aus Verkäufen von Teilen der Air Berlin, darunter auch von Niki, zurückgezahlt werden. Ein Teil dieses Geldes dürfte nach der Niki-Pleite verloren sein. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, der Kredit könne nun möglicherweise nur noch zum Teil zurückgezahlt werden. 

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