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Afrika

Nigerias Präsident nutzt das soziale Netzwerk

Das Online-Netzwerk "Facebook" hat wieder prominenten Zuwachs bekommen: auch Nigerias Präsident Jonathan äußert sich jetzt fast täglich zu aktuellen Themen auf seiner Facebook-Seite. Das ist für Nigeria etwas Neues.

Nigerias Präsident Goodluck Jonathan (Foto: ap)

Nutzt auch das Internet: Goodluck Jonathan

Das Interesse an dem neuen Angebot aus dem Präsidentenpalast in Nigerias Hauptstadt Abuja ist offenbar riesig: Die Facebook-Seite des Präsidenten war noch nicht einmal zwei Wochen online, da hatten schon mehr als 100.000 Menschen ihr Interesse an der Seite angemeldet. Zum Vergleich: Für die viel ältere Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel interessieren sich dagegen bisher nur gut 40.000. Von der Anziehungskraft eines Barack Obama ist Goodluck Jonathan allerdings noch weit entfernt: über 10 Millionen Nutzer sind auf dessen Seite registriert.

Facebook ist "in"

Logo von Facebook

Facebook Logo

Bei Facebook können sich Internet-Nutzer registrieren und dann auf ihrer Seite Texte schreiben. Andere Facebook-Nutzer können diese Texte dann lesen und kommentieren und sie können markieren, ob ihnen eine Seite gefällt. Dann werden sie als Interessenten oder Fans dieser Seite gezählt und automatisch über neue Texte auf der Seite informiert.

In einem Internet-Café in Sokoto, im Nordwesten Nigerias, hat gerade eine junge Frau die Seite des Präsidenten geöffnet und ist angetan: Über Facebook könnten die Politiker ihre Meinung über verschiedene Themen äußern. Und alle anderen Nigerianer könnten das auch tun, ohne Angst vor einer Verhaftung zu haben. "Dieses Angebot verkleinert die Kluft zwischen den Politikern und der Bevölkerung", meint die Userin.

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Auch sie nutzen bereits das Internet

Eine Million Nigerianer haben sich bisher bei Facebook angemeldet. Diese Zahl macht das soziale Netzwerk auch für viele Politiker attraktiv. Sie sehen es als eine Möglichkeit mit ihren Landsleuten zu diskutieren, ihren Meinungen und Problemen zuzuhören, um gemeinsam Lösungswege zu finden.

Auch Prominente nutzen Facebook

Yakubu Musa, der für Präsident Jonathan die Öffentlichkeitsarbeit mit gestaltet, bezeichnet die ersten Facebook-Tage als großen Erfolg. Die Texte muss er allerdings nicht schreiben: "Das macht der Präsident selbst". Und das, so Musa, habe auch schon einige seiner Entscheidungen beeinflusst: zum Beispiel hätte der Präsident den nigerianischen Fußballverbandes NFF aus internationalen Wettbewerben abziehen wollen. Diese Entscheidung habe er aber zurückgenommen - auch wegen einiger Kommentare, die Nigerianer über Facebook dazu abgegeben hätten.

Präsident Jonathan schreibt nicht nur über Fußball, sondern auch über Themen, die den Nigerianern seit langem das Leben schwer machen: Die immer noch extrem niedrige Stromproduktion oder die Umweltprobleme im Niger-Delta sind nur einige Beispiele. Und die Nigerianer nehmen das Diskussionsangebot an. Jeder Eintrag des Präsidenten zieht schnell 1500 bis 2000 Kommentare nach sich.

"Alle können alles sagen"

Nigerianische Arbeiter der Akon Oil Company gehen an einer lodernden Flamme an einer Öl-Leitung im Niger-Delta in der Nähe von Port Harcourt vorbei (Foto: dpa)

Heftig diskutiert: Umweltprobleme im Nigerdelta

Im Internet-Café in Sokoto freut sich auch der junge Abdurrahman Mohammed über die neuen Möglichkeiten des Internets. Er könne über Facebook seine Meinung äussern. Und er hoffe, dadurch einen Beitrag dazu zu leisten, dass sich viele Dinge im Land und in der ganzen Welt verbessern. "Ich finde es gut, was unser Präsident gemacht hat. Es ist gut für alle Nigerianer", sagt Abdurrahman Mohammed.

Nicht nur Politiker und einfache Bürger haben in Nigeria das Internet und seine Netzwerke entdeckt. Auch Imame versuchen jetzt, über Facebook Anhänger zu gewinnen. Usman Aliyu ist einer von ihnen. Er diskutiert im Netz mit anderen über religiöse und soziale Themen: "Wir haben beobachtet, dass viele junge Menschen sehr aktiv im Facebook sind. Wir nutzen das, um ihnen religiöse Dinge und das richtige Verhalten im Alltag zu vermitteln."

Es sind Leute wie der junge Lawal Aliyu, die der Imam bei Facebook treffen möchte. Der erklärt sein Interesse am sozialen Netzwerk aber zunächst ganz weltlich: Nicht jeder, meint Aliyu, habe in Nigeria den Mut, öffentlich etwas zu sagen. Aber bei Facebook könnten alle alles schreiben, was sie möchten. Und die ganze Welt könne das sehen, darauf reagieren und Vorschläge machen.

Autor: Mohammad Awal
Redaktion: Klaudia Pape