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Fußball

Nigerias "Super Falcons" als Vorbild

In Nigeria entdecken Frauen den Fußball für sich - dank der Erfolge der Nationalmannschaft "Super Falcons". Wichtiger für die eigene Karriere ist aber das große Fußball-Festival, das zeitgleich zur WM stattfindet.

Zuschauer beim Frauenfußball in Nigeria (Foto: DW)

Noch ist der Zuschauerandrang beim Frauenfußball in Nigeria gering

Raphael Agetu setzt die Trillerpfeife an die Lippen, ein Pfiff ertönt, und 20 Fußballerinnen traben zu ihm. Als sie sich im Halbkreis um den großen Mann im schwarzen Trikot aufgestellt haben, wird er ernst. Die letzte Übungseinheit vor dem großen Turnier in Port Harcourt beginnt. In der Stadt im Südosten Nigerias kämpfen die Spielerinnen in den kommenden zwei Wochen zwar nicht um den Weltmeistertitel. "Ich mache mir heute Notizen", sagt Raphael Agetu, "wenn ihr wie Workaholics spielt, schreibe ich mir das auf. Und auch, wenn ihr ohne jeglichen Verstand dem Ball hinterher jagt."

Mehr Tore als Messi und Ronaldo schießen

Nigerianische Fußballerinnen auf dem Spielfeld (Foto: DW)

Kunstrasen ist in Nigeria absoluter Luxus

Die jungen Frauen nicken, denn sie wissen, wie wichtig das Turnier ist. Zu diesem schickt jeder der 36 Bundesstaaten seine besten Fußballerinnen. Vielen Kickerinnen geht es gar nicht so sehr um den Titel. Viel stärker hoffen sie darauf, von einem Scout entdeckt zu werden. Auch Nkiruka Timothy, die zum Team der Hauptstadt Abuja gehört, träumt davon. "Das wäre toll", sagt die zierliche Fußballerin und lächelt ein wenig verlegen. Dann wird sie angriffslustig, schließlich hat sie sich noch ein weiteres Ziel gesetzt: Sie möchte die Torjägerstatistik in Port Harcourt anführen. "Ich bin doch Stürmerin und will treffen." Tricks schaut sie sich bei den Spitzenspielern Lionel Messi und Cristiano Ronaldo ab. Doch nicht nur das: "Ich möchte besser werden als sie", sagt Nkiruka Timothy.

So viel Selbstbewusstsein ist keine Seltenheit mehr. Dazu beigetragen haben die Erfolge der "Super Falcons". Die nigerianische Nationalmannschaft gilt als bestes Frauen-Team auf dem afrikanischen Kontinent und lebt dem Nachwuchs eins vor: Ihr könnt siegen und euch gegen Vorurteile durchsetzen. Die sind nach wie vor verbreitet, wenn Frauen Fußball spielen wollen. "Ja, vor allem mein Vater war anfangs dagegen. Er wollte nicht, dass ich meinen Körper zeige und ein knappes Trikot trage", erinnert sich Nkiruka Timothy.

Fußball als Einnahmequelle

Heute sei ihr Vater stolz und unterstütze sie, freut sich Nkiruka Timothy. Vielen anderen Spielerinnen geht es ähnlich. Die Unterstützung ist allerdings nicht uneigennützig. Familien entdecken den Sport als Einnahmequelle. Auch wenn die Anfangsgehälter oft nur zwischen 15.000 und 30.000 Naira - umgerechnet zwischen 75 und 150 Euro - liegen, haben die Spielerinnen ein eigenes Einkommen und können sogar ihre Eltern und Geschwister unterstützen.

Frauenfußball chronisch unterfinanziert

Nkiruka Timothy (Foto: DW)

Nkiruka Timothy gilt als hoffnungsvolle Nachwuchsspielerin

Doch der Weg dorthin ist schwierig. Hauptproblem ist die chronische Unterfinanzierung des Frauenfußballs, über die sich auch Trainerin Adanna Gloria Nwaneri aufregt: "Wir haben keine Sponsoren wie die Männer." Daher ist die Finanzierung häufig ein Glücksspiel. "Manchmal funktioniert es, beispielsweise, wenn der Gouverneur in einem Bundesstaat Fußball-Fan ist", sagt Coach Gloria, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Raphael Agetu die Spielerinnen aus Abuja trainiert. “Geld ist einfach das wichtigste Mittel in unserem Sport“, seufzt sie.

Trotzdem will sich Coach Gloria die Lust am Fußball dadurch nicht vermiesen lassen. Für steht nun das Fußball-Festival in Port Harcourt im Vordergrund. Gleichzeitig ist sie in Gedanken bei der Weltmeisterschaft. Vor allem für das Spiel gegen das deutsche Team drückt sie Eucharia Uche, der Trainerin der "Super Falcons", kräftig die Daumen: "Ich bete wirklich für sie. Sie wird ihre Arbeit machen, für den Rest sind die Spielerinnen zuständig."

Autorin: Katrin Gänsler
Redaktion: Wolfgang van Kann